Vertrauliche Geburt
Die Alternative zur Babyklappe

Kreis Warendorf -

Anna ist 19 Jahre alt, als sie ungewollt schwanger wird. Sie kann das Kind nicht behalten und entscheidet sich für die Vertrauliche Geburt.

Sonntag, 24.12.2017, 08:12 Uhr

Die Vertrauliche Geburt soll schwangeren Frauen in Notsituationen helfen, ihr Kind zu bekommen. Elena Küpper und Dorothea Kemper (rechts, kleines Bild) von der Schwangerschaftsberatung erklären diese Möglichkeit.
Die Vertrauliche Geburt soll schwangeren Frauen in Notsituationen helfen, ihr Kind zu bekommen. Foto: Colourbox.de (Symbolbild)

Gesundheit und Wohlergehen – Das wünschen sich viele Menschen zu Weihnachten. Und Schwangere wünschen sich das natürlich für ihre noch ungeborenen Kinder. Doch immer wieder gibt es werdende Mütter, die in Not sind. Gewalttätige Kindsväter, gravierende finanzielle Probleme oder eingefahrene familiäre Strukturen können dafür sorgen, dass eine Schwangere ihr Baby nach der Geburt nicht behalten kann oder will. Der allerletzte Ausweg heißt Babyklappe. Doch seit 2014 gibt es eine Alternative, die für Mutter und Baby deutlich sicherer und besser sein soll: Die Vertrauliche Geburt.

Begleitung durch die ganze Schwangerschaft

Anna (Name von der Redaktion geändert) ist 19 Jahre alt, als sie ungewollt schwanger wird. Die Familienstrukturen bei Anna sind schwierig, und die Familie würde eine Schwangerschaft auf keinen Fall dulden. Vom Vater des Babys kann ebenfalls nicht viel Unterstützung erwartet werden. Anna sieht keine Chance, das Baby behalten zu können. Abtreibung ist für sie aber keine Option. Und das Baby nach der Geburt an der Babyklappe „auszusetzen“, ist für sie nur die allerletzte Möglichkeit.

Die Vertrauliche Geburt ist eine Möglichkeit für Frauen, ihr Kind in legalem Rahmen, mit bestmöglicher Unterstützung und anonym zu entbinden.

Dorothea Kemper

Anna wendet sich stattdessen an eine Beratungsstelle für Schwangere. Nach langen Gesprächen entscheidet sich Anna für eine Vertrauliche Geburt. Dabei wird Anna die ganze Schwangerschaft über begleitet. Arzttermine werden für sie organisiert, sie erhält zahlreiche Tipps. „Wir bieten in dieser schwierigen Situation psychosoziale Hilfe in Form von Gesprächen an“, erklärt Elena Küpper , Fachbereichsleiterin bei der Schwangerschaftsberatung des Sozialdienstes Katholische Frauen, kurz SKF .

Passende Unterbringung wird gesucht

Im Rahmen der Vertraulichen Geburt muss Anna ihren echten Namen nur der Beraterin mitteilen. Für das Krankenhaus und alle anderen Personen, die rund um die Schwangerschaft und Geburt für sie und das Kind da sind, bekommt sie ein Pseudonym. Anna hat also eine qualifizierte Beratung und hat anders als bei der Babyklappe, die medizinische Versorgung während der Schwangerschaft gesichert. Alles dank der Vertraulichen Geburt, die seit 2014 mit einem Gesetz rechtlich abgesichert ist. „Die Vertrauliche Geburt ist eine gute Möglichkeit für Frauen, ihr Kind in legalem Rahmen, mit bestmöglicher Unterstützung und anonym zu entbinden“, meint Dorothea Kemper vom SKF.

Unterstützung

Beratungen rund um die Vertrauliche Geburt führt der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) durch, erreichbar unter Telefon 0 25 81 / 7 81 41 12. Weitere Informationen sind in Netz zu finden unter http://www.skf-zentrale.de/86856.html . Auch das Bundesministerium für Familie gibt Auskünfte zum Thema Vertrauliche Geburt. Es ist zu erreichen unter Telefon 08 00 / 4 04 00 20 oder www.geburt-vertraulich.de.

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Nach der Geburt wird für die Neugeborenen nach einer passenden Unterbringung gesucht. „Und die wird eigentlich auch immer gefunden. Die Nachfrage von Paaren nach einer Adoption ist sehr groß“, erklärt Elena Küpper. So wüssten werdende Mütter, die sich für eine Vertrauliche Geburt entscheiden, dass ihr Kind nach der Geburt in guten Händen ist. „Die Schwangere kann auch einen Brief für das Baby schreiben und ihm darin erklären, warum sie es nicht behalten konnte. Dieser Brief wird den Kindern auf Wunsch Jahre später ausgehändigt.“

Die Schwangere kann einen Brief für das Baby schreiben und ihm erklären, warum sie es nicht behalten konnte. Dieser Brief wird den Kindern Jahre später ausgehändigt.

Elena Küpper

Babyklappen werden nie ganz verschwinden

Für das Kind hinterlässt die Mutter ihren Namen und einige Informationen in einem verschlossenen Umschlag. Ist das Kind 16 Jahre, kann es den Umschlag öffnen. In Deutschland haben seit 2014 knapp 400 Schwangere das Angebot der Vertraulichen Geburt wahrgenommen. „Der Bedarf ist also da. Und die Zahl der an Babyklappen gefundenen Neugeborenen scheint deutlich zurückgegangen zu sein“, erzählt Kemper. Nur noch knapp 30 Babys werden jährlich in dieser Form „abgegeben“.

„Trotzdem wird die Babyklappe nie ganz verschwinden können. Es wird leider immer Frauen geben, die gezwungen sind, ihr Baby dort zu lassen“, vermutet Elena Küpper. Denn die Vertrauliche Geburt könne keine vollständige Anonymität der werdenden Mutter gewährleisten.

Anna aus dem Kreis Warendorf übrigens hat sich kurz vor der Geburt ihre Kindes doch noch umentschieden. Sie konnte es nicht über das Herz bringen, ihr Baby abzugeben. Anna tauchte unter und löste sich komplett von ihrer Familie und den patriarchalischen Strukturen. Aber auch dabei ist ihr die Unterstützung der Schwangerschaftsberatung sicher.

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