Am 31. Dezember wäre Paul Spiegel 80 geworden
Spuren, die allgegenwärtig sind

Warendorf -

Der ehemalige Zentralratschef der Juden in Deutschland und Ehrenbürger der Stadt Warendorf, Paul Spiegel, wäre am 31. Dezember 80 Jahre geworden. Die Stadt Warendorf gedenkt an diesem Tag ihres Ehrenbürgers, der am 30. April 2006, nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben war. Freude und Bekannte von Paul Spiegel, Vertreter von Stadt und Politik, die Stolpersteinpaten sowie Schüler des Paul-Spiegel-Berufskollegs nehmen an der Gedenkveranstaltung gegen 11 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof in Warendorf teil, zu der auch die Witwe Gisèle Spiegel aus Düsseldorf erwartet wird.

Freitag, 29.12.2017, 14:12 Uhr

Paul Spiegel wäre am 31. Dezember 80 geworden. Sein hebräischer Name Itzchak ben Chaim heißt ins Deutsche übersetzt: der lachen wird, Sohn des Lebens.
Paul Spiegel wäre am 31. Dezember 80 geworden. Sein hebräischer Name Itzchak ben Chaim heißt ins Deutsche übersetzt: der lachen wird, Sohn des Lebens. Foto: Michael Urban Reuters

In den seltenen Momenten ohne feste Termine schlenderte Paul Spiegel sel. A. durch die Warendorfer Altstadt, besuchte den Jüdischen Friedhof, auf dem seine Eltern beerdigt sind. Manchmal traf er Freunde, Wegbegleiter. Nie war er allein. Leibwächter folgten ihm auf Schritt und Tritt. Trotzdem nahm er sich Zeit. Wenn Paul Spiegel in Warendorf war, sprach er von seinem Zuhause. Auch nach seiner Wahl zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland bekannte er sich immer und ohne Einschränkung positiv zu seiner Vaterstadt.

Der ehemalige Zentralratschef und Ehrenbürger der Stadt Warendorf wäre am 31. Dezember 80 Jahre geworden. Die Stadt Warendorf gedenkt an diesem Tag ihres Ehrenbürgers, der am 30. April 2006, nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben war. Seine letzte Ruhestätte fand Paul Spiegel auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf.

Freude und Bekannte von Paul Spiegel, Vertreter von Stadt und Politik, die Stolpersteinpaten sowie Schüler des Paul-Spiegel-Berufskollegs nehmen an der Gedenkveranstaltung am Sonntag gegen 11 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof in Warendorf teil, zu der auch die Witwe Gisèle Spiegel aus Düsseldorf erwartet wird. Die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Walter-Kaiser wird in Vertretung von Bürgermeister Axel Linke und im Beisein des Arbeitskreises „Jüdisches Leben in Warendorf“ einen Kranz am Jüdischen Friedhof und an der Stele in der Freckenhorster Straße niederlegen.

Paul Spiegels Lebensgeschichte wurzelte in Warendorf, eine Lebensgeschichte, die ihn nicht nur freudige Momente, sondern auch sehr schmerzhafte Einbrüche erfahren ließ. Als Kind musste Paul Spiegel vor den Nazis mit seiner Familie nach Belgien fliehen, wo sie von den Deutschen eingeholt wurden. Sein Vater Hugo wurde verhaftet, seine elfjährige Schwester Rosa in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Nur langsam gewöhnte sich Paul Spiegel wieder an ein Leben in seiner alten Heimat – und bekannte in seinem Buch „Wieder zu Hause“: „Wenn ich nicht gerne in Deutschland lebte, würde ich nicht in Deutschland leben.“ Spiegel blieb ein Leben lang ein Mahner für Menschlichkeit und Toleranz gegen Diskriminierung und Gewalt. Als Bürger hat er seine Stimme immer dann erhoben, wenn er Gefahren für die Freiheit und die Demokratie sah. Spiegel tat dies auf seine Art. Niemals verletzend, immer von dem Gefühl geleitet, verstehen und verändern zu wollen.

Die Erinnerung daran, dass jüdische Bürger in dieser Stadt gelebt und gewirkt haben, ist gegenwärtig. Zeugen dafür sind der Jüdische Friedhof, die Gedenkstele an der Freckenhorster Straße, die Hugo-Spiegel-Straße, das Paul-Spiegel-Berufskolleg und nicht zuletzt die Stolpersteine, die auch für die Familie Spiegel an der Schützenstraße 17 verlegt wurden. Eine Initiative der Altstadtfreunde und des Arbeitskreises Jüdisches Leben in Warendorf. Die Stolpersteine sind Gedenken auch für jenes Unrecht, das durch die Missachtung der Menschenrechte verursacht wurde und wird.

Der Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Warendorf“ und die Stadt Warendorf erarbeiteten mit Paul Spiegel gemeinsam ein Konzept, das zur Umgestaltung des Vorplatzes des Jüdischen Friedhofs vor dem Münstertor und zur Errichtung einer neuen Gedenkstele führen sollte. Dieses Vorhaben lag ihm besonders am Herzen. Schließlich fanden seine Eltern auf dem Friedhof vor dem Münstertor ihre letzte Ruhestätte. Der Ehrenbürger der Stadt Warendorf hat die Einweihung von Vorplatz und Gedenkstele nicht mehr miterleben können. Paul Spiegel verstarb am 30. April 2006. Die Gedenkfeier für Paul Spiegel fand am 24. Mai 2006 im Theater am Wall statt - der Ort, an dem ihm auch das Ehrenbürgerrecht verliehen worden war.

Itzchak ben Chaim, so der hebräische Name Paul Spiegels, (ins Deutsche übersetzt: der lachen wird, Sohn des Lebens) hat Spuren hinterlassen, die nicht vergehen werden.

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