Mit der Polizei unterwegs Räuber sind Wiederholungstäter

Kreis Warendorf -

Einmal war Martin Vennewald sogar bei XY-Ungelöst zu Gast. Erfolgreich. Die Täter in einem schwer zu knackenden Fall in Stromberg wurden gefasst. Normalerweise arbeiten er und seine Kollegin Stephanie Gameh allerdings weniger im Rampenlicht. Im Kriminalkommissariat „KK 1“, sind sie für den Bereich Raub zuständig.

Von Ulrike Brevern
Knacken etwa jeden zweiten Fall:  Im Kriminalkommissariat „KK 1“ sind Martin Vennewald und Stephanie Gameh den Räubern auf der Spur.
Knacken etwa jeden zweiten Fall:  Im Kriminalkommissariat „KK 1“ sind Martin Vennewald und Stephanie Gameh den Räubern auf der Spur. Foto: Ulrike von Brevern

Das Büro der Ermittler an der Waldenburger Straße ist hell und funktional. Aktuell ist die Lage entspannt, aber das kann sich jederzeit ändern. 77 Fälle von Raub gab es im vergangenen Jahr im Kreis insgesamt. Für Vennewald und Gameh beginnt die Arbeit, wenn die Tatortarbeit der Kriminalwache abgeschlossen ist. Sie vernehmen Zeugen, stellen Zusammenhänge her und organisieren weitere Ermittlungsschritte.

Tatorte sind meist Spielotheken, Tankstellen oder Geschäfte. Dabei steht die Beute in keinem Verhältnis zum Risiko der Täter, wundern sich die Ermittler immer wieder. Schließlich lautet die Mindeststrafe ein Jahr Haft. „Das lohnt sich nicht“, sind sie sich einig, doch ihr Mitgefühl gehört den Opfern, denn bei Raub ist immer Gewalt gegen Menschen im Spiel.

„Für das Opfer kann die Tat das ganze Leben beeinflussen“, hält Vennewald fest. Er erinnert an einen Fall aus dem vergangenen Jahr in Sendenhorst, als eine Angestellte mehr als eine Stunde lang in einer dunklen, abgeschlossenen Toilettenkabine verharrte, voll Angst, der Täter könne wieder kommen. Dessen Beute: 200 Euro und ein Handy.

Auf dem Wunschzettel der Ermittler steht eine hochwertige Videoüberwachung der Betriebe. Bei Banken habe das sehr gut gewirkt, erzählt Vennewald. „Als ich 1998 anfing, waren Banken noch oft das Ziel. Inzwischen ist die Zahl absolut rückläufig.“

Räuber sind Wiederholungstäter, lautet die Erfahrung der Beamten, „und das ist unsere Chance“, sagt Gameh. Denn auch Täter haben ihr bevorzugtes Vorgehen, brauchen Fahrzeuge, haben Kollegen oder machen Fehler. Um Zusammenhänge herzustellen, hilft nicht nur der Computer, sondern auch die gute Vernetzung mit Behörden aus den Nachbarkreisen, lobt Vennewald. Die meisten Fälle lösen sich in der Region.

Durchschnittlich mehr als die Hälfte der Raubdelikte im Kreis können Vennewald und Gameh aufklären. Wie aufwendig ermittelt wird ist oft eine Frage der Verhältnismäßigkeit – rechtlich und personell. Dabei reden Staatsanwalt und Richter ein Wort mit. „Wir als Polizei stellen nur die Fakten dar“, betont Vennewald. Die Bewertung übernimmt die Justiz.

Schon um ein Phantombild zu veröffentlichen, brauchen die Ermittler das rechtliche Ok aus Münster. Aber dank Digitalisierung ist der Draht unkompliziert. „Bei größeren Dingen packen wir dann allerdings doch noch unsere Aktendeckel ein und suchen das persönliche Gespräch mit dem Staatsanwalt, wie früher“, schmunzelt Gameh.

Finden sie keine Lösung, legen die Ermittler die Akte zunächst zur Seite. Ermittlungsarbeit ist auch Geduldsarbeit. Manchmal ergeben sich Zusammenhänge erst nach Monaten, manchmal kommt noch nach Jahren unerwartet ein sogenannter „Spurentreffer“: Ein Fingerabdruck oder eine DNA-Spur eines anderen Falls stimmt beim automatischen Abgleich überein. Schon wird aus einem alten plötzlich ein sehr aktueller Fall. Erst nach 15 Jahren schließt sich der Aktendeckel bei Raub endgültig.

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