Stutensoppen-Essen in Westerkappeln
Tradition mit Kultcharakter

Westerkappeln -

Zum 40. Mal hat der Kultur- und Heimatverein zu einer Kultveranstaltung eingeladen. Rund 130 „Fans“ kamen in das Kuckucksnest, um die Spezialität zu genießen, darunter auch einige „Neulinge“. Einer von ihnen hatte sich sogar selbst eingeladen.

Samstag, 30.12.2017, 07:12 Uhr

Der Stutensoppen schmeckt offenbar wieder einmal sehr gut, freut sich Heiner Diekamp, Küchenchef im Kuckucksnest
Der Stutensoppen schmeckt offenbar wieder einmal sehr gut, freut sich Heiner Diekamp, Küchenchef im Kuckucksnest Foto: Thorsten Kleinhubbert

Sich selbst einzuladen ist eigentlich nicht die feine Art. Diese Selbsteinladung aber wird dem Westerkappelner Kultur- und Heimatverein gefallen haben – ist sie doch Beweis dafür, dass das Stutensoppen-Essen einen großen Anhänger an der Spitze des Kreises Steinfurt hat. Landrat Dr. Klaus Effing kündigte nach dem Essen an, im nächsten Jahr wieder eingeladen werden zu wollen.

Im geschmackvoll weihnachtlich dekorierten „Kuckucksnest“ ließen sich rund 130 Stutensoppen-Fans das Kappelner Nationalgericht schmecken. „Ausverkauft“, freute sich Franz-Josef Schlie vom Vorstand des Kultur- und Heimatvereins.

Bereits zum 40. Mal servierte der Verein sein „Stutensoppen-Essen“ – welches damit längst zum Westerkappelner Brauchtum gehört. Seit 1978 wird es stets am 28. Dezember aufgetischt und hat bei so manchem Westerkappelner einen festen Platz in der Weihnachtswoche.

Franz-Josef Schlie hatte für seine Begrüßungsrede einen Text von Heinrich Heine umgeschrieben, der sich mit den kulinarischen Freuden der Westfalen befasste. Die Textzeile „Bewahre Dir den Stutensoppen, schmeckt besser als Gänsebraten“ - hätte der bekannte deutsche Romantik-Dichter vermutlich nicht aufs Papier gebracht. Der Stutensoppen aber hätte Heine bestimmt geschmeckt, war Schlie überzeugt.

Vielleicht hätte dem Dichter auch das „Stutensoppenlied“ gefallen, mit dem sich die Gäste Jahr für Jahr ihre Leibspeise ersingen müssen. Nach der Melodie des alten Volksliedes „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ forderten die Gäste auch diesmal gesanglich den Stutensoppen herbei.

Unmengen an Zwiebeln und Bauernbrot hatten Küchenchef

Heiner Diekamp

Heiner Diekamp Foto: Thorsten Kleinhubbert

Heiner Diekamp und sein Team gekocht, um einen leckeren Stutensoppen auf die Tische bringen zu können. Natürlich gab es dazu auch reichlich nicht vegetarische „Beilagen“: Mettwurst, Schweinebraten und Co. gehören zum Stutensoppen einfach dazu.

Heiner Diekamp freute sich, dass der Kultur- und Heimatverein das „Kuckucksnest“ als neues Domizil für das Stutensoppenessen ausgewählt hat und bereits zum zweiten Mal zu Gast war. Zum Dank spendierte er eine Runde Hausschnaps. Dieser sei auch eine kleine Entschädigung dafür, dass es diesmal mit dem Servieren etwas zögerlicher voranging, sagte der Küchenchef. Leider habe man im Moment viele krankheitsbedingte Ausfälle zu verkraften.

Das fiel kaum ins Gewicht – der Stutensoppen kam auch in diesem

Franz-Josef Schlie und Landrat Dr. Klaus Effing

Franz-Josef Schlie und Landrat Dr. Klaus Effing Foto: Thorsten Kleinhubbert

Jahr bei den Gästen gut an. Vor allem auch bei Landrat Effing. Er werde dafür sorgen, dass das Rezept für den Stutensoppen auf jeden Fall in die nächste Ausgabe des Kreis-Steinfurt-Kochbuchs komme, kündigte er an.

Effing lobte die Arbeit des Kultur- und Heimatvereins. „Heimatvereine sind Eckpfeiler, wenn es darum geht, Traditionen zu bewahren.“

Ein Stutensoppen-Neuling ist Manfred Assmann. Der Vorsitzende des Mettinger Heimatvereins ließ sich díe deftige Kost zum ersten Mal schmecken – und hielt die Zwiebelspeise zunächst für Sauerkraut. Dass er falsch lag, fand er aber gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Assmann schmeckte es ganz hervorragend – und am Ende hatte der Stutensoppen einen Fan mehr.

Auch der Heimatverein aus Ledde hatte eine Abordnung geschickt –

Schon fast Stammgast: Bürgermeister Rainer Lammers aus Lotte

Schon fast Stammgast: Bürgermeister Rainer Lammers aus Lotte

was Franz-Josef Schlie freute. Sogleich verband er damit die Hoffnung, dass der Stutensoppen demnächst auch in Ledde auf den Tisch kommt.

Das deftige Essen spielt bei der Westerkappelner Traditionsveranstaltung natürlich Jahr für Jahr die erste Geige. Wichtig ist den Mitgliedern des Kultur- und Heimatverein aber auch immer, dass die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Für die war in diesem Jahr die „kleinste Bigband der Welt“ zuständig. So bezeichnen sich die Musiker vom Trio „Cronemeyers Kaffeekränzchen“, das die Besucher mit Jazz- und Dixieland erfreute. Achim Schecker an der Klarinette, Jens Cronemeyer am Klavier und Dr. Claus Cronemeyer an der Trompete spielten Musik ganz nach dem Geschmack der Stutensoppen-Fans.

Gemeinsam mit Winfried Eggert am Akkordeon lieferten sie auch die musikalische Begleitung zu den Volksliedern, die ebenfalls zu einem gelungenen Stutensoppen-Abend gehören. Die Musiker bescheinigten den Fans des Stutensoppens eine gute Gesangsleistung.

Am Ende wird Landrat Effing wohl nicht der Einzige sein, der beim nächsten Stutensoppen-Essen wieder dabei sein will.

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