Die seltsame Zeit zwischen den Jahren
Besser keine Wäsche waschen

Ostbevern -

Gertrud Mußmann, Rita Spengler, Ida von und zur Mühlen, Reinhard Adams und Johannes Köhnsen sitzen gemütlich im Wohnzimmer von Gertrud Mußmann zusammen und erinnern sich an Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren in ihrer Kindheit und Jugend. Abe sie blicken keineswegs nur zurück.

Samstag, 30.12.2017, 13:12 Uhr

Erinnern sich gerne an Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren in ihrer Kindheit und Jugend: Reinhard Adams, Ida von und zur Mühlen, Gastgeberin Gertrud Mußmann, Rita Spengler und Johannes Köhnsen (v.l.).
Erinnern sich gerne an Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren in ihrer Kindheit und Jugend: Reinhard Adams, Ida von und zur Mühlen, Gastgeberin Gertrud Mußmann, Rita Spengler und Johannes Köhnsen (v.l.). Foto: Anne Reinker

Weihnachten ist vorbei, das alte Jahr bald ebenfalls, 2018 nur noch einige Stunden entfernt. „Zwischen den Jahren“ wird die Zeitspanne von den Feiertagen bis zum neuen Jahr genannt. Sie hat ihren Ursprung in der jahrhundertelangen Diskussion über den Zeitpunkt der Geburt Christi und den Jahresanfang zu Beginn der neuen Zeitrechnung. Verschiedene Bräuche verknüpfen sich damit. Wie sie früher Weihnachten und die Spanne von Weihnachten bis zum Jahreswechsel erlebten und was ihnen heute wichtig ist, erzählen an diesem Dezembernachmittag, kurz vor Silvester, Gertrud Mußmann, Rita Spengler , Ida von und zur Mühlen, Reinhard Adams und Johannes Köhnsen . Gemütlich sitzen sie alle im Wohnzimmer von Gertrud Mußmann zusammen.

„Die Bräuche existieren heute im Wesentlichen noch“, meint Johannes Köhnsen bezüglich der Weihnachtsfeiertage. Die Geschenke fielen damals natürlich kleiner aus. „Es gab selbst Gebasteltes“, erzählt Reinhard Adams. „Oder ein paar neue Strümpfe“, fügt Ida von und zur Mühlen hinzu. Johannes Köhnsen verbindet mit den Feiertagen immer den Gang in die Uchte. Über drei Stunden habe dieser Kirchenbesuch gedauert, erzählt der 92-Jährige. Er sei eine Selbstverständlichkeit und ohne diesen Besuch kein Weihnachtsfest denkbar gewesen.

Vieles wissen die Senioren auch über Bräuche zwischen den Jahren zu erzählen. Eine Denkweise hält sich offensichtlich schon seit Jahrhunderten: Zwischen den Jahren darf keine Wäsche gewaschen werden. So auch im Haushalt von Gertrud Mußmann, die der Waschmaschine bis zum neuen Jahr eine Auszeit gönnt. „Früher hieß es auch, keine Bettwäsche neu aufzuziehen oder frische Leibwäsche anzuziehen“, erinnert sich Rita Spengler an ihre Kindheit. Ihre Mutter habe das aber zum Glück nicht so gehandhabt. Die Wäsche würde sie selbst jedoch auch nicht zwischen den Feiertagen waschen. „Das steckt zu tief in einem drin“, meint die 91-Jährige.

Woher der Aberglaube kommt? Dem nordischen Gott Wotan, der mit seinem achtbeinigen Hengst Sleip­nier in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar unterwegs ist, spricht man den Mythos zu. Wenn sich Wotan in den sogenannten Raunächten in den Wäscheleinen verwickele, drohe der Tod eines Familienmitglieds. Übrigens ebenso, wenn die Wäsche im Haus getrocknet wird. Auch im Zeitalter von Waschmaschine und Trockner hält sich der Brauch in einigen Familien immer noch.

Mit dem Waschverbot war es zu früheren Zeiten übrigens nicht getan: Nähen, den Stall auszumisten oder Kehricht zusammenzufegen, all das war ebenso verpönt.

Abgesehen vom Aberglaube, das Leben ging natürlich weiter. Johannes Köhnsen verbindet mit den Winterferien schöne Erinnerungen an seine Kindheit. „Mein Onkel nahm mich dann schon mal mit zur Jagd“, erzählt er. „Oft lag Schnee, dann ging es zum Rodeln“, erinnert sich Rita Spengler, die im Sauerland aufwuchs. Insgesamt rückte die Bedeutung der Bräuche und Aktivitäten aber vor allem in den 1940/50er Jahren aufgrund des Kriegsgeschehens in den Hintergrund, die Sorge um die Männer und Söhne war zu groß.

Wenn der Jahreswechsel bevorstand, freute man sich auch früher schon auf Berliner und Eiserkuchen. Ihre älteren Geschwister seien früher mit Neujahrswünschen durch die Nachbarschaft gegangen und hätten hier und dort kleine Süßigkeiten bekommen, erzählt Gertrud Mußmann. Besonders wichtig sei in dieser Zeit aber vor allem das Beisammensein mit Familie und Freunden gewesen. „Man saß zusammen und erinnerte sich an das, was gut geklappt hat oder was weniger gut war“, erinnert sich auch Johannes Köhnsen. Und man machte an Silvester Pläne für das neue Jahr. Die Kinder, so berichtet neben Köhnsen auch Ida von und zur Mühlen, durften dann schon mal an eine Gläschen Bier oder Wein nippen.

Angestoßen auf das neue Jahr wird in diesem Jahr natürlich auch in der Familie Köhnsen. Doch bevor die ersten Raketen den Himmel erleuchten werden, wird hier „Müllpoker“ gespielt. „Jeder guckt zu Hause, was er gar nicht mehr haben will und packt es ein“, verrät Johannes Köhnsen. Dann werde darum geknobelt, ausgepackt und „das Gelächter geht richtig los“.

Und auf diese Tradition freuen sich die Senioren ebenfalls sehr: auf das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, das sie am Montag im Fernsehen verfolgen wollen. „Dazu gibt es dann noch eine Flasche Sekt“, verrät Ida von und zur Mühlen. Worauf die älteren Herrschaften für das neue Jahr hoffen, können sie schnell sagen: „Gesundheit und Frieden.“ Da sind sie sich einig.

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