Rathaus-Neubau
„Wir haben gar keine Wahl“

Drensteinfurt -

Auf Bundesebene sind FDP und Grüne bei den Sondierungsgesprächen nicht auf einen Nenner gekommen. In Stewwert sprachen die beiden Parteien im Haupt- und Finanzausschuss zumindest in Sachen Rathaus-Teilneubau mit einer Stimme. Sie forderten eine Alternative zu dem Entwurf von Architekt Wolfgang Döring.

Mittwoch, 13.12.2017, 05:12 Uhr

Geht es nach den Plänen der Verwaltung, werden die Ausschuss- und Ratssitzungen in Zukunft nicht mehr in der Alten Post, sondern im neuen Rathaus abgehalten. Der Entwurf (kl. Bild) war Thema im HFA.
Geht es nach den Plänen der Verwaltung, werden die Ausschuss- und Ratssitzungen in Zukunft nicht mehr in der Alten Post, sondern im neuen Rathaus abgehalten. Der Entwurf (kl. Bild) war Thema im HFA. Foto: Dietmar Jeschke/Architekturbüro Döring

Auf Bundesebene sind FDP und Grüne bei den Sondierungsgesprächen nicht auf einen Nenner gekommen – das bedeutete das „Jamaika-Aus“. In Stewwert sprachen die beiden Parteien am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) zumindest in Sachen Rathaus-Teilneubau mit einer Stimme.

Es ging um die Pläne von Architekt Wolfgang Döring , die dieser schon im Bauausschuss vorgestellt hatte (WN berichteten). Und es kochte erneut die Debatte darüber hoch, ob es zu dem Entwurf eine – kleinere und damit auch günstigere – Alternative geben müsse. Dieses Ansinnen vertraten sowohl Grüne als auch FDP vehement. „Wir wollen im Sinne der Transparenz einen Wettbewerb“, formulierte es Maria Tölle (Grüne) und beantragte, dafür Planungskosten von 80 000 Euro in den Haushalt einzustellen.

Burkhard Wieland (FDP) kritisierte, dass die Ausschüsse mit der Planung nicht befasst gewesen und über den Sachstand nicht informiert worden seien. „Es geht uns nicht um einen Schönheitswettbewerb. Aber wir haben doch gar keine Wahl mehr“, machte Wieland deutlich, dass er sich von der Verwaltung nicht mitgenommen fühle.

Dass der dringende Bedarf nach einem barrierefreien Rathaus besteht, stellte im HFA niemand in Abrede. Und Dörings Entwurf, den dieser laut Fachbereichsleiter Werner Rohde kostenlos erstellt hatte, kam bei den Ausschussmitgliedern ebenfalls gut weg. Doch die damit verbundenen Kosten von knapp vier Millionen Euro für Bau und Inneneinrichtung erschienen FDP und Grünen zu hoch. „Es geht bestimmt günstiger“, forderte Wieland eine kleinere Variante, bei der der Ratssaal nicht in den Neubau integriert ist. „Uns geht es dabei nicht um die Person des Architekten oder dessen Parteibuch, sondern um den Zugang zu öffentlichen Aufträgen“, bezog sich Winfried Reher (Grüne) auf den Umstand, dass Döring selbst als sachkundiger Bürger der CDU im Bauausschuss sitzt.

Den indirekten Vorwurf seitens der Grünen, auf die Beauftragung Dörings Einfluss genommen zu haben („Stewwerter Klüngel“), bezeichnete Heinz Töns (CDU) als „Frechheit“. Man habe erst vor kurzem überhaupt davon erfahren. Den genauen Hergang legte Werner Rohde noch einmal dar: Zu Beginn seien zwei Architekturbüros im Boot gewesen. Die Gebühren seien bei allen gleich, da man den Kubikmeter umbauten Raum für die Berechnung zugrunde lege. Nach insgesamt 27 Terminen habe man sich schließlich für den Entwurf von Wolfgang Döring entschieden – auch, weil man mit ihm gute Erfahrungen beim Neubau der Feuerwache gemacht habe. „Jetzt einen Architektenwettbewerb anzustreben, wäre aufwendig und teuer“, so Rohde. Mit den von den Grünen beantragten 80 000 Euro käme man da nicht weit.

Stadtverwaltung und CDU wollen indes keine Verzögerung mehr hinnehmen. „Der derzeitige Zustand ist nicht akzeptabel“, so Bürgermeister Carsten Grawunder, der auch von der Idee, den Ratssaal in das neue Rathaus zu verlegen, nicht abrücken will. „Ich werde da bei meiner Auffassung bleiben, auch wenn es einen weiteren Entwurf geben sollte.“

Die Idee, die Alte Post somit einer neuen, möglicherweise gastronomischen Nutzung zuzuführen, fand Ingo Stude (SPD) „sehr reizvoll. Ich sehe darin eine Chance für die Innenstadt.“ Einem Alternativvorschlag stehe er jedoch ebenfalls offen gegenüber, wobei er in Dörings Planung eine „für morgen“ und – durch die Möglichkeit einer Erweiterung um ein Staffelgeschoss – auch „für übermorgen“ erkennen könne.

Bei vier Gegenstimmen wurde beschlossen, das nötige Geld im Haushalt bereitzustellen, um die Planung zu konkretisieren. Die Anträge von Grünen und FDP wurden mehrheitlich abgelehnt. In der Folge stimmten beide Parteien auch gegen den Haushaltsteilplan.

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