Teamarbeit in der Rettungswache
Mit Leib und Seele

Sendenhorst -

Wachübergabe und Fahrzeugcheck liegt bereits hinter der Besatzung der Rettungswache in Sendenhorst. Wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt, wie beim ersten und zweiten Versuch, können sich die Mitarbeiter an diesem Vormittag etwas Zeit nehmen für einen Pressetermin und über ihre Leidenschaft, ihren Beruf als Notfallsanitäter, Rettungsassistent und Notarzt sprechen.

Montag, 25.12.2017, 10:12 Uhr

Berichten über ihre Aufgaben und ihre Ausbildung im Rettungswesen: (v.l.) die Rettungsassistenten Benedikt Woeste und Markus Möhlenbrock, Notfallassistent und Leiter der Rettungswache Heinz Linnemann, Notarzt Christian Kaiser und Notfallassistent Robert Pottgüter .
Berichten über ihre Aufgaben und ihre Ausbildung im Rettungswesen: (v.l.) die Rettungsassistenten Benedikt Woeste und Markus Möhlenbrock, Notfallassistent und Leiter der Rettungswache Heinz Linnemann, Notarzt Christian Kaiser und Notfallassistent Robert Pottgüter . Foto: Annette Metz

Wachübergabe und Fahrzeugcheck liegen bereits hinter der Besatzung der Rettungswache in Sendenhorst. Wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt, wie beim ersten und zweiten Versuch, können sich die Mitarbeiter an diesem Vormittag etwas Zeit nehmen für einen Pressetermin und über ihre Leidenschaft, ihren Beruf als Notfallsanitäter, Rettungsassistent und Notarzt sprechen. Es gibt auch noch den Rettungssanitäter. Doch einen solchen haben die fünf Männer an diesem Morgen nicht in ihrer Runde. Wer jetzt glaubt, Notfallsanitäter, Rettungsassistent und Rettungssanitäter: das ist doch alles das gleiche, der liegt falsch, erklären die Männer.

Heinz Linnemann und Robert Pottgüter sind Notfallsanitäter. Damit haben die beiden die momentan weitreichendste Ausbildung und auch Kompetenz im Rettungswagen. Linnemann hatte zunächst eine Ausbildung zum Dreher bei Bütfering gemacht, bevor er sich 1978 entschied, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, um dort die Ausbildung zum Rettungsassistenten zu machen. Dafür musste er ebenso wie Kollege Pottgüter viele Ausbildungsabschnitte in Theorie und Praxis absolvieren. Auch die „Nachwuchskräfte“ Benedikt Woeste und Markus Möhlenbrock sind diesen Weg gegangen. Sie haben eine zweieinhalbjährige Ausbildung absolviert, zu der auch ein Anerkennungsjahr gehört. Es wurde Theorie gebüffelt, in Krankenhäusern hospitiert, erneut gelernt und dann das Examen als staatlich geprüfter Rettungsassistent abgelegt. Für den Rettungssanitäter muss man dagegen eine 520 Stunden umfassende Ausbildung machen sowie eine theoretische und praktische Prüfung ablegen. „Das ist eine Hilfsausbildung“, erläutert Robert Pottgüter. Rettungssanitäter können als Fahrer und Beifahrer haupt- und ehrenamtlich im Krankentransportwagen eingesetzt werden.

Mindestens zwei Besatzungsmitglieder gibt es in jedem Rettungsfahrzeug. Dabei sei der Beifahrer der „Chef“ im Wagen, erklärt Benedikt Woeste. Sowohl was die medizinischen Maßnahmen angeht als auch einsatztaktische Überlegungen und Entscheidungen wie die Organisation, Einsatzmittel, Rettungswege, Eigensicherung und die Suche nach der Zielklinik, in die die zu versorgende Person gebracht wird, sind Sache des „Beifahrers“.

„Ein Einsatz endet eigentlich immer im Krankenhaus“, erklärt Christian Kaiser, der an diesem Morgen als Notarzt Dienst hat. „Vor Ort wird in der Akutsituation geholfen. Aber Ziel ist immer, den Patienten zur Behandlung in ein Krankenhaus zu bringen“, erklärt Kaiser, der normalerweise als Anästhesist in der Raphaels-Klinik in Münster arbeitet. „Selbst dann, wenn wir gerufen werden, weil sich jemand in den Finger geschnitten hat“, unterstreicht Heinz Linnemann. Kein Scherz – auch das sei schon vorgekommen.

