Teamarbeit ist gefragt auf der „Bau(schlau)stelle“ Demokratie im „Garten Eden“

Westerkappeln -

Demokratie - dabei denken viele vermutlich erst an den Bundestag in Berlin oder den Gemeinderat. Dass sich Demokratie allerdings auch hautnah erfahren und lernen lässt, und das auch noch richtig abenteuerlich, das erleben die Mädchen und Jungen auf der „Bau(schlau)stelle“ im „Garten Eden“ im Westerkappelner Schulzentrum.

Von Araann Christoph
Teamarbeit ist beim Bauen der großen Holzfestungen gefragt. Für die Hütten stehen den Kindern 400 leichte Holzpaletten zur Verfügung, dazu rund 200 Meter Kanthölzer und zehn Kilogramm Nägel.
Teamarbeit ist beim Bauen der großen Holzfestungen gefragt. Für die Hütten stehen den Kindern 400 leichte Holzpaletten zur Verfügung, dazu rund 200 Meter Kanthölzer und zehn Kilogramm Nägel. Foto: Araann J. Christoph

Hier hatten und haben sie im Rahmen des Ferienspaßes vergangene und diese Woche an fünf Tagen die Möglichkeit, sich nach Herzenslust an verschiedenen Stationen auszutoben und dabei Demokratie spielend anzuwenden.

Aus dem „Garten Eden“ hört man Hämmern, Sägen und Werkeln. Imposante Holzfestungen ragen in die Höhe. Gebaut haben diese die 17 Mädchen und Jungen im Alter von neun bis zwölf Jahren in der ersten Woche auf der „Bau(schlau)stelle“ teilnehmen.

In Gruppen aufgeilt mussten sie selbst überlegen, wie sie ihre Holzhütten bauen wollen. „Und um das im Team zu bewerkstelligen, dafür ist Demokratie besonders wichtig“, betont Projektleiter Johannes Herfurth von der Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe), die den Ferienspaß organisiert. „Die Kinder entscheiden ganz von sich aus. Von uns Betreuern aus ist das überhaupt nicht getaktet“, erklärt Herfurth.

Gemeinsam arbeiten, Differenzen klären und Lösungen finden mit denen alle zufrieden sind, das könne man nur, indem man sich auf seine Gruppe einlässt und mitmacht. Genau da fange die Demokratie inmitten der Mädchen und Jungen an.

Und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Eric Möllenkamp (10), Killian Baumgarte (10), Mohamad Daoud (10) und Josh Truschinsky (11) arbeiten daran, dass zusammengesackte Dach ihrer hölzernen Festung wieder aufzubauen. Hilfe von den Betreuern brauchen sie dabei kaum. „Es macht Spaß“, sind sich die Jungen einig. Rückschläge wie das eingestürzte Dach spornen nur noch mehr an.

Allerdings sind die Kinder nicht nur mit Hämmern und Sägen beschäftigt. So können sie auch mit Riesenwattestäbchen beim sogenannten Jugger ihre Kräfte messen oder einfach in einer langgezogenen „Hängematte“, improvisiert aus einem Volleyballnetz, entspannen. Dass sie dabei wie gefangene Fische aussehen, stört niemanden.

Fußball, Basketball und Basteln stehen auch auf dem Programm. Schnitzen und dabei Fingerfertigkeit beweisen ist auch möglich. Wer sich traut, der kann – an Seilen gesichert – auf Getränkekisten in schwindelerregende Höhen klettern.

„Es ist schwierig immer das Gleichgewicht zu halten, aber man weiß ja, dass man gesichert ist“, erzählt Esther Waldhaus (11). Gerade eben hängt sie behände an der elften der insgesamt zwölf Kisten, doch dann kippt der Turm unter ihr zur Seite und sie hängt in der Luft, gesichert durch Herfurth am Boden. „Ich hätte noch einen Schritt machen sollen, aber dann ist der Turm umgekippt und natürlich habe ich einen Riesenschreck bekommen“. Esther will es auf jeden Fall noch einmal versuchen und steht bereits wieder in der Schlange der Wartenden.

Der ganze Trubel macht natürlich ordentlich Appetit, die Teilnehmer und Betreuer sind bestens versorgt. Egal ob es die selbst gemachte Pizza aus dem Lehmoffen ist, Pfannkuchen oder Stockbrot über dem Lagerfeuer – auf der „Bau(schlau)stelle“ wird wohl jeder satt.

Für die Holzhütten stehen den Kindern 400 leichte Holzpaletten zur Verfügung, dazu rund 200 Meter Kanthölzer und zehn Kilogramm Nägel. Sie sind also bestens vorbereitet, um die Bauwerke stabil zu machen, denn die Festungen sollen noch bis zum Herbst im „Garten Eden“ stehen. Angemalt werden sollen sie ebenfalls, natürlich von den jungen Architekten und Baumeistern persönlich.

Zum dritten Mal in Folge wird das Projekt nun schon organisiert, erneut mitfinanziert durch Mittel des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). „Wir haben viele Wiederholungstäter“, sagt Herfurth. „Bei einigen ist es so, dass sie nur hier wirklich mal in einem Team zusammen arbeiten können. Die Entwicklung zu sehen ist super.“

Am Ende dieser Woche soll es dann zum krönenden Abschluss ein Fest geben – wie auf einer Baustelle eben üblich.

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Von uns Betreuern aus ist das überhaupt nicht getaktet.

Projektleiter Johannes Herfurth

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