Verbindungen zur bulgarischen Mafia? Zweiter Verhandlungstag im Prozess um Zwangsprostitution

Ahlen -

Die beherrschende Frage lautet: Arbeitete die Geschädigte als Prostituierte? Doch eine Antwort gab es auch am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Vorwurf der versuchten Zwangsprostitution und Körperverletzung nicht. Wie zum ersten Verhandlungstag am 26. September zogen am Dienstag mehr verwirrende als erhellende Zeugenaussagen die Beweisaufnahme in die Länge. Verhandelt wurde gegen zwei Bulgaren im Alter von 45 und 42 Jahren.

Von Peter Schniederjürgen

„Wir wurden zur Hilfeleistung zu einer verwirrten Frau gerufen. Sie war sichtlich aufgebracht, weinte und war völlig aufgelöst“, beschrieb ein Polizist seinen Eindruck der Geschädigten. So wie es die Polizist verstanden habe, sollte sie als Prostituierte arbeiten. „Sie sagte mehrfach ‚Puff‘ und ‚Ficki ficki‘“, gab der Beamte an. Schließlich sei die Dame per Rettungswagen abgeholt worden. Die Betroffene selbst war – wie schon zu Verhandlungsbeginn – nicht erschienen.

Spannend war die Aussage der Schwester des 45-jährigen Angeklagten: „Ich bekam in Wien einen Anruf, ich soll 2000 Euro bezahlen, dann würde die Klage gegen meinen Bruder zurückgezogen“, sagte sie aus. Die Geschädigte habe sie nie gesehen, später jedoch mit ihr telefoniert.

Bis dahin gab es ein großes Gewirr aus Namen und Verhältnissen. So behauptete eine Zeugin, die Geschädigte sei mit einer großen Anzahl Männer verheiratet oder liiert gewesen. „Überhaupt war ihr anzusehen, dass sie eine Prostituierte war“, so die 22-jährige Bulgarin. Unklar blieben bei ihr wie den anderen Zeuginnen die Lebensverhältnisse, denn keine der Frauen gab einen Beruf oder Job an.

Schließlich sagten die Söhne des 42-Jährigen aus. So präsentierte der Ältere der Brüder zahlreiche Fotos der Geschädigten, die sie bei sexuellen Aktivitäten im Internet zeigen sollte. „Natürlich hat sie ihr Äußeres verändert, damit man sie nicht erkennt“, fügte der ältere der Söhne an. So vermutete er direkte Verbindungen zur bulgarischen Mafia. Denn die Geschädigte habe ihm gegenüber erzählt, dass sie für ein betrügerisches Internetportal tätig war und größere Summen verdiente.

Auch der jüngere Bruder, er wollte die Geschädigte heiraten, erzählte von der kurzen, aber folgenreichen „Romanze“. Er habe sogar ein Mobiltelefon versetzt, um der angehenden Braut Kleidung kaufen zu können, als diese ihren vormaligen Freund verlassen habe. Kurz darauf sei er mit seiner „Braut“ von einem Bekannten überfallen würden. Dabei sei der Zeuge wie auch die Geschädigte verletzt worden. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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