Ein Lied von überzeitlichem Ruhm
Weihnachten in der Stiftskirche Freckenhorst mit dem Lied „Transeamus usque Bethlehem“

Freckenhorst -

Für viele Menschen verbinden sich weihnachtliche Gedanken und Empfindungen mit dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Ebenso populär war für die Menschen in Schlesien bis zu ihrer Vertreibung 1945 das Lied „Transeamus usque Bethlehem“. Sie brachten es als ein Stück Heimat mit in den Westen, und hier wurde es in den folgenden Jahrzehnten ebenfalls oft und gern in den Gottesdiensten gesungen. Inzwischen aber ist es seltener zu hören. Umso erfreulicher ist es, dass der Cäcilienchor S. Bonifatius im Hochamt des diesjährigen Weihnachtsfestes „Transeamus usque Bethlehem“ erklingen lässt.

Donnerstag, 21.12.2017, 16:12 Uhr

Joseph Ignaz Schnabel gehört zu den großen Kirchenmusikern Schlesiens.
Joseph Ignaz Schnabel gehört zu den großen Kirchenmusikern Schlesiens. Foto: Klaus Gruhn

Was hat die Komposition der lateinischen Verse so populär gemacht? Der schlichte Eingangsvers „Transeamus…“ enthält die Aufforderung „Lasst uns herübergehen nach Bethlehem“, eine Aufforderung, die die Hirten sich gegenseitig zurufen, als die Engel gemäß dem biblischen Bericht des Lukas die Nachricht von der Geburt des Heilands verkünden.

Die Hirten wollen also nachsehen, ob es stimmt, dass der „Retter der Welt“ in einem Stall bei Maria und Josef in der Krippe liegt.

In dem Chorwerk repräsentieren die Bässe und Tenöre diese Hirten, bevor dann die Frauenstimmen mit einem immer kräftiger anschwellenden „Gloria“ als „Engelschor“ in das musikalische Krippenspiel einstimmen.

Die einfache formale Umsetzung des biblischen Berichtes, die Verwurzelung der Harmonien in der Volksmusik und die von Melodien und Text ausstrahlende Freude über die Menschwerdung Gottes machen den überzeitlichen Ruhm des Liedes aus. Es entstand wohl als liturgisches Krippenspiel zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Schlesien und wurde von Joseph Ignaz Schnabel (1767 – 1831) zu einer instrumentierten „Weihnachtspastorale“ für Chor und Orchester im Breslauer Dom umgestaltet, als er 1805 Domkapellmeister geworden war. Paul Blaschke, dem letzten deutschen Domkapellmeister in Breslau gelang es 1945 vor dem Dombrand, die handschriftliche Partitur Schnabels aus der belagerten Stadt zu retten.

Joseph Ignaz Schnabel gehört zu den großen Kirchenmusikern Schlesiens. Nach dem Besuch des berühmten Matthiasgymnasiums in Breslau wurde er zunächst Dorfschulmeister. Sein musikalisches Talent wurde jedoch schnell erkannt. Er wurde als Organist an zwei Breslauer Kirchen berufen, stieg zum Domkapellmeister und zum Konzertmeister am Breslauer Theater und schließlich zum Universitätsmusikdirektor auf. Zu seinen Arbeiten gehören fünf Messen und zahlreiche Instrumentalwerke. Wirklich populär wurde und blieb er jedoch als Komponist der Weihnachtspastorale „Transeamus usque Bethlehem“.

Für die Schlesier wurden Melodie und Text wehmutsvolle Erinnerung an die verlorene Heimat, für die Besucher der Weihnachtsmesse in der ehrwürdigen Freckenhorster Stiftskirche kann das Lied zu einem innigeren Verständnis der Weihnachtsbotschaft führen.

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