Eheleute Westbunk feiern Gnadenhochzeit
Dankbarkeit und Freude

Borghorst -

Als Eugen Westbunk die Schwarz-Weiß-Fotografie in dem alten Album erblickt, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Es ist das Hochzeitsfoto, das den Borghorster mit seiner Braut Magda zeigt. Sie mit langem Brautkleid, Schleier und Blumenstrauß in den Händen. Er in dunklem Anzug mit Fliege, weißen Handschuhen und Zylinder auf dem Kopf. „Den trugen damals alle Männer zu besonderen Anlässen, das war Pflicht“, erinnert sich Westbunk.

Montag, 01.01.2018, 15:01 Uhr

Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1948: Eugen Westbunk und seine frisch angetraute Frau Magda geb. Ludwig. Ein aktuelles Foto des Paares wird morgen in dieser Zeitung veröffentlicht.
Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1948: Eugen Westbunk und seine frisch angetraute Frau Magda geb. Ludwig. Ein aktuelles Foto des Paares wird morgen in dieser Zeitung veröffentlicht. Foto: privat

70 Jahre ist es her, dass die Eheleute sich standesamtlich im damaligen Rat-, heute Heimathaus , trauen ließen. Gnadenhochzeit heißt das sehr seltene Ehejubiläum, dass die beiden 94-Jährigen heute begehen. Und die beiden Ur-Borghorster empfinden es auch als eine Gnade, dass sie auf einen solch langen gemeinsamen Lebensweg zurückblicken können. „Es ist alles gut gelaufen“, sagt die Jubilarin und erntet ein zustimmendes Nicken ihres Ehemanns. Der Beobachter merkt sofort: Das Maß an Zufriedenheit mit dem Leben, das beide gelebt haben, ist groß. Auch wenn es immer mal wieder Schicksalsschläge gab: In der Summe überwiegt die Dankbarkeit und die Freude darüber, alle Hürden, die das Leben so bereithält, gemeistert zu haben. „Was jetzt noch kommt, ist ein Geschenk obendrauf“, freuen sich die beiden Eheleute auf jeden Tag, den sie noch miteinander verbringen können. Beide wissen: Sie konnten und können sich aufeinander verlassen. Ihr Miteinander ist von hoher Wertschätzung geprägt.

70 Jahre gemeinsamer Eheweg: In Zeiten, in denen der Höhepunkt der Scheidungszahlen zwar überschritten scheint, aber trotzdem noch immer fast jede dritte Verbindung wieder gelöst wird, erstaunt diese Zahl. Was ist das Geheimnis einer solch langen ehelichen Beziehung? „Natürlich gab es bei uns nicht jeden Tag Sonnenschein“, räumt Magda Westbunk ein. Wichtig aber sei beiden Eheleuten stets gewesen, „am Abend wieder miteinander im Reinen zu sein“. Man muss sich nach einem Zwist auch wieder vertragen können, das war und ist ihr Beziehungsrezept. Unerlässlich für eine dauerhafte Verbindung sei zudem der gegenseitige Respekt und die Fähigkeit, Toleranz zu üben. Viele moderne Ehen scheitern an diesem Punkt, glauben beide.

Als die Westbunks sich 1948 zunächst amtlich und später im Jahr kirchlich das Ja-Wort gaben, spielte natürlich die Liebe eine große Rolle. Den Nöten der Nachkriegszeit geschuldet gab es aber auch ganz pragmatische Gründe, warum Paare heirateten. „Wir hätten ansonsten keine Aussicht auf eine gemeinsame Wohnung gehabt“, erinnert sich der Jubilar an die Anfangszeiten.

Es war das Jahr der Währungsreform, die Bundesrepublik stand vor der Gründung. Trotz der überall noch im Alltag spürbaren Kriegsfolgen herrschte Aufbruchstimmung. Auch bei den Westbunks, die später in den 50ern ihr Haus stadtauswärts nahe der Emsdettener Straße bauten und eine Familie gründeten. Tochter Irmgard ist noch heute in der Nähe, kümmert sich um die Eltern, die inzwischen pflegebedürftig sind.

Dass das so ist, haben beide akzeptiert. Geklagt wird darüber nicht, die Summe der positiven Lebenserfahrungen kompensiert die Lasten des Alters doch bei weitem.

„Wir hatten viel Glück“, lautet das Resümee. Mit der derzeitigen Lebenssituation sind beide zufrieden: Welches Paar, das so lange zusammen ist, kann schon nach wie vor in den eigenen vier Wänden leben?, fragen die Westbunks. Man komme dank der Hilfe der Tochter gut zurecht, betont das Paar, das sich auch regelmäßiger Besuche von Verwandten und Bekannten erfreut.

Der Kreis der dafür infrage Kommenden ist zwar in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Doch zweimal 94 Lebensjahre in Borghorst haben Spuren hinterlassen. Besonders Eugen Westbunk, er war die letzten 23 Jahre seines Berufslebens Hausmeister der Regenbogenschule, ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Dass Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer kommt, um zu gratulieren, freut das Jubelpaar besonders. Ansonsten wird im kleinen Kreis gefeiert – und dabei sicher in vielen Erinnerungen geschwelgt.

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