Auflösung der KG „Freudenthal“
Ein schmerzlicher Schritt

Ahlen -

Diese Nachricht bestürzte am Wochenende nicht nur die närrischen Vereine: Die traditionsreiche Karnevalsgesellschaft „Freudenthal“ wird aufgelöst. Bei einer außerordentlichen Versammlung wurde kein neuer Präsident gefunden.

Montag, 18.06.2018, 15:00 Uhr

Die Landsknechtkostüme der KG „Freudenthal“ – hier bei einer früheren Veranstaltung auf dem Marienplatz – werden zukünftig im karnevalistischen Stadtbild Ahlens fehlen. Foto: Ralf Steinhorst

Eigentlich war die KG „Freudenthal“ in den vergangenen Jahren auf einem guten Weg, sich „zu fangen“. Deshalb schlug die Nachricht, dass die zweitälteste Karnevalsgesellschaft Ahlens seit der Jahreshauptversammlung am 20. April ohne Vorstand ist, in Karnevalskreisen wie eine Bombe ein. Auch die außerordentliche Mitgliederversammlung am Freitagabend in der Gaststätte „Peters Eck“ brachte niemanden hervor, der sich im Verein als Präsident engagieren will.

„2014 hatten wir nur noch 30 Mitglieder, zuletzt waren es 70“, bedauert Präsidentin Marion Rätze. Zu der wichtigen außerordentlichen Mitgliederversammlung am Wochenende seien aber nur zwölf Mitglieder gekommen. Nach der Jahreshauptversammlung im Jahr 2017 kam erster Unmut in der Gesellschaft am Führungsstil von Marion Rätze auf, der sich dann beim Palaverabend der KG am 10. März entlud. „Da war klar, dass die Gesellschaft nicht mehr hinter mir steht“, sieht Marion Rätze den Vorgang sachlich, ohne schmutzige Wäsche waschen zu wollen.

Die KG „Freudenthal“ wird aufgelöst

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  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Archiv
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: privat
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Christian Wolff
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Archiv
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Christian Wolff
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Christian Wolff
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Christian Wolff
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Ralf Steinhorst
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Reinhard Baldauf
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Reinhard Baldauf
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Reinhard Baldauf
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Reinhard Baldauf
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Ralf Steinhorst
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Ralf Steinhorst
  • Impressionen aus der KG „Freudenthal“ Foto: Christian Wolff

Für sie sei daraufhin klar gewesen, zur ordentlichen Vorstandswahl auf der Jahreshauptversammlung am 20. April nicht mehr anzutreten. In einer Vorstandssitzung vor der Versammlung stärkten ihr ihre Vorstandskollegen insofern den Rücken, als sie ebenfalls auf eine Wiederwahl verzichten wollten, wenn Rätze nicht mehr antritt. Da sich kein anderes Vereinsmitglied in der Versammlung fürs Präsidentenamt zur Wahl stellte, fungiert das Führungsgremium seitdem nur noch als Notvorstand. Carsten Jolk, gerade innerhalb des Elferrats als Elferratspräsident wiedergewählt, sollte noch von der Jahreshauptversammlung bestätigt werden. Dazu kam es nicht mehr. Allerdings: Der Vorstand wurde mit großer Mehrheit noch entlastet. Eine weitere Folge war, dass am 23. April die Prinzenstellung für die Session 2019/20 zurückgegeben wurde. „Ich hätte das 70. Vereinsjahr noch gerne mit der Prinzensession gekürt“, bedauert Marion Rätze.

Auch die außerordentliche Mitgliederversammlung am Freitagabend brachte keine Ergebnisse. In der Diskussion zeigten sich einige Mitglieder offenbar bereit, Vorstandsposten zu übernehmen, die aber kamen nicht aus der Deckung. Für das wichtige Präsidentenamt jedoch war niemand im Gespräch. Nach 35 Minuten Versammlung war das Schicksal der „Freudenthäler“ besiegelt, weil der Verein weiterhin führungslos ist und sich nun nach Vereinsrecht abwickeln muss. „Es gab auch keinen Versuch, uns zu halten“, stellte Marion Rätze fest, dass trotzdem eine bedrückte Stimmung herrschte. Beschlossen wurde noch, dass das Vereinsvermögen der Hospizbewegung im Kreis Warendorf zukommen soll.

Marion Rätze

Marion Rätze Foto: Ralf Steinhorst

Im Fundus befinden sich noch zahlreiche Uniformen wie die Landsknechttrachten, Standarten und Orden. Sie sollen veräußert werden – in welcher Form steht noch nicht fest. Mit dem Notar wird jetzt besprochen, wie die Auflösung – ein schmerzlicher Schritt – vollzogen werden soll.

„Ich hätte gerne weitergemacht“, bekräftigt Marion Rätze, dass der Vorstand immer zusammengehalten habe. Sie war seit 2015 Präsidentin und der Verein hat ihr nach ihrer Lungentransplantation wieder Lebensmut gegeben. Sie selbst will der Ahlener Narretei als „einfache Karnevalistin“ verbunden bleiben und gibt dann noch einen Hinweis mit auf den Weg: Sollte sich doch noch jemand als „Freudenthal“-Präsident finden, könnte die Auflösung in letzter Sekunde noch gestoppt werden.

In einer ersten Reaktion zeigte sich „Freudenthäler“ Gerhard Leifeld, der als „Mocca I.“ 1967 die Wersestadt regierte, bestürzt: „Ich bin sehr traurig.“

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