Turbulente Jahreshauptversammlung KG „Nett un Oerndlik“ vor dem Aus?

Ahlen -

Ganz und gar nicht nett und ordentlich ging es teilweise am Freitagabend in der Awo-Begegnungsstätte in der Freiheit zu. Im Gegenteil: Bei der KG „Nett un Oerndlik“ war mächtig Feuer unterm Dach.

Von Ralf Steinhorst
Kalt erwischt wurden die meisten Mitglieder von der Nachricht, dass der Vorstand sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen wollte.
Kalt erwischt wurden die meisten Mitglieder von der Nachricht, dass der Vorstand sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen wollte. Foto: Ralf Steinhorst

Vor einem Jahr hatte Präsident Karl-Heinz „Carlo“ Wilk noch seinen Wunsch geäußert, die Prinzensession mit Pille I. (Peter Przyluczky) möge die Karnevalsgesellschaft „Nett un Oerndlik“ zusammenschweißen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht, vielmehr sehen sich die Mitglieder nach der Jahreshauptversammlung am Freitagabend im Awo-Heim einem womöglich irreparablen Scherbenhaufen gegenüber. Denn der Verein steht ohne gewählten Vorstand da, auch ein neues Präsidium ist zurzeit nicht in Sicht. Mit ihrem Gründungsjahr 1952 gehört „Nett un Oerndlik“ zu den ältesten Karnevalsgesellschaften Ahlens , die Jahreszahl 2017 könnte das Ende dieser Geschichte markieren.

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Ich trete bei den Neuwahlen nicht mehr an.

Karl-Heinz „Carlo“ Wilk

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Schon der Auftakt der Jahreshauptversammlung verhieß nichts Gutes. „Es hat sich gezeigt, dass es bei Nett un Oerndlik nur noch ein bedingtes Gemeinschaftsgefühl gibt“, bekannte „Carlo“ Wilk, das vergangene Jahr sei über die Grenzen der physischen und psychischen Belastung gegangen. Denn auch die menschlichen Enttäuschungen seien zu stark geworden. Der Bericht endete dann mit einem Paukenschlag: „Ich trete bei den Neuwahlen nicht mehr an.“

Auch Vizepräsident Ludger Karshüning , der wie der gesamte Vorstand zur Wahl stand, sprach von großen menschlichen Enttäuschungen und verzichtete auf seine Wiederwahl. Ihm folgten ebenso die Narrensekretärin Alexandra Matyssek sowie der stellvertretende Säckelmeister Rainer Kersting . Im Laufe des letzten Jahres hatte sich Säckelmeisterin Tanja Kemper schon aktiv zurückgezogen, obwohl sie offiziell noch im Amt war, womit Rainer Kersting die Kassenführung übernahm. Dass den Mitgliedern dieser Umstand nicht schon vor Monaten mitgeteilt wurde, stieß in der Versammlung sauer auf.

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Ein Misstrauensantrag ist im Vereinsrecht nicht vorgesehen.

Ludger Karshüning

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Rainer Kersting verlas zwar noch den Kassenbericht und plädierte für eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, um die hohen Kosten des Vereins aufzufangen. Zu einer Diskussion darüber kam es allerdings nicht mehr. Denn von Seiten des Großteils der „Prinzenkombo“ hatte Adjutant Hans Bongen einen Misstrauensantrag vorbereitet, den Vizepräsident Ludger Karshüning vorweg kommentierte: „Ein Misstrauensantrag ist im Vereinsrecht nicht vorgesehen.“ Eine Abstimmung darüber sei daher rechtlich ohne Belang. Zum anderen sei dieser zu spät eingereicht worden, um noch auf die Tagesordnung genommen zu werden. Allerdings gab der Vizepräsident die inhaltliche Behandlung zur Abstimmung frei, die Mitglieder nahmen den Tagesordnungspunkt an.

Hans Bongen warf dem Vorstand vor, auf dem Vereinskonto eingegangene Sponsorengelder für den Stadtprinzen erst nach neun Monaten auf das Prinzenkonto weitergeleitet und damit bewusst zurückgehalten zu haben. Der Antrag kam bei der Mehrheit der Mitglieder nicht gut an, da sie einen finanziellen Schaden nicht ausmachen konnten, weil die Gelder in letzter Konsequenz ja geflossen sind. Nachdem der Vorstand seinerseits seinen Rückzug bekannt gab, wäre der Antrag von Bongen ohnehin ins Leere gelaufen.

Krisentreffen mit dem BAS

Die Berichte aus den Abteilungen gerieten im Verlauf der Versammlung zur Nebensache. Als gewählte Wahlleiterin zu den Vorstandswahlen stand Desiree Lehmann, die von Daniel Bohnenkamp unterstützt wurde, auf verlorenem Posten, da sich keine Anwärter auf das Präsidentenamt fanden. Die Suche nach Kandidaten für die weiteren Vorstandsposten war daher überflüssig. Wie am Wochenende bekannt wurde, soll an diesem Dienstag ein Treffen von Vertretern der Gesellschaft und dem BAS stattfinden, um nach Wegen zu suchen, „Nett un Oerndlik“ doch noch zu retten.

Sollten dort keine anderen Lösungen verabredet werden, verbleibt der scheidende Vorstand gegen seinen Willen zunächst geschäftsführend im Amt und muss eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Finden sich dann keine Bewerber für die Vorstandsposten, wird eine Auflösung der KG nach 65-jährigem Bestehen unvermeidlich. Damit könnte im November die Verabschiedung von Stadtprinz Pille I. die erste im Ahlener Karneval werden, bei der ei­ne Tollität ohne eigenen Verein im Rücken die Insignien zurückgeben muss.

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