Morten Larsen stellt Holzfiguren her / Über Afrika, Israel und Kanada in Everswinkel ein Zuhause gefunden
Alle Vögel sind schon da . . .

Everswinkel -

Er hat einen weiten Weg hinter sich. Geboren in Dänemark. Aufgewachsen im afrikanischen Ruanda. Dann nach Israel, später nach Kanada. Seit sechs Jahren lebt Morten Larsen nun in Everswinkel. Sein Hobby ist das Holzschnitzen, seine Leidenschaft sind die Vögel. Ganze Schwärme bevölkern das Hof-Haus. Es sind gefragte Deko-Artikel. So spannend wie seine Holzarbeiten ist auch die Geschichte seines Lebensweges. Es ist die Geschichte zweier Menschen, die sich vor über 30 Jahren in Israel ein Versprechen gaben.

Samstag, 30.12.2017, 09:12 Uhr

Vielfältig sind die Holzvögel von Morten Larsen, tief seine Liebe zu seiner Lebensgefährtin Christine Fischer, die ihm manchmal beim Bemalen der Figuren unterstützt.
Vielfältig sind die Holzvögel von Morten Larsen, tief seine Liebe zu seiner Lebensgefährtin Christine Fischer, die ihm manchmal beim Bemalen der Figuren unterstützt. Foto: Peter Sauer

Mit einem reich gedeckten Frühstückstisch und einer kräftigen Lauchsuppe als Zugabe überraschte Morten Larsen nahe dem Göpelhaus den Autor dieses Berichts: „Bei uns in Dänemark nennt man das einfach „hyggelig“, zu deutsch: „gemütlich“! Mit jugendlichem Lächeln im vom Erlebnissen gegerbten Gesicht und mit blauer Kappe nebst Dänemark-Flagge als Button erzählt er offen und in gutem Deutsch von seinem filmreifen Leben. Wenn sich die Ereignisse überschlagen, dann wechselt er voller Empathie ins Englische.

Auf die Welt kam er in Midtjylland in Aarhus in Dänemark. Im Alter von einem Jahr wurde er adoptiert. Seine neuen Eltern waren Baptisten-Missionare. Sie nahmen ihn mit in das von Unruhen und Bürgerkriegen zerfurchte Ruanda. Dort wuchs er mit schwarzen Familien auf. Nicht nur aus Angst vor Entführung, sondern weil seine Eltern oft monatelang unterwegs waren. Aber das prägte ihn: „Der Zusammenhalt unter den Schwarzen ist größer als unter den Weißen. Voller Vertrauen“, erinnert sich der Däne, der seit sechs Jahren in Everswinkel lebt.

Doch der Reihe nach. Von Afrika ging Larsen zu einem Kibbuz nach Tel Aviv (Israel), erntete auf einer Plantage Baumwolle. Dort lernte er 1984 Christine Fischer aus Holperdorp bei Lienen kennen. Es war die Zeit der Friedensbewegung . „Der Kalte Krieg spitzte sich zu“, erinnert sich Fischer heute, „da wollte ich schnell eine Beziehung und eine Familie gründen, weil man nicht wusste, wann durch das Hochrüsten und 1986 durch Tschernobyl alles vorbei ist.“ Eines war aber sicher: Morten und Christine verliebten sich im israelischen Kibbutz auf den ersten Blick.

Doch es durfte nicht sein – noch nicht. Denn Fischer war verheiratet. Der Däne und die Deutsche wurden gute Freunde. Zunächst. „Und wir gaben uns ein Versprechen“, erinnert sich Morten Larsen rückblickend mit funkelnden Augen. „Dass wir einfach aufeinander warten, bis die Zeit für uns gekommen ist. „Versprechen ist mehr als nur Worte!“

Der Kontakt zwischen den Beiden riss nie ab. Fischer bekam zwei Söhne. Larsen heiratete in Québec, aber nur, um die kanadische Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Mittlerweile arbeitete er als Landschaftsgärtner. Zahllose Briefe schrieben sie sich. Bis 2007. Da konnten sich die Beiden endlich ihr Versprechen erfüllen. Nach inzwischen 23 Jahren. Sie fanden ein kuscheliges Hof-Haus (auf einem Balken steht die mögliche Gründungszeit 1885). Seit sechs Jahren leben sie endlich gemeinsam. In Everswinkel.

