Tipps vom Experten: Wie jeder seinen Garten igelfreundlich gestalten kann
Kleiner Jäger braucht wilde Ecken

Lotte/Westerkappeln -

Der putzige Igel hat alles andere als ein Imageproblem. Vor allem deshalb, da ist sich Rainer Seidl, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) sicher, wollen ihm viele Menschen über den Winter helfen. Aus seiner Sicht zeugt die Art und Weise allerdings häufig von falsch verstandener Tierliebe.

Dienstag, 02.01.2018, 13:01 Uhr

Im Laub findet der Igel auch im Winter Futter, falls er mal wach wird. Wer einen Garten hat, sollte diesen daher nicht klinisch rein halten.Unterschlupf für Igel im Winter: Rainer Seidl hat diesen Steinhaufen in seinem Garten in Hörstel angelegt. Dort könnte ein Igel den Winter verbringen.
Im Laub findet der Igel auch im Winter Futter, falls er mal wach wird. Wer einen Garten hat, sollte diesen daher nicht klinisch rein halten.Unterschlupf für Igel im Winter: Rainer Seidl hat diesen Steinhaufen in seinem Garten in Hörstel angelegt. Dort könnte ein Igel den Winter verbringen. Foto: mohnblume - stock.adobe.com

Igel sind vor allem zwei Dinge – niedlich und nützlich. Sie haben ein hübsches Gesicht, trappeln auf ihren Pfötchen possierlich durch die Gärten und vertilgen als kleine Jäger zudem reichlich Würmer und Insekten. Kurzum, der Igel hat alles andere als ein Imageproblem. Vor allem deshalb, da ist sich Rainer Seidl , pensionierter Biologielehrer und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) sicher, wollen ihm viele Menschen über den Winter helfen. Aus seiner Sicht zeugt die Art und Weise allerdings häufig von falsch verstandener Tierliebe.

„Der Igel hat die letzten beiden Eiszeiten überstanden – er muss nicht vom Menschen durch den Winter gefüttert werden“, sagt der 73-Jährige. Was er meint, klingt aus menschlicher Sicht hart, ist in der Natur aber genau so vorgesehen. Strenge Winter dienen der natürlichen Auslese, erklärt Seidl. Sie hielten den Bestand gesund. Dazu gehöre auch, dass kranke und schwache Tiere, ebenso wie solche, die zu spät im Herbst geboren werden, den Winter eben nicht überleben.

Unterschlupf für Igel im Winter: Rainer Seidl hat diesen Steinhaufen in seinem Garten angelegt. Dort könnte ein Igel den Winter verbringen

Unterschlupf für Igel im Winter: Rainer Seidl hat diesen Steinhaufen in seinem Garten angelegt. Dort könnte ein Igel den Winter verbringen Foto: Anke Beiing

„Es gibt Igelmütter, die sind genetisch falsch programmiert“, sagt er. Sie bekommen zu spät im Jahr noch einmal Junge. Werden diese vom Menschen über den Winter gerettet, setzt sich der genetische Defekt und damit auch das Leid in die nächste Generation fort. Richtig hingegen ist aus seiner Sicht als Naturschützer, die Kette zu unterbrechen, die Tiere nehmen dann ihren Platz in der Nahrungskette ein und dienen etwa Uhu und Fuchs als Futter.

Dass sich ausgerechnet um den Igel eine ganze Industrie entwickelt hat, führt Seidl auf sein gutes Image zurück. Und darauf, dass er langsam genug ist, um gefangen zu werden. Es gibt Igelfutter zu kaufen, Igelhäuser und vieles mehr. „Niemand lässt Erdkröten in seinem Keller überwintern“, verdeutlicht der Biologe den Mechanismus. „Die erfrieren aber auch.“

Biologie der Igel

In Deutschland kommen zwei Arten von Igeln vor, wobei der Braunbrustigel im ganzen Land verbreitet ist. Er lebt als Einzelgänger und gehört wie seine engsten Verwandten, Spitzmäuse, Fledermäuse und Maulwürfe, zu den Insektenfressern. Er ist vor allem nachtaktiv, wird bis zu sieben Jahre alt und 1500 Gramm schwer. Ein ausgewachsener Igel besitzt zwischen 6000 und 8000 Stacheln.

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Im Tierschutz werde sehr viel vermenschlicht, findet Rainer Seidl. Vieles sei gut gemeint, der Sache aber überhaupt nicht dienlich. Als Naturschützer hat er dort eine andere Sicht: Wer Igeln sinnvoll helfen möchte, der sollte einen naturnahen Garten anlegen. Dazu gehört unter anderem der völlige Verzicht auf Gift. „Wenn ich gegen Insekten spritze, vergifte ich den Igel gleich mit“, erklärt Seidl. In vielen Hausgärten werde mehr gespritzt und gedüngt als in der Landwirtschaft. Die bessere Alternative sei, wilde Ecken zuzulassen, Totholz- oder Steinhaufen als Unterschlupf anzulegen und das Laub im Herbst vom Rasen in Beete und unter Büsche zu befördern. Dann finden Igel und Vögel auch im Winter noch Nahrung und übernehmen so auch ganz nebenbei den Job des Insektenvernichters. „Die leben schließlich davon“, sagt Rainer Seidl.

Alte Gärten mit hohen Bäumen, Unterholz, vielen Blumen, Gräsern und Kräutern seien heute die wohl vielfältigsten Biotope bei uns, berichtet der Experte. Und noch dazu sind sie ein wahres Paradies für putzige Igelfamilien.

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