Telgter war ein begnadeter Büttenredner
Hochdekorierter Narr

Telgte -

Peter Dräger hat im Laufe der Jahre Hunderte Karnevalsorden gesammelt.

Samstag, 10.02.2018, 14:02 Uhr

Die Wände hängen bei Peter Dräger mit Auszeichnungen und Karnevalsorden von rund 2000 Veranstaltungen voll, die der Büttenredner im Laufe der Jahrzehnte bereichert hat.
Die Wände hängen bei Peter Dräger mit Auszeichnungen und Karnevalsorden von rund 2000 Veranstaltungen voll, die der Büttenredner im Laufe der Jahrzehnte bereichert hat. Foto: Pohlkamp

Karnevalsorden sammeln fasziniert und kann sich zu einer Leidenschaft entwickeln, wenn das Sammeln mit einer weiteren Passion kombiniert wird: das Vortragen von Büttenreden. So wie bei Peter Dräger . 50 Jahre lang hat er Karnevalsorden im Rahmen seiner vielen Auftritte gesammelt. Die Verdienstauszeichnungen in seiner Kollektion sind ein Spiegelbild seiner Karriere als Büttenredner. Hinter jedem Ehrenabzeichen steckt eine Menge kreativer Arbeit.

„Ohne Fleiß keine Auszeichnung“: Getreu diesem Motto gab es für Peter Dräger nach jedem seiner Auftritte diese Fleißkärtchen, wie er sie liebevoll bezeichnet. 14 Jahre sind seit seinem letzten Auftritt vergangen. Mit 70 Jahren hat Peter Dräger nach etwa 2000 Veranstaltungen und ebenso vielen Abzeichen im Gepäck Schluss gemacht.

Seinen Heimatvereinen, der KG Witte Müse, wo er von 1981 bis 1983 Präsident war, und seiner KG Schwarz-Gold Telgte, bei der er Ehrensenator ist und 38 Jahre lang ununterbrochen den Karneval nicht nur als Büttenredner aktiv begleitete, hat er viel zu verdanken.

Mit den vielen Hausorden von rund 550 unterschiedlichen Vereinen und Organisationen sowie 32 Fernsehen- und Rundfunkauftritten verbinden sich Erinnerungen und Geschichten.

Humorvolle Reden vorbereiten, Menschen unterhalten und im Karneval das Publikum begeistern: Von 1954 bis 2004 lebte Peter Dräger diese Rolle als Seelentröster und Mann, der stets mit brennender Wortwahl die Menschen faszinierte, denn seine Pointen brachten die Zuhörer zum Lachen und erzeugten Freudentränen. Überall, wo er auftrat, erhielt er Beifall, Dank und Anerkennung und immer wieder die Orden als Belohnung. Münster, Düsseldorf, an der Nordseeküste, Frankfurt, Köln, Aachen und sogar im belgischen Eupen auf einer Herrensitzung war er ein Bühnenstar.

„Ich habe es immer geliebt, eine Rolle auszufüllen,“ blickt Peter Dräger mit 84 Jahren zurück auf eine fantastische Reise durch die Welt des Humors. Von seinem Geburtsort Paderborn, wo er am 13. April 1933 das Licht der Welt erblickte, zog es ihn schon bald mit der Familie nach Gronau. Hier besuchte er die Schule und nahm nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ausbildung als Feinblechner auf. Doch schon bald wurde sein Traumberuf Polizist Realität. In der Polizeischule Selm-Bork ließ er sich ausbilden. Als Sportler spielte er zunächst Fußball, dann faszinierte ihn der Handballsport, und so wurde er Handball-Torwart.

Bereits während der Polizeiausbildung zeigte Peter Dräger ein weiteres Talent, der des Unterhaltungskünstlers. Die Geburtsstunde des Entertainers auf Polizeifesten hatte geschlagen. So verband er ab 1954 Beruf und Hobby miteinander. Deutschland war gerade Fußball-Weltmeister geworden, als er seine Karriere als Alleinunterhalter startete. Fast 43 Jahre lang war Peter Dräger im Polizeidienst tätig. Seine Karriere führte ihn 1960 zur Verkehrserziehung. Er spielte mit der Puppenbühne Kasperltheater vor Kindern, oft auch in Telgte. Hier zeigte sich einmal mehr: Die Bühne, ob im kleinen oder im großen Maßstab, war sein Ding.

Seine ersten Auftritte hatte er in kleinen Vereinen. Seine Premiere feierte Peter Dräger 1960 bei der Karnevalsgesellschaft „Witte Müse“. Dieser Verein wurde 1958 von Autobahnpolizisten ins Leben gerufen wurde. „Hier erhielt ich meinen ersten Karnevalsorden, eine Anstecknadel aus Emaille.“

Der älteste Orden geht auf das Jahr 1936 zurück. „Den habe ich Anfang der 1960er Jahre per Zufall bekommen,“ erzählt Peter Dräger, weil ihm Präsident Mecki Düllberg von der KG Unwiesität Münster nach einem Auftritt keinen Sessionsorden überreichen konnte, nahm dieser ersatzweise wahllos einen von seiner Brust und überreichte ihn Peter Dräger. „Es war der Münsteraner Prinzenorden von 1936.

Einen weiteren besonderen Orden erhielt Peter Dräger als die höchste Auszeichnung, die der Bund Westfälischer Karneval (BWK) zu vergeben hat.

Ein Unikat ist ein Hampelmann-Polizist aus Sperrholz. Ein Körperbehinderter aus Münster hatte Peter Dräger im Fernsehen bei „Westfalen haut auf die Pauke“ erlebt. Das hatte ihn so fasziniert, dass er einen ganz persönlichen Orden anfertigte und diesen mit der Post zusandte.

Stolz ist Peter Dräger auch auf den Orden „Die Goldene Peitsche“, eine der höchsten Auszeichnungen im münsterischen Karneval. Zusammen mit Domkapitular Walter Böcker erhielt er am 8. Januar 1996 diese Auszeichnung.

In seinen Lieblingsrollen erlebten ihn auch viele Telgter: als Büttenredner „Tönne Mörtel“, als Schutzmann an der Ecke oder als Müßiggänger. Doch bevor er den Weg als Entertainer einschlug, bereitete er sich jedes Mal intensiv vor. Ideen sammeln und Kreativität gehörten mit zu seinen Fähigkeiten. Er hörte Radiosendungen mit Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff. Von ihnen übernahm er viele Eigenschaften. Er sammelte Witze und Geschichten. Freude und Begeisterung bescherte er so seinen Zuhörern, schließlich herrschte in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg großer Nachholbedarf.

Heute schaut sich Peter Dräger manchmal seine Orden an und erinnert sich an Begegnungen und Auftritte, die ihn in seinem Leben zu einer echten Frohnatur werden ließen, und immer dort, wo er auftrat, schüttelten sich die Zuhörer vor Lachen.

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