Urteilsverkündung am Landgericht Münster
Gefängnisstrafe für Stiftskreuz-Diebe

Borghorst/Münster -

Die 9. Große Kammer des Landgerichts Münster ist überzeugt, dass die richtigen Männer auf der Anklagebank saßen: Für viereinhalb beziehungsweise für fünf Jahre müssen die drei im Prozess um das gestohlene Borghorster Stiftskreuz Beschuldigten ins Gefängnis.

Dienstag, 13.10.2015, 19:10 Uhr

Die Diebe sitzen im Gefängnis, doch das kostbare Borghorster Stiftskreuz bleibt weiter verschwunden.
Die Diebe sitzen im Gefängnis, doch das kostbare Borghorster Stiftskreuz bleibt weiter verschwunden. Foto: dpa

Mit ihrem Urteil ging das Gericht am gestrigen Dienstag deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Dessen Vertreterin hatte dreieinhalb beziehungsweise vier Jahre beantragt. Bis zum vorletzten Verhandlungstag hatten die jungen Männer aus Bremen geschwiegen, erst am Ende hatten zwei beteuert, nichts mit dem Diebstahl zu tun zu haben. Ihre Verteidiger hatten für alle drei Freispruch gefordert. Das wertvolle Reliