Burg-Apotheke schließt
„Hätte gerne noch weitergemacht“

Burgsteinfurt -

Am Markt geht an Silvester eine Ära zu Ende: Nach 37 Jahren dreht Willi Fink den Schlüssel der Burg-Apotheke im Zentrum der Altstadt um – er geht er in den Ruhestand.

Donnerstag, 28.12.2017, 15:12 Uhr

Über viele Jahre ein eingeschworenes Team:  Die Mannschaft der Burg-Apotheke mit (v.l.) Michaela Wehrmann, Ilse Kleinert, Sabine Wirt, Christa-Regine und Willi Fink.
Über viele Jahre ein eingeschworenes Team:  Die Mannschaft der Burg-Apotheke mit (v.l.) Michaela Wehrmann, Ilse Kleinert, Sabine Wirt, Christa-Regine und Willi Fink. Foto: rs

Als Willi Fink 1981 seine künftige berufliche Wirkungsstätte am Markt gleich neben dem Alten Rathaus erstmals sah, da war dort noch die komplette Einrichtung des Vorgängers Friseur Höcke vorhanden. „Vom Waschtisch bis zur Trockenhaube“, blickt der 66-Jährige auf die etwas skurrilen Anfänge seiner Apotheker-Tätigkeit in Stemmert zurück. 37 Jahre später ist auch die Ära der Nutzung des Geschäftslokals als Apotheke zu Ende: Am Silvestertag dreht Fink die Schlüssel im Zentrum der Altstadt um – er geht er in den Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht. „Für so eine Art von Apotheke, wo der Chef noch selbst bedient, finden sie den nicht“, ist Fink Realist. Hinzu komme die Bürokratie, mit der der Beruf zunehmend belastet sei. Beispiel Auflagen von Behördenseite: „Die Vorschriften werden immer umfangreicher“, berichtet Fink. Vorgaben wie unter anderem der Einbau einer Automatiktür machten gerade kleinen Apotheken das Leben schwer.

„Für mich war meine Berufszeit in der eigenen kleinen, familiären Apotheke der Idealfall. Ich hatte eine Marktlücke gefunden, die mich die ganze Zeit über getragen hat“, zieht der 66-jährige Neu-Ruheständler ein positives Fazit seiner Tätigkeit. Der Kontakt zu den Kunden, der weit über die reine Medikamenten-Beratung hinausging, aber auch die Arbeit in seinem Mitarbeiterinnen-Team werden ihm fehlen, gibt er, der in Ahlen in Westfalen aufgewachsen ist und in Münster studierte, freimütig zu.

Im Laufe der Jahre erfreute sich Burg-Apotheke einer immer größer werdenden Stammkundschaft. „Sogar aus Borghorst haben wir Kunden, die regelmäßig kommen und dann gerne auch mal zu Gino nach nebenan gehen“, lacht Fink. In Burgsteinfurt gibt es noch einen Apotheker „von altem Schrot und Korn“, zu dem sich ein Vertrauensverhältnis aufbauen lässt – das sprach sich herum. Für Fink gehörte es dazu, Kunden auch von einem Medikament abzuraten, wenn es ihm aus seiner langjährigen Berufspraxis und in Kenntnis des speziellen Gesundheitszustands des Kunden geboten schien. Dass die oftmals langjährigen Bande sehr eng waren, zeigen die vielen Abschiedsgeschenke, die Fink und sein Team in diesen Tagen erhalten. Und in dieser Woche wird sicher das eine oder andere noch hinzu kommen.

Was seinen Ruhestand anbetrifft, so hat Willi Fink eine Punktlandung gesetzt. Im Mai nämlich hat seine Frau Christa-Regine, ihrerseits Apothekerin, ihren Betrieb in Nottuln-Appelhülsen abgegeben. Die Fachfrau mit Schwerpunkt Homöopathie hat seitdem ihrem Mann unter die Arme gegriffen. Gemeinsam treten sie nun den neuen Lebensabschnitt an. „Wir wollen vor allem Reisen und uns um unsere Familie kümmern“, sagen beide. Sieben Kinder gehören der Patchworkfamilie an, es gibt vier Enkel. Rechtzeitig schon hat Willi Fink seinen Ruhestand und die damit verbundene Aufgabe des Geschäfts am Markt seinen Mitarbeiterinnen angekündigt. „Beide haben eine neue Anstellung gefunden“, berichtet der Apotheker.

Für Fink schließt sich jetzt nach 37 Jahren ein Kreis. „Es hat Spaß gemacht, es war eine Traumapotheke“, sagt er. Wie es mit dem Ladenlokal weitergeht, weiß er zwar nicht („Das ist Sache des Vermieters“), aber er wird es verfolgen können. Bleibt Burgsteinfurts Apotheker-Urgestein doch dem Wohnort Stemmert treu.

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