Die 53-Jährige arbeitet als Studioleiterin im Möbelhaus Ligne Roset in Münster, er als Hof-Mitarbeiter in Handorf. Was sie nebenberuflich verbindet, ist die Liebe zur Natur: „Seit ich ihn kenne, hat Morten immer schon ein Stück Holz in der Hand und ein Messer, um etwas Schönes zu schnitzen“, sagt Fischer. Vögel aus Holz sind die große Leidenschaft ihres Partners, „weil der Vogel ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit ist.“ Zahlreiche kleine, filigrane Vögel aus Holz bevölkern den gesamten unteren Wohnbereich in dem Bauernhaus. Sie sitzen in Vasen und Regalen, auf Holzstücken und Stäben, zieren Flaschenöffner und -verschlüsse. Ähnlich wie die tiefe Liebe zu Christine Fischer drückt das Symbol des Vogels für Morten Larsen eine tiefe, menschliche Sehnsucht aus: „Free to fly“, sagt er immer wieder. Es sei wichtig, fliegen zu können und frei zu sein wie ein Vogel. Im übertragenen Sinne – in seiner Lebensgestaltung und in seinen Träumen.

Deshalb stellt der 60-Jährige seit einigen Jahren den Vogel in den Fokus seiner dekorativen Handwerkskunst. Zuerst waren es exotische Tiere aus seiner afrikanischen Heimat wie Elefanten, Nashörner, Kamele. „Vor allem das Holz in seiner optischen Vielfalt hat es mir angetan“, macht er deutlich. „Wenn ich die Natur beobachte und schnitze, komme ich zur Ruhe.“ „Bei uns bekommt jeder Freund und Bekannter als erstmal einen Vogel geschenkt“, berichtet Morten Larsen. Seine Lebensgefährtin gab die Tiere früher auch als Give-Away in einem früheren Geschäft heraus. Mittlerweile kann man sie auch erwerben.

Das Spektrum erweitertet sich um zahlreiche Auftragsarbeiten von anderen Vogelfreunden: Singvögel, Störche, Flamingos, Rotkehlchen, Eisvogel Tauben; lackiert oder geölt, auf einer Stange, einem Ast oder Stein sitzend, mit Nagel- oder Drahtfüßen. „Jeder Vogel ist handgemacht und ein Unikat“, betont der Hobby-Künstler, dessen Holzvögel längst auch über Everswinkel hinaus gefragte Dekoartikel sind.

Manche sind gegenständlich im gemalten Federkleid, andere sind fantasievoll gestaltet, in kräftigen Blau-, Grün-, Gelb- oder Pinktönen sowie in dezenten Pastellfarben. Verarbeitet werden Zedern, Kiefer, Apfelbaum. Auch Kaminholz. „Das ist doch viel zu schade, um es zu verbrennen“, merkt Morten Larsen mit einem Schmunzeln an.

„Um zwei bis fünf Stunden“ braucht der Däne, um einen Deko-Vogel herzustellen. Er sägt und schleift draußen im Gartenhäuschen und malt und lackiert drinnen. Sehenden Auges geht er durch die Wälder und entdeckt Totholz auf ganz neue Weise: „Da liegt ein gutes Bein!“ Denn wenn seine Vögel keine Beine aus Drähten oder Nägeln haben, dann aus wunderbar verformten Ästen, wie etwa seine Störche. Künftig stellt er vom Aussterben bedrohte Vögel in Holz dar, wie den Star. „Ein Euro vom Verkauf werde ich dann spenden.“ Und er spricht ein zweites Versprechen aus: 2027 möchte ich Christine heiraten!“

Zum Thema

Infos unter: www.holzvoegel.de; E-Mail: morten@holzvoegel.de

...

Morten Larsen und seine Vögel

1/11
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
  • Morten Larsen schätzt die Freiheit der Vögel. Seit sechs Jahren lebt der gebürtige Däne in Everswinkel. Seine handgefertigten Holzvögel sind gefragte Deko-Artikel. Foto: Peter Sauer
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5387711?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F128%2F
Wie hilfreich ist der Begleitservice des Vereins „Frauennotruf“?
Telefon-Hotline: Wie hilfreich ist der Begleitservice des Vereins „Frauennotruf“?
Nachrichten-Ticker