Unternehmer ärgert sich über die Polizei „Von wegen Freund und Helfer“

Ahlen -

Unternehmer Jürgen Henke fühlt sich von der Polizei abgefertigt. Ende Juli hatten seine Mitarbeiter einen Beschäftigten des Diebstahls überführt. Der Mann war über eine Zeitarbeitsfirma bei den Metallwerken Renner in Ahlen tätig. Als der Dieb überführt war, wurde sofort die Polizei gerufen. Aber die kam nicht.

Von Beate Kopmann
Jürgen Henke ist sauer. Mehrfach gab es in seinem Unternehmen, den Metallwerken Renner, Diebstahl und Sachbeschädigung. Für die Polizei handelte es sich dabei wohl um Kavaliersdelikte. In den Händen hält Henke Werkzeug, das im Betrieb gestohlen wurde.Täter und Diebesgut konnten dingfest gemacht werden, die Polizei wurde verständigt – kam aber nicht.
Jürgen Henke ist sauer. Mehrfach gab es in seinem Unternehmen, den Metallwerken Renner, Diebstahl und Sachbeschädigung. Für die Polizei handelte es sich dabei wohl um Kavaliersdelikte. In den Händen hält Henke Werkzeug, das im Betrieb gestohlen wurde. Täter und Diebesgut konnten dingfest gemacht werden, die Polizei wurde verständigt – kam aber nicht. Foto: Beate Kopmann

„Wir fühlten uns wie lästige Anrufer“, erzählt der Geschäftsführende Gesellschafter. Dabei hätten er und seine Leute sowohl den Täter als auch das Diebesgut präsentieren können. Zwar hatte Letzteres nur einen Wert von rund 130 Euro. Trotzdem wurmt es Henke , dass die Polizei diesen Vorgang als „Kavaliersdelikt“ einschätzte und am Telefon die Auskunft gab, es reiche, eine Online-Meldung vom Diebstahl zu machen.

Unzufriedener Unternehmer

Damit war Henke nicht zufrieden und rief einen ihm bekannten Polizisten an. Doch auch der gab den Rat, am besten selbst zur Wache zu fahren und den Fall dort zur Anzeige zu bringen. Das tat der stellvertretende Betriebsleiter schließlich. Um sich dort sagen zu lassen, dass das Verfahren vermutlich sowieso eingestellt werden würde.

Auf der Polizeiwache wies der diensthabende Beamte ferner darauf hin, dass die Polizei schwach besetzt sei und sich nur ein Streifenwagen im Einsatz befände. Im Übrigen habe zum Zeitpunkt des Anrufs keine Gefahr mehr bestanden – und somit auch keine Notwendigkeit, dass die Polizei selbst vor Ort erscheint.

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Wir fühlten uns wie lästige Anrufer. Das hat mit einer bürgernahen Polizei nichts zu tun.

Unternehmer Jürgen Henke

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Jürgen Henke ist anderer Meinung. „Das hat mit einer bürgernahen Polizei nichts zu tun“, sagt der Unternehmer und weist auf einen zweiten Fall hin, der sich im Jahr 2014 in seinem Unternehmen ereignet hatte. Damals war ein Mitarbeiter von einem Täter mit einem Messer bedroht worden.

Als der Betroffene sich über den Notruf an die Polizei wandte, flüchteten die Jugendlichen aufs Dach und beschädigten dabei das Glas. Mitarbeiter verfolgten die Jugendlichen und konnten einen von ihnen festhalten. Aber auch damals sei die Polizei nicht gekommen und habe darauf verwiesen, dass nur ein Streifenwagen im Einsatz sei. Was man denn machen solle, wollte Henke wissen. „Der Tipp der Polizei lautete: den Mann laufen lassen. Ich war sprachlos.“

Für Henke "keine Freunde und Helfer"

Verwundert verfolgt der Unternehmer daher eine Serie unserer Zeitung, in der die Arbeit der Polizei dargestellt wird. Dort las Henke den Bericht über den Opferschutz der Polizei. Henke schüttelt den Kopf. Seine Erfahrung ist ganz anders. „Von wegen dein Freund und Helfer“. Der Ahlener Unternehmer hatte vor vielen Wochen deswegen den Landrat angeschrieben und auf die aus seiner Sicht bestehenden Missstände aufmerksam gemacht.

Dr. Olaf Gericke antwortete auch und schrieb, demnächst werde sich ein leitender Mitarbeiter der Behörde bei Henke melden. Dieser Schriftwechsel liegt inzwischen über fünf Wochen zurück. Bislang ist kein Anruf erfolgt.

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Im Interesse der schnellen Hilfe für Bürger in Notfällen fährt die Polizei nicht zu einfachen Diebstahlsdelikten.

Polizeisprecherin Susanne Dirkorte

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Polizei handle im Interesse der schnellen Hilfe

In einer Stellungnahme der Polizei weist deren Sprecherin Susanne Dirkorte aber darauf hin, dass die Polizei im Interesse der schnellen Hilfe für Bürger in akuten Notfällen nicht zu einfachen Diebstahlsdelikten fahre – es sei denn, polizeiliche Sofortmaßnahmen wie Spurensicherung, Personalienfeststellung oder Festnahme seien erforderlich.

Bereits nach dem Vorfall im Jahr 2014 habe Polizeidirektor Christoph Ingenohl das Gespräch mit Henke gesucht und erklärt, dass die Polizei keinen Streifenwagen geschickt hatte, weil keine akute Bedrohung mehr vorlag. Grundsätzlich sei es ein übliches Verfahren, dass die Bürger Anzeige wegen Diebstahl online oder auf der Wache erstatten. Dies gelte in vielen Polizeibehörden.

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