Barockallee am Kettelerschen Schloss aufgeforstet
Kaiserlinden für die Schlossallee

Füchtorf -

Die jungen Bäumchen stehen in langer Reihe exakt ausgerichtet auf beiden Seite der Asphaltstraße. Behutsam schiebt der Bagger mit seinem langen Schaufelarm Erde zurück in riesige Pflanzlöcher.

Sonntag, 24.12.2017, 09:12 Uhr

Behutsam schaufelt der Bagger mit langem Arm die Pflanzlöcher rund um die Kaiserlinden wieder zu.
Behutsam schaufelt der Bagger mit langem Arm die Pflanzlöcher rund um die Kaiserlinden wieder zu. Foto: Ulrike von Brevern

69 Kaiserlinden hatten die Gärtner nach und nach herangeschafft. Stunden später war daraus eine Allee geworden. Pünktlich zum Weihnachtsspaziergang können Besucher an der Kettelerschen Seite der Doppelschlossanlage Harkotten wieder den Charakter der ursprünglichen Barockallee ahnen.

Noch fallen die massiven Stützen, die den Bäumchen in den kommenden Jahren helfen, trotz Wind und Wetter gerade in den Himmel zu wachsen, stärker ins Auge als die mageren Stämme. „Es wird wohl noch etwas dauern, bis unsere Nachfahren den gleichen Eindruck erfahren, wie wir vor noch drei Jahren“, gibt Friedrich-Carl Freiherr von Ketteler-Harkotten unumwunden zu. Dennoch ist er froh, dass der ursprüngliche Anblick einer Lindenallee, die zielgenau auf den Mittelrisalit des Barockschlosses zuführt, wieder auf den Weg gebracht ist.

Im Februar 2015 war die prachtvolle Allee der Kettensäge zum Opfer gefallen, weil die Stämme zum Teil bis in die dickeren Äste hinein ausgehöhlt waren – ein Problem, das bei Sommerlinden nicht ungewöhnlich ist. Zudem hatte sich der Brandkrustenpilz festgesetzt. „Niemand wollte die Verkehrssicherungspflicht übernehmen. Man muss sich nur mal vorstellen, so ein Ast fällt einem Spaziergänger auf den Kopf“, erinnert sich Freiherr von Ketteler .

Aufforsten war schon damals geplant, doch mussten sich die Eigentümer zunächst mit dem Denkmalamt einigen. Dabei ist die Allee kein Natur- sondern ein architektonisches Denkmal. Die Anlage geht vermutlich auf die Ursprungszeit des Schlosses vor rund 250 Jahren zurück, als Lindenalleen ein beliebtes Stilmittel der barocken Gartenkunst waren.

Zumindest in ihren jüngeren Jahren wurden die Sommerlinden den Vorstellungen des Gartenarchitekten gemäß korrekt in Form geschnitten. Das sei an den alten Bäumen teilweise noch erkennbar gewesen, berichtet der Freiherr.

Das Denkmalamt pochte darauf, den alten Zustand des Architektur-Denkmals herzustellen, und das bedeutete, Sommerlinden anzupflanzen. Die von Kettelers wollten eine gesunde Basis für eine Generationen überdauernde Allee schaffen. Dafür schien ihnen die Sommerlinde wegen gewandelter Klimaverhältnisse zu anfällig. „Im Wald fällt es einem Laien nur selten auf, wenn ein Baum zwischen vielen krank wird und abstirbt. Bei einer Allee sieht man es aber sofort“, streicht Freiherr von Ketteler heraus.

Schließlich fiel der Kompromiss auf die Kaiserlinde, einer Kreuzung von Sommer- und Winterlinde, die auch an der Münsteraner Promenade eingesetzt wurde und sich bislang als recht robust erwiesen hat. Zum Schutz der jungen Bäume vor dem Brandkrustenpilz wurde der Boden großzügig ausgetauscht. Ein Mantel aus Bast schützt die zunächst noch empfindlichen Stämme vor Sonne und anderen Umwelteinflüssen. Die Füchtorfer haben jetzt die ungewöhnliche Gelegenheit, ein Denkmal wachsen zu sehen. Wenn es nach Eigentümer Freiherr von Ketteler geht am Besten für die nächsten 250 Jahre, ehe sich irgendjemand wieder Gedanken machen muss.

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