Vierte Folge über die besonderen Ausstattungsdetails der St.-Magnus-Kirche
Fenster als Botschaft der Bibel

Everswinkel -

Unter anderem befasste sich die vorherige Folge der Serie über die Architektur und die Ausstattung der Pfarrkirche St. Magnus mit den Gewölbemalereien. In diesem vierten Teil geht es nun um eine andere Form der bildlichen Darstellung: die Fensterbilder. Des Weiteren fällt der Blick auf einen besonderen Schatz in der Magnus-Kirche, das Hungertuch.

Samstag, 10.02.2018, 11:02 Uhr

Bildliche Darstellungen in St. Magnus: Die beiden Fensterbereiche zeigen die Vertreibung aus dem Paradies (l.) und den Gekreuzigten. In der Mitte das „Hungertuch“ von 1614, ältestes Exemplar seiner Art im Bistum Münster.
Bildliche Darstellungen in St. Magnus: Die beiden Fensterbereiche zeigen die Vertreibung aus dem Paradies (l.) und den Gekreuzigten. In der Mitte das „Hungertuch“ von 1614, ältestes Exemplar seiner Art im Bistum Münster. Foto: Zimmermann(2) / Günther Wehmeyer

Das Kircheninnere wird durch dreibahnige Fenster mit bildlichen Darstellungen erhellt. Während im Kirchenschiff und an der Südseite des Chores Heilige dargestellt sind, die in Bezug zu der Kirche und ihrer ländlichen Bevölkerung stehen, zeigen die Fenster der Apsis Begebenheiten aus dem Alten und Neuen Testament. Sie wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei der Firma Leo Hertel in Düsseldorf gefertigt.

Dazu erklärt Hannelie Jestädt : „Statt der heutigen Fenster hatten historische Gebäude Mauerschlitze für den Lichteinfall. Fenster in Kirchen sind in der Regel bemalt oder als Bleiverglasung gestaltet. Es werden biblische Szenen, Heilige oder Symbole dargestellt.“ Das habe folgenden Hintergrund: „Das Kirchenvolk konnte damals nicht lesen. Die Bilder im Kirchenraum, insbesondere in den Fenstern führten wesentliche Glaubensaussagen dem Betrachter vor Augen und hielten diese präsent. Bilder und Fenster wurden deshalb oft als Bibel der Armen bezeichnet.“ In St. Magnus sind die wesentlichen Aussagen der Bibel in den drei Fenstern im Altarraum zu finden, von dem Sündenfall Adams und Evas über die Verkündigung an Maria, den Kreuzestod Jesu und die Auferstehung.

Als Symbol dafür steht der Lebensbaum in der Mitte. Ein besonders schöner Lichteffekt ist zu beobachten, wenn zur Morgenmesse die Sonne durch das Ostfenster scheint und das Kreuz im Mittelfenster in hellem Licht erstrahlt. Johann Wolfgang von Goethe habe einmal Gedichte mit bemalten Kirchenfenstern verglichen. „Von außen betrachtet geben sie nichts her, sind dunkel und düster. Aber innen im Kirchenraum entfalten sie ihre ganze Schönheit, Farbigkeit und ihre Bildnisse.“

Aus dem Jahr 1614 stammt das so genannte „Hungertuch“, das während der Fastenzeit den Blick der Gemeinde auf den Altar verwehren soll. Es ist mit mehr als 400 Jahren das älteste Hungertuch im Bistum Münster. Hungertücher – auch plattdeutsch „Schmachtlappen“ genannt – haben eine bis ins Mittelalter hineinreichende Tradition. „Die Gläubigen sollen durch das Verhüllen der prächtigen Hochaltäre während der Fastenzeit zur Anteilnahme am Leiden Christi bewegt werden“, erklärte Pfarrer Hagedorn im Gespräch mit den WN. Das sei so etwas wie „Fasten für die Augen“. Die eingestickte Jahreszahl dokumentiert: Vier Jahre vor Beginn des 30-jährigen Krieges wurde das Tuch erstellt. „Wir sind darauf sehr stolz und freuen uns darüber, dass sich das Tuch in einem so guten Zustand befindet“, so Hagedorn zu dessen Bedeutung.

Mit Hilfe von Untersuchungen des Everswinkeler Heimatforschers Vincenz Buntenkötter wurde die Herkunft des Everswinkeler Tuches eindeutig belegt. „Der Stifter und wohl auch der Hersteller haben sich mit ihren Familien in der Arbeit ein Denkmal gesetzt“, heißt es in einem Beitrag von Buntenkötter für den Heimatkalender des Kreises Warendorf aus dem Jahr 1986. Die Namen der Stifterfamilie Vos seien in den Inschriften festgehalten worden. Die fünf Bilder des Hungertuches zeigen Szenen aus der Leidensgeschichte nach den Gesetzen des schmerzhaften Rosenkranzes. „Im 19. Jahrhundert waren Restaurationsversuche unsachgemäß durchgeführt worden, so dass Beschädigungen der Kanten und der Filet-Felder durch Überdehnung entstanden sind“, hatte Buntenkötter in Erfahrung gebracht. „Nach einer von Pfarrer Osthold-Wipperfeld in Auftrag gegebenen sachgerechten Restaurierung konnte die Kirchengemeinde sich wieder an dieser wertvollen volkskundlichen Arbeit von großem Seltenheitswert erfreuen.“ Fortsetzung folgt

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