Westerkappelner Umweltaktivist und AG Naturschutz bauen Nisthilfe für Hollager Gotteshaus
Kirchenasyl für Turmfalken

Wallenhorst/Westerkappeln -

Attraktives Zuhause für Turmfalken, Schleiereulen und Co: Im Kirchturm von St. Josef in Hollage installierten zwei Schüler und Umweltaktivist Friedhelm Scheel eine Nisthilfe.

Freitag, 06.10.2017, 19:10 Uhr

Bieten manchen Vögeln wieder einen Unterschlupf im Kirchturm von St. Josef: Bernard Brune, Pfarrer Dietmar Schöneich und Nabu-Experte Friedhelm Scheel (von links).
Bieten manchen Vögeln wieder einen Unterschlupf im Kirchturm von St. Josef: Bernard Brune, Pfarrer Dietmar Schöneich und Nabu-Experte Friedhelm Scheel (von links). Foto: Stefan Buchholz

Eigentlich wollte man im Kirchturm keinen Vogel mehr sehen. Zu sehr hatten nämlich vormals Tauben das Kirchenasyl im Glockenturm missbraucht, indem sie sie die mit ihrem Kot versahen. „Die Monteure haben sich zum Schluss sogar geweigert, die Wartung der Glocken vorzunehmen“, erzählt Bernard Brune , Kirchenvorstandsmitglied im Bauausschuss.

Der Gemeinde blieb nichts anderes übrig um eine Reinigungsfirma zu beauftragen „Die sind mit Atemschutz und Spezialreinigern angerückt, weil der Kot ja auch gefährlich ist“, so Brune. Um so etwas in Zukunft zu verhindern, verschloss man Schallluken und weitere Öffnungen im Turm mit Glas und Kaninchendraht.

In diesem Jahr weichte man den Beschluss wieder auf. Umweltaktivist Friedhelm Scheel hatte im Frühjahr gesehen, dass Turmfalken das Hollager Gotteshaus umkreisen. Scheel klopfte bei der Kirchengemeinde an und fragte nach, ob man dort nicht Interesse am Nabu-Projekt „Lebensraum Kirchturm“ habe. Das Projekt hat sich die Sicherung von Nistplätzen bedrohter Arten vorgenommen.

Denn: Viele Vogelarten siedeln gerne in der Nähe des Menschen. Turmfalken, Dohlen, Fledermäuse oder Schleiereulen nutzen Kirchtürme und andere Gebäude in Städten und Dörfern als Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen, weiß Scheel. Bei Kirchturmsanierungen würden jedoch Einfluglöcher oder Brutnischen verschlossen oder Gitter zur Abwehr von Tauben angebracht. So ständen diese Arten buchstäblich vor verschlossener Tür.

Die Josefsgemeinde zeigte sich Scheels Anfrage gegenüber aufgeschlossen. „Wir nehmen unseren Auftrag ernst, für die Bewahrung der Schöpfung zu sorgen“, sagt Pfarrer Dietmar Schöneich. Deshalb konnten Scheel und zwei Schüler aus der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) nun eine Nisthilfe in den Glockenturm bauen.

Und das in einem logistischen Kraftakt: Der 70 mal 45 mal 45 Zentimeter große Kasten musste neben dem Werkzeug über staubige, steile und schmale Holzleitern in den Turm bugsiert werden. Oben angekommen galt es, noch die Vielzahl von Sicherungsstreben zu überwinden, bevor sich die Naturschützer an die Befestigung der Nisthilfe machten.

In den Kaninchendraht schnitt einer der Schüler zunächst eine Öffnung. Den Nistkasten schraubte man mit Winkeln in die Turmmauer. Dazu montierte Scheel anschließend noch eine Einstiegshilfe. Der von der Naturstiftung des Landkreises Osnabrück gesponserte Nistkasten hat die Kirchengemeinde auch deshalb überzeugt, weil er nach hinten geschlossen ist. „Die Vögel können also nicht mehr in den Turm fliegen. Sie gelangen nur über diese eine Öffnung in den Schallluken direkt in den Nistkasten“, erklärte Friedhelm Scheel nach knapp zweistündiger Einbauzeit.

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„Hallo Niedersachsen“, das Regionalprogramm im NDR-Fernsehen, strahlt am Samstag, 7. Oktober, eine Reportage über den „Lebensraum Kirchturm“ aus. Die Sendung beginnt um 19.30 Uhr.

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