Westerkappelner Umweltaktivist teilt aus Selbst ernannter „Schwerverbrecher“ ausgezeichnet

Osnabrück/Westerkappeln -

Für ihre beispielhaften Pflegemaßnahmen in schutzwürdigen Biotopen wurden jetzt im Botanischen Garten Osnabrück besonders engagierte Personen und Vereine aus Stadt und Landkreis Osnabrück ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung gab es darüber hinaus für den Westerkappelner Umweltaktivisten Friedhelm Scheel. Der selbst ernannte „Schwerverbrecher“ nutzte die Bühne, um in Richtung Politiker seiner Heimatgemeinde auszuteilen.

Von Carolin Hlawatsch, Frank Klausmeyer
Naturschutz- und Umweltpreise wurden für beispielhafte Pflegemaßnahmen in schutzwürdigen Biotopen im Botanischen Garten in Osnabrück verliehen. Friedhelm Scheel (13. von links) erhielt den mit 5000 Euro dotierten Umweltpreis der Haarmann-Stiftung.
Naturschutz- und Umweltpreise wurden für beispielhafte Pflegemaßnahmen in schutzwürdigen Biotopen im Botanischen Garten in Osnabrück verliehen. Friedhelm Scheel (13. von links) erhielt den mit 5000 Euro dotierten Umweltpreis der Haarmann-Stiftung. Foto: Elvira Parton

„Die Anlage eines Biotops ist das Eine, aber die langfristige Instandhaltung, das ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung“, betonte Winfried Wilkens, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück bei der Preisverleihung im Bohnenkamp-Haus. Eben für diese dauerhafte, oftmals jahrelange Pflege von Naturgebieten sollten die Akteure Anerkennung bekommen. Mit ihrem Einsatz retteten sie ökologisch wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, die heute durch intensive Landwirtschaft, Schadstoffeinträge und Baumaßnahmen in ihrer Existenz stark bedroht seien.

Der diesjährige Naturschutzpreis wurde zum zweiten Mal gemeinsam von der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück und der Stadt Osnabrück ausgeschrieben.

Die Naturschutzstiftung teilte ihr Preisgeld im Wert von 5000 Euro an fünf der insgesamt zwölf eingegangenen Bewerbungen auf. Über 2000 Euro konnte sich so die Regionale Arbeitsgruppe für Naturschutz im Artland e.V. (RANA) freuen. Invasiven Pflanzen, zu denen ebenso das Jakobskreuzkraut gehört, stellen sich die Naturfreunde Glandorf e.V. entgegen. Dafür wurden sie von der Naturschutzstiftung mit einem Preisgeld von 1000 Euro ausgezeichnet, genauso wie der Naturschutzbund Osnabrück e.V. ( NABU ). Jeweils 500 Euro vergab die Naturschutzstiftung außerdem an den Verein für Umwelt und Naturschutz Bohmte und an die Naturschutzjugend der ANTL e.V., die bekanntlich von Friedhelm Scheel betreut wird.

Dank finanzieller Unterstützung der Haarmann Stiftung – Umwelt und Natur konnte sich die Stadt Osnabrück zum zweiten Mal der – bereits seit vielen Jahren bestehenden – Preisverleihung der Naturschutzstiftung des Landkreises anschließen. Die Stadt erhielt fünf Bewerbungen zum ausgeschriebenen Naturschutzpreis und verteilte das Preisgeld von insgesamt 2500 Euro für bemerkenswerten Naturschutzeinsatz gleichermaßen an fünf Gruppen, darunter auch wieder die Naturschutzjugend der ANTL.

Friedhelm Scheel persönlich wurde mit dem 5000 Euro dotierten Umweltpreis von der Haarmann Stiftung geehrt. „Eines unserer Stiftungsziele ist die Umweltbildung. Sie funktioniert nur mit Vorbildern, die Andere begeistern und anstiften“, sagte der Vorsitzende Antonius Fahnemann, in Richtung Friedhelm Scheel augenzwinkernd. Seit 35 Jahren setze sich Scheel trotz vieler Steine, die ihm in den Weg gelegt würden, unermüdlich für den Naturschutz ein. Immer habe er dabei Enthusiasmus für Baum, Blatt und Borke und nicht zu vergessen für den Steinkauz, an zahlreiche Jugendliche weitergegeben.

In seiner Dankesrede äußerte Scheel offen Kritik an der, wie er sagt „Arroganz“ der Politik – vor allem in Westerkappeln – im Bereich Natur- und Artenschutz. „Ich bin in meiner Heimatgemeinde der größte Schwerverbrecher, der noch frei herum laufen darf“, sagte Scheel wörtlich in der Veranstaltung. Seine Vergehen: Er habe Mandatsträger auf der Straße angesprochen, private Sofagespräche mit Politikern geführt, Leserbriefe über dilettantisch agierende Politiker geschrieben und heftige Diskussionen bei öffentlichen Veranstaltungen geführt.

Um überhaupt einen messbaren Erfolg für den Naturschutz zu erzielen, sei die kooperative Zusammenarbeit mit politischen Gremien bitter notwendig, forderte Scheel. Leider seien das in den vier Jahrzehnten seines ehrenamtlichen Engagements „fromme Wünsche geblieben“.

Bei allem Frust wollte Scheel „den Moment der Ehrung und des Glücks“ mit anderen Personen teilen. Sein Preisgeld stiftet er komplett. Jeweils 1250 Euro gehen an Maja Köppen, Leiterin der Kita Osnabrück-Haste, an Thomas Solbrig, Geschäftsführer der Lega S Jugendhilfe gGmbH, an Andreas Peters, Vorsitzender des NABU-Osnabrück, sowie an Jan-Philip Kunath, Geschäftsführer der Weidelandschaften e. V..

Den mit 2500 Euro dotierten Nachwuchspreis bekam Janina Voskuhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Osnabrück und engagierte Verfechterin des Umweltschutzes, die in zahlreichen Vorträgen und auf Führungen Menschen auf die prekäre Situation von Wildbiene und Co. aufmerksam macht.

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