Arzt möchte übrigens auch Benedikt Woeste werden. Er hat in der Schule schon seine Begeisterung für Medizin und Naturwissenschaften entdeckt. Nach dem Abitur hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungswesen gemacht und seinen Rettungsassistenten gebaut. Nun will er weitere Erfahrungen sammeln, aber dann auch Medizin studieren. Kollege Markus Möhlenbrock hat als erste Ausbildung Informationselektroniker gelernt. Sein Weg in den Rettungsdienst führte über seine Verbindung zu den Maltesern in Havixbeck, denen er schon als Zwölfjähriger beitrat. „Ich bin dann da reingewachsen und habe schließlich doch mein Hobby zum Beruf gemacht“, erinnert er sich.

Seit 1989 ist Heinz Linnemann beim Kreis Warendorf als Rettungsassistent angestellt. Doch das Rettungswesen werde seither immer mehr professionalisiert. So sei auch der Rettungsassistent eigentlich ein „Auslaufmodell“, erklärt er. Daher habe er sich gemeinsam mit Robert Pottgüter, der zunächst eine Ausbildung zum Bandagisten gemacht hat und seit 1992 Rettungsassistent ist, zum Notfallsanitäter weitergebildet. Diese Ausbildung ist noch im Aufbau, erklärt Linnemann. Während die beiden sich als erfahrene „Altgediente“ in Lehrgängen auf ihre Prüfungen vorbereiten konnten, werden Nachwuchskräfte künftig über drei Jahre ausgebildet. „Der Kreis hat seit dem 1. September die ersten beiden Auszubildenden in diesem Bereich eingestellt“, erklärt Heinz Linnemann.

Der Notfallsanitäter ist also höher qualifiziert und hat mehr medizinische Kompetenzen, erklären Linnemann und Notarzt Christian Kaiser. Er darf nach der Freigabe durch den ärztlichen Leiter Medikamente geben oder Zugänge legen.

Die fünf Männer spielen sich in diesem Gespräch über ihren Beruf harmonisch die Bälle zu. Dass ausschließlich Männer anwesend sind, ist übrigens reiner Zufall, erklärt Wachleiter Heinz Linnemann. Das komplette Team bestehe in Sendenhorst aus 16 Mitarbeitern, davon seien vier Frauen. In der Wache in Drensteinfurt, die Linnemann ebenfalls leitet, sind zehn Mitarbeiter aktiv, darunter zwei Frauen.

Die Teams werden nahezu zu jeder 24-Stunden-Schicht neu zusammengewürfelt. Aber alle können sehr gut miteinander. „Rettungsdienst ist Teamarbeit, auch mit anderen Einsatzkräften wie Feuerwehr, THW oder Polizei“, erklärt Heinz Linnemann, und Robert Pottgüter ergänzt: „Man muss sich blind verstehen und auf einander verlassen können.“

Wie eng die Einsätze von Rettungsteam und Feuerwehr oft miteinander verzahnt sind und die Erfahrung in beiden Bereichen sehr hilfreich ist, weiß inzwischen auch Notarzt Christian Kaiser: „Heinz hat den Helm oft schon in der Hand, ehe ich mir vorstellen kann, was vor Ort auf uns wartet.“

24 Stunden am Stück verbringen die Crews miteinander in einer Schicht. Doch es werden keineswegs die Beine hochgelegt, wenn es gerade keinen Einsatz gibt. Nach der Wachübergabe am Morgen folgt der Fahrzeugcheck. Ein bis zwei Stunden muss am Wagen gearbeitet werden. „Wir haben da eine kleine Intensivstation, die viel Pflege braucht“, erklärt Benedikt Woeste. Wartung, Desinfektionsmaßnahmen, Sonderreinigungen, Check der Gerätschaften bis hin zur Wagenwäsche von außen: Es gibt viel zu tun. Auch nach einem Einsatz. Außerdem gilt es, die Wache in Schuss zu halten. Auch die will gepflegt werden.

Der Dienst hat seine schönen und seine schweren Seiten. Drei Geburten hat Benedikt Woeste schon erlebt. Und wenn es eine Rückmeldung gibt, dass es jemandem nach einer Hilfeleistung wieder gut geht, freut das alle     Beteiligten auch immer. Vor allem, wenn man dann weiß, in einem schwierigen Fall erfolgreich im Team gearbeitet zu haben. Aber auch den Helfern bleibt so einiges in den Kleidern stecken. Etwa, wenn Kinder verunglücken, oder Verwandte oder Freunde betroffen sind. Aber dann, da können sie sicher sein, haben die Kollegen ein Auge dafür, und sie fangen sich gegenseitig auf.

Wenn es nach der 24-Stunden-Schicht für die Rettungswachenbesatzung in den Feierabend geht, ist das Thema für die meisten aber nicht vom Tisch. Dann warten bei vielen noch ehrenamtliche Aufgaben in ihren Heimatorten bei der Feuerwehr, beim DRK, den Maltesern oder, oder . . . .

Sie sind eben Rettungsdienstler mit Leib und Seele.

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