Landtagswahl und Volksbegehren zu „G 9“
Doppel-Wahltag im Rathaus

Ahlen -

Premiere im Rathaus: Erstmals konnten die Wähler am Sonntag in der Zeit von 10 bis 14 Uhr ihre Stimmzettel für die Landtagswahl abgeben und gleichzeitig für das Volksbegehren „G 9 – Jetzt“ unterschreiben. Bis mittags hatten davon etwa 160 Stimmberechtigte Gebrauch gemacht.

Montag, 01.05.2017, 09:05 Uhr

Gut zu tun hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wahlbüro im Rathaus am Sonntag, wie Stephanie Gust, die hier einem Wähler die Unterlagen aushändigt.
Gut zu tun hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wahlbüro im Rathaus am Sonntag, wie Stephanie Gust, die hier einem Wähler die Unterlagen aushändigt. Foto: Dierk Hartleb

„Wir haben noch keine Erfahrungswerte“, erklärte Thomas Gramatke von der Hauptabteilung der Stadt. Deshalb könne er nicht sagen, ob das wenige oder viele seien. Die meisten kamen jedenfalls, um vorzeitig ihre Kreuze für die Landtagswahl zu machen. Von den 160 Wählern nutzten bis mittags nur knapp 40 die Gelegenheit, um auch ihr Votum für die verbindliche Wiedereinführung von neun Schuljahren an Gymnasien abzugeben.

Ein Ehepaar aus Vorhelm hielt es allerdings anders: Es war eigens für die Unterschrift beim Volksbegehren gekommen. Zwar seien ihre Töchter nicht mehr betroffen, die noch die Vorteile von „G 9“ genossen hätten, und bei „G 8“ auf die einjährigen Aufenthalte in den USA sicher hätten verzichten müssen, aber das Votum sei wichtig für die Enkelkinder, die auch wieder in den Genuss von „G 9“ kommen sollten.

Mit bisher schon über 4300 abgegebenen Stimmen peilen die Briefwähler einen neuen Rekord an. So einfach war es auch noch nie, an Briefwahlunterlagen zu kommen. Dazu kann man auf der Website der Stadt ( www.ahlen.de ) entweder den Wahlschein beantragen oder noch schneller den QR-Code auf der Benachrichtigungskarte mit dem Smartphone einscannen.

So leicht hätten es die Initiatoren des Volksbegehrens auch gerne. Aber sie beklagen, dass landesweit in den Gemeinden nur wenig über die Abstimmungsmöglichkeit informiert wird. Anhand einer repräsentativen Stichprobe bei den über 5100 Unterschriftensammlern habe man eine Hochrechnung über die bis jetzt erreichte Zahl an Unterschriften aufgestellt, heißt es in einer am Wochenende verbreiteten Pressemitteilung. Laut dieser ersten Hochrechnung haben bereits 400 000 Wahlberechtigte für das Volksbegehren unterschrieben, gut eine Million Stimmen werden benötigt.

„Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass die Regierungsparteien mit dem Thema G 9 die Wähler täuschen wollen,“ sagt Marcus Hohenstein, Sprecher des Volksbegehrens. „Sie reden über Wahlmöglichkeiten für G 9 und haben stattdessen beschlossen, dass es beim Turbo-Abitur mit Langtagen für alle Schüler bleiben soll. Nur die schlechten Schüler sollen ein Zusatzjahr absolvieren, ohne dass in den anderen Jahren die Turbo-Vorgaben zurückgenommen werden. Eltern und Kinder wollen mehr Zeit für Kindheit und Jugend, nicht das Turbo-Elend um ein Jahr verlängert.“

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