Bahnsteig zu niedrig Eurobahn lässt Rollstuhlfahrer stehen

Drensteinfurt -

Wieder Ärger für Rollstuhlfahrer am Drensteinfurter Bahnhof: Und dieses Mal traf es direkt den erst kürzlich berufenen Inklusionsbeauftragten der Stadt, Elmar Rosek. Als er mit seinen zwei gehbehinderten Kindern am Samstag nach Münster fahren wollte, ließ ihn die Eurobahn – trotz angemeldeter Rollstuhlfahrt – einfach stehen.

Von Dietmar Jeschke
Kein „gutes Pflaster“ für Rollstuhlfahrer. In den vergangenen Monaten gab es für gehbehinderte Menschen am Bahnhof immer wieder Probleme. Nun traf es die Familie des städtischen Inklusionsbeauftragten Elmar Rosek, die von der Eurobahn buchstäblich stehengelassen wurde.
Kein „gutes Pflaster“ für Rollstuhlfahrer. In den vergangenen Monaten gab es für gehbehinderte Menschen am Bahnhof immer wieder Probleme. Nun traf es die Familie des städtischen Inklusionsbeauftragten Elmar Rosek, die von der Eurobahn buchstäblich stehengelassen wurde. Foto: gös/nic-/dje-

760 sind optimal. 550 gehen noch gerade so. Aber bei 380 Millimetern ist definitiv Schluss. Zumindest für Lokführer, die ihre Dienstanweisung bezüglich der Bahnsteighöhen genau nehmen. Das tat am Wochenende korrekterweise ein Bediensteter der Eurobahn – und ließ ausgerechnet den Inklusionsbeauftragten der Stadt Drensteinfurt samt seiner zwei auf den Rollstuhl angewiesenen Kinder am Bahnsteig stehen.

Dabei sollte es für die Familie Rosek eigentlich ein unterhaltsamer Nachmittag im Münsteraner Kino werden. Damit die Anreise dorthin problemlos klappt, hatte Vater Elmar bereits zwei Tage zuvor bei der Eurobahn eine sogenannte „Rollstuhlfahrt“ angemeldet. Und zwar für den Zug „ERB90106“ um 16.32 Uhr von Drensteinfurt nach Münster. „So, wie ich es schon viele Male vorher gemacht habe“, berichtet der Inklusionsbeauftragte. „,Wir werden dies dem Zugbegleiter mitteilen‘, wurde mir bei der Anmeldung gesagt.“

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Ich muss jetzt weiter.

Zugführer der Eurobahn

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Elmar Rosek Foto: Evering

Und so standen die Roseks pünktlich um 16.30 Uhr am Bahnhof. „Und wie immer haben wir uns im vorderen Bereich des Bahnsteiges aufgehalten und beim Stillstand des Zuges die Rollstuhltaste an der Einstiegstür betätigt.“ Als sich der Zugführer nach wiederholtem „Klingeln“ schließlich tatsächlich sehen ließ, machte Elmar Rosek, klar, dass seine Kinder die eigens zu diesem Zweck im Zug eingebaute Rampe zum Einstieg benötigen. Und die Antwort des Lokführers kam prompt: „Nein, wir haben eine Betriebsanweisung, dass an diesem Bahnhof keine Rampe mehr angelegt werden darf.“

Für die Roseks war damit buchstäblich „Endstation“. Denn mit den Worten „Ich muss jetzt weiter“ ließ der Zugführer den Vater und sein insgesamt vier traurigen Kinder am Bahnsteig zurück.

Eurobahn: Lokführer hat alles richtig gemacht

Eine in der Tat „unglückliche Situation“, räumte Danica Dorawa , Sprecherin des Eurobahn-Mutterunternehmens „Keolis Deutschland“, auf WN-Anfrage ein. Aber: Der Lokführer habe in der Tat alles richtig gemacht. Denn an Bahnsteigen, die so tief sind, wie eben die in Drensteinfurt, dürfe die in den Eurobahnzügen eingebaute Rampe für Rollstuhlfahrer nicht benutzt werden. Und zwar deshalb nicht, weil die Neigung zu steil sei und damit Unfälle nicht ausgeschlossen werden könnten. Werden die Einstiegshilfen dennoch genutzt, wie es mancher Zugführer aus „falsch verstandener Nächstenlieben“ in der Vergangenheit wohl immer mal wieder getan habe, dann – so Dorawa – bestehe keinerlei Versicherungsschutz.

Der Ärger, den die Roseks mit dem jüngsten Vorfall hatten, „hätte sicherlich vermieden werden können“, erklärte die Keolis-Sprecherin weiter. „Wenn sie direkt die richtige Auskunft bekommen hätte“, so Dorawa. Damit dies nicht noch einmal passiert, habe man als Reaktion noch einmal alle Service-Mitarbeiter ausdrücklich informiert, wo denn Gehbehinderte tatsächlich einsteigen können und wo nicht.

Mobile Rampe soll kommen

In Drensteinfurt können sie das einstweilen weder in Züge der Eurobahn noch in die des Unternehmens „National Express“, bei dem es vor einigen Monaten einen ähnlichen Vorfall gegeben hatte. An den Zügen, betonen beide Unternehmen unisono, liege das Problem allerdings nicht. „Unsere Fahrzeuge erfüllen alle Anforderungen. Und wir erfüllen alle Details unseres Vertrages“, betonte die Eurobahnsprecherin.

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Leider fühlten sich meine Kinder am Samstag aber wenig inklusiv, sondern extrem exklusiv.

Elmar Rosek, Inklusionsbeauftragter in Drensteinfurt

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Das hilft den Roseks und anderen gehbehinderten Menschen in Drensteinfurt allerdings nicht. Weshalb nun andere Lösungen her sollen. Bereits vor einigen Wochen hat das Unternehmen „National Express“ vor Ort eine mobile externe Rampe getestet. Und diese soll auch tatsächlich kommen, erklärte Hans-Ulrich Herding vom Bauamt der Stadt. Wann? Das sei allerdings noch offen. Für den Drensteinfurter Inklusionsbeauftragten und seine Familie heißt dies, dass sie wohl zunächst weiter auf „Heimkino“ setzen müssen. „Wir leben in einer Zeit, in der die Inklusion groß geschrieben wird. Leider fühlten sich meine Kinder am Samstag aber wenig inklusiv, sondern extrem exklusiv. So kann es nicht weitergehen“, sagt der Familienvater.

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