„Storno“ bringt „Jamaika“ auf die Bühne Beim Hobeln fällt auch der Spahn

Oelde -

„Wo gehobelt wird, fällt auch der Spahn.“ Sollte „Storno“-Akteur Harald Funke Recht behalten, sind die Tage des jungen Hoffnungsträgers der Konservativen in der CDU bei den Jamaika-Verhandlungen schon gezählt, ehe sie als Minister am nächsten Kabinettstisch begonnen haben.

Von Dierk Hartleb
Auf der Bühne der Alten Post in Oelde sind sich Jochen Rüther und Thomas Philipzen als künftiger Jamaika-Koalitionäre schon einig und warten nur noch auf den Segen von Angela in Person von Harald Funke (nicht im Bild).
Auf der Bühne der Alten Post in Oelde sind sich Jochen Rüther und Thomas Philipzen als künftiger Jamaika-Koalitionäre schon einig und warten nur noch auf den Segen von Angela in Person von Harald Funke (nicht im Bild). Foto: Dierk Hartleb

Ihrer vor 13 Jahren begründeten Tradition folgend machten sich das Münsteraner Dreigestirn, das unter dem Namen Storno ab der Premiere am 27. November in Münster bis Ende März landauf landab die Säle füllt, auf den Weg ins beschauliche Oelde, um dort einem handverlesenden Publikum ihr „Abrechnung“ des Jahres 2017 zu präsentieren.

Sozusagen als Prolog irrte Thomas Philipzen leicht orientierungslos über die kleine Studiobühne der Alten Post und fragte mehr sich selbst als das Publikum, ob das überhaupt ein Jahr war oder doch nur ein Fake. Selbstironisch nahmen Funke und Philipzen, unterstützt von Jochen Rüther, die eigene männliche Zunft mittleren Alters ins Visier und ließen einen wie FDP-Chef Christian Lindner, dem Harald Funke nach dessen im Wahlkampf erprobter Werbelinie Qualitäten eines Werbeträgers für eine neue Parfümserie Christian 05 konzedierte, ziemlich alt aussehen. Christian Lindner im Gespräch Wladimir Putin, beide mit entblößtem Oberkörper – wer möchte das sehen?!?

Kein gutes Haar ließen die drei Münsteraner auch an den Fahrern von Sport Utilitly Vehicles, SUV abgekürzt, die mit der kompletten Autoindustrie auf die Sünderbank gesetzt wurden – einschließlich der Ministerpräsidenten Weil (Niedersachsen) der sich eine Rede von VW autorisieren ließ, und Kretschmann, der als Pressesprecher von Daimler eine „bella figura“ macht.

Zur Vorpremiere gehört auch, dass noch nicht alle Texte hundert Prozent sitzen, was Charmebolzen Thomas Philipzen überspielt und spontan eine neue Nummer kreiert. Auch seine Slapstick-Einlagen sind köstlich, Harald Funke kontert adäquat mit grimassierendem Mienenspiel und seiner Angela-(Merkel)-Verehrung. Jochen Rüther bleibt da nur der Part des Homme de Lettres, der verzweifelt versucht, die klassische Bildung hochzuhalten. Doch was sind 500 Jahre Reformation und ein Reformator, dem die Deutschen die Hochsprache verdanken, gegen Geistes- und Musikgrößen wie Andrea Berg oder Helene Fischer.

Nach fast drei Stunden ging dem Dreigestirn nur scheinbar der Stoff aus, als sie sich musikalisch von ihrem Publikum in Oelde verabschiedeten. Bis nächstes Jahr an gleicher Stelle.

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