Serie „Kirche heute“ Mit Herz und Seele involviert

Rinkerode -

Sie waren über Jahrzehnte ehrenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde als Presbyterinnen tätig: Erika Ortjohann (93) und Sabine Stöhr (75). Aber sie haben auch viele andere Aktivitäten zum Wohle der Menschen im Davertdorf organisiert und begleitet.

Von Karlheinz Mangels
Für die Gemeindemitglieder in Rinkerode haben sich Sabine Stöhr (l.) und Erika Ortjohann viele Jahrzehnte eingesetzt. Ortjohann ist noch in der Frauenhilfe aktiv.
Für die Gemeindemitglieder in Rinkerode haben sich Sabine Stöhr (l.) und Erika Ortjohann viele Jahrzehnte eingesetzt. Ortjohann ist noch in der Frauenhilfe aktiv. Foto: Karlheinz Mangels

Sie waren viele Jahre ehrenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde als Presbyterinnen tätig: Erika Ortjohann (93) und Sabine Stöhr (75). „Von 1988 bis 1999 gehörten wir sogar gemeinsam dem Presbyterium an“, berichten beide. Aber sie haben auch viele andere Aktivitäten zum Wohle der Menschen, vor allem der Jugend, begleitet.

Im WN-Gespräch weisen beide ausdrücklich darauf hin, dass man „sich bei allem gegenseitig getragen und unterstützt habe“. Nur so sei es über die Jahre möglich gewesen, mit Freude und Engagement die vielseitigen Aufgaben zu erledigen.

Erika Ortjohann verschlug es 1964 von Essen nach Rinkerode. „Das war damals berufsbedingt durch meinen Ehemann. Ich habe es aber nie bereut. Noch heute fühle ich mich hier pudelwohl“, erinnert sich Ortjohann. In der evangelischen Kirche war sie von Anfang an aktiv und wurde 1988 ins Presbyterium berufen, dem sie bis zum Erreichen des 75. Lebensjahres angehörte. „Dann sollen auch mal Jüngere ran“, sagt sie schmunzelnd.

Als Presbyterin hat sich Erika Ortjohann vor allem der Diakonie, also dem Dienst an hilfsbedürftigen Menschen, verschrieben. In die evangelische Frauenhilfe, einen selbstständigen Verein unter dem Dach der Kirchengemeinde, ist sie bis heute als zweite Vorsitzende mit Herz und Seele involviert. „Wir haben uns besonders um zwei Frauenhäusern, zwei Altenheime und um Menschen mit Behinderungen gekümmert“, so Erika Ortjohann. Auch in der Einrichtung „Nadeschda“ engagierte sie sich. „Dabei handelt es sich um einen Verein, der Prostituierten, die aussteigen wollen, ein angstfreies, sicheres und selbstbestimmtes Leben ermöglichen will“, erklärt sie.

Sabine Stöhr war schon seit 1977 in der Kirchengemeinde aktiv. Zunächst als Küsterin der Friedenskirche und dann ab 1983 als Presbyterin. „Eigentlich geht das ja nicht gleichzeitig, aber das Kreiskirchenamt hat dem auf Antrag von Pastor Walter Gröne ausdrücklich zugestimmt“, erklärt Stöhr.

Ein großes Bedürfnis war für sie die Begleitung des Unterrichts der Konfirmanden. „Ich erinnere mich gerne an die vielen Jungen und Mädchen, die ich inzwischen als gestandene Männer und Frauen in Rinkerode treffe“, sagt sie strahlend.

Als Geld zur Errichtung des Glockenturmes fehlte, war es Sabine Stöhr, die mit einer Idee zumindest teilweise zur Finanzierung beitrug. „Als ein auswärtiger Pfarrer mit einer Konfirmandengruppe ein Wochenende in der Friedenskirche verbracht hat, habe ich mir überlegt, dass man durch ein solches Freizeitangebot etwas Geld einnehmen könnte.“ Gesagt, getan. Fortan wurde in der Friedenskirche so manche Gruppe begrüßt. „Das waren Radfahrer, Frauengruppen und auch Menschen, die den Jakobsweg gingen“, erläutert sie. Es habe ihnen auch nichts ausgemacht, dass die Friedenskirche keine Dusche hatte. „Man ging einfach an die frische Luft und benutzte dort einen Wasserschlauch“, erinnert Stöhr lachend.

2002 schied sie auf eigenen Wunsch als Küsterin sowie als Presbyterin aus. Pastor Gröne brachte es bei ihrer Verabschiedung auf den Punkt: „Vom Altarschmuck bis zum Grashalm hat sie in den fast 20 Jahren alles in Ordnung gehalten. Aber damit nicht genug. Sie ist immer eine freundliche Ansprechpartnerin gewesen und hatte ein offenes Ohr.“ Wenn Stöhr über ihr Abschiedsgeschenk – ein Buch, in dem alle ehemaligen Weggefährten auf einer Seite über die gemeinsame Zeit berichten – spricht, ist ihr die pure Freude und Dankbarkeit anzumerken.

Leuchtende Augen bekommen beide, wenn sie über die Errichtung der Friedenskirche und des Glockenturmes berichten. Besonders heben sie die tolle Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius hervor. „Das war in all den Jahren wirklich gelebte Ökumene“, betont Sabine Stöhr. „Die Errichtung des Glockenturmes hätten wir evangelischen Christen nie alleine stemmen können. Da haben die Katholiken fast mehr angepackt als wir“, ergänzt Erika Ortjohann. Besondern dankbar sind sie dem ehemaligen Ortsvorsteher Franz Jostes, der immer wieder mit dem Spruch: „Das kriegen wir gebacken“, alle motivierte.

Nach der Entwidmung des Gebäudes fand in der Friedenskirche am 21. September 2014 die letzte Messe statt. „Das war sehr traurig und für uns alle unfassbar“, sagt Erika Ortjohann mit leiser Stimme. Als nach dieser Messe die sakralen Elemente wie etwa das Taufbecken aus der Kirche getragen wurden, brach für viele evangelische Christen in Rinkerode eine Welt zusammen. Dem folgte im April 2016 ein weiterer Tiefschlag. „Aus dem Fenster unseres Hauses am Amselweg habe ich den Abriss der Friedenskirche miterlebt. Ich konnte kaum hinsehen“, ist Stöhr darüber heute noch immer traurig.

Neben den vielen kirchlichen Tätigkeiten war und ist Sabine Stöhr den Menschen in Rinkerode vor allem auch als Sportlerin bekannt. So ist sie drei Mal den Münster-Marathon und einmal den Essener Marathon gelaufen. Außerdem hat sie viele Jahrzehnte mit Diakon Georg Olbrich Hunderten von Männern, Frauen und Kindern das Sportabzeichen abgenommen und zudem fünf verschiedene Gymnastikgruppen geleitet.

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