Verdienstmedaille der Bundesrepublik für Winfried Richter
Stets mit Sachverstand und Toleranz

Everswinkel -

28 Jahre lang hat er sich kommunalpolitisch engagiert, war Ratsmitglied und stellvertretender Bürgermeister und hat sich auf vielen Ebenen in die politische Arbeit eingebracht. Am Mittwoch wurde dieses Engagement von Winfried Richter mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik gewürdigt. Landrat Dr. Olaf Gericke überreichte die Auszeichnung und hob Richters langjährige Verdienste hervor.

Donnerstag, 01.02.2018, 07:02 Uhr

Aus den Händen von Landrat Dr. Olaf Gericke nahm Winfried Richter im Beisein seiner Frau Hildegunde und Bürgermeister Sebastian Seidel sowie Familie und Weggefährten die Verdienstmedaille entgegen.
Aus den Händen von Landrat Dr. Olaf Gericke nahm Winfried Richter im Beisein seiner Frau Hildegunde und Bürgermeister Sebastian Seidel sowie Familie und Weggefährten die Verdienstmedaille entgegen. Foto: Klaus Meyer

In den 70er-Jahren gab es mal eine Fernseh-Show, in der die Lebensstationen von Prominenten mit Hilfe von Bildern und Begegnungen in Szene gesetzt wurden. „Das ist Ihr Leben“ hießt das Format, das in den 90er-Jahren noch einmal ein Bildschirm-Comeback feierte. Wenn Winfried Richter da mal im Sessel hätte Platz nehmen können, hätte auch er sicher viel zu erzählen gehabt. Geschichten aus 28 Jahren kommunalpolitischem Engagement, Begebenheiten aus 41 Jahren Schuldienst, Anekdoten aus rund 20 Jahren Tätigkeit als Bürgermeister und stellvertretender Bürgermeister. Da Winfried Richter aber keine Film-Berühmtheit, kein Sport-Idol und kein Medien-Star ist, blieb ihm der Sessel bei „Das ist Ihr Leben“ verwehrt. Dafür nahm er am Mittwoch auf einem anderen Ehren-Stuhl Platz. Im Kreishaus. Beim Landrat.

Landrat Dr. Olaf Gericke überreichte Richter in einer Feierstunde die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und hob damit – im Auftrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – insbesondere das langjährige Engagement im kommunalpolitischen Bereich hervor. Gericke stellte Richters Start im Gemeinderat zeitlich ins historische Umfeld in Deutschland: „Am 17. Oktober 1989 fand die konstituierende Ratssitzung in Everswinkel statt, und in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober wurde das DDR-Regime entmachtet.“ Was für eine Zeitspanne. Der Landrat ließ Richters Wirken in einem Streifzug noch einmal Revue passieren. Zwei Jahre als letzter ehrenamtlicher Bürgermeister in der Gemeindegeschichte, dann nach der Gemeindereform 1996 rund 18 Jahre als stellvertretender Bürgermeister, dazu 25 Jahre lang Mitglied des Gemeinderates inklusive der Mitwirkung in diversen Ausschüssen sowie kraft Amtes in diversen Gremien – „eine ganze Menge Arbeit“. Dazu kamen vier Jahre Fraktionsvorsitz für die CDU im Rat und drei Jahre als Vorsitzender der Ortsunion.

„Ihr besonderer Arbeitsschwerpunkt lag im Ausschuss für Umwelt und Planung“, verwies Gericke auf etliche kommunale Projekte, an denen Richter entscheidend mitgewirkt habe. „Das Planungsrecht ist das wichtigste Recht einer Gemeinde.“ Ein Ausschussvorsitzender müsse die Materie verstehen, Konfliktlagen verstehen. Richter selbst hatte bei seiner Verabschiedung aus dem Rat 2014 jenen Ausschuss, den er 15 Jahre lang geführt hatte, als „das Hochamt der Kommunalpolitik“ bezeichnet.

Gericke hob hervor, dass Richter der Einsatz für die Verbesserung des Schulangebotes in Everswinkel ein besonderes Anliegen gewesen sei. „Durch Ihr Mitwirken ist es gelungen, die Verbundschule Everswinkel mit den Schulzweigen Hauptschule und Realschule aufzubauen. Damit hat Everswinkel auch Schulgeschichte in NRW geschrieben.“ Dafür brachte Richter als Pädagoge auch umfangreiche Kenntnisse mit. 1979 zog der Münsteraner mit seiner Familie nach Everswinkel, wurde zunächst an der Hauptschule tätig und baute dort den 10. Jahrgang mit auf, bevor er 1992 als Konrektor zur Grundschule wechselte. Im Jahr 2000 ergriff er die Möglichkeit, in Sassenberg die neue Nikolaus-Grundschule aufzubauen, die er bis Anfang 2013 leitete. „Eine Perle im Kreis“, so Gericke. Richters Credo, wie er mal in einem WN-Gespräch sagte: „Schule ohne Lachen ist schlecht.“

Die Vielschichtigkeit der Gremien und Ämter und auch die Zugehörigkeitsdauer, zeige Richters besonderes kommunalpolitisches Engagement. Dabei zeichneten ihn stets Sachverstand, Aufgeschlossenheit und der Wunsch nach einem fairen und sachlichen Interessensausgleich aus, so Gericke. Toleranz und Gesprächsbereitschaft nach allen Seiten seien hervorzuhebende Eigenschaften Richters mit maßgeblichem Anteil an dessen Erfolgen. „Das kann man gar nicht hoch genug schätzen, wie Sie sich engagiert haben. Und das neben dem Beruf.“

Bürgermeister Sebastian Seidel lobte in der Feierstunde Richters umsichtige Rats- und Ausschussarbeit, in die viele Stunden geflossen seien. „Du hast immer einen klaren Kompass gehabt und andere Meinungen zugelassen. Es war sehr wichtig, dass man jemanden hatte, der mit Ruhe durch die Ausschusssitzungen geführt hat.“ Richter habe im Vorfeld der Verbundschule zusammen mit der Gemeindeverwaltung „sehr, sehr dicke Bretter gebohrt“ und viel Arbeit in das Projekt gesteckt, um es zu verwirklichen. „Man muss dankbar sein, dass es Menschen gibt wie Dich, die sich fürs Gemeinwohl engagieren.“ Der frühere CDU-Vorsitzende Ludger Klaverkamp würdigte Richters Wirken in der Ortsunion. „Du warst wirklich ein Vorbild für mich“, und daraus sei nicht nur eine reine Parteifreundschaft erwachsen, sondern wesentlich mehr. Die aktuelle CDU-Ortsvorsitzende Magdalene Wierbrügge dankte Richter: „Du bist immer ein guter Ratgeber, ein Fels in der Brandung.“ Sie hoffe, dass Richter auch weiterhin mit Rat zur Seite stehe, „denn der ist auch für mich immer sehr wichtig gewesen“.

Winfried Richter selbst bezeichnete in seiner Ansprache die Familie, den Beruf und das Ehrenamt als die drei wichtigen Pole in seinem Leben – „in dieser Reihenfolge“. Sein besonderer Dank galt seiner Frau Hildegunde und seinen Kindern für Verständnis und Unterstützung. „Vieles ist einfach auf einen zugekommen, hat sich aus der Situation heraus ergeben“, aber wenn ein Gemeinwesen funktionieren solle, „muss man auch mal ja sagen. Und ich habe ein paar Mal ja gesagt.“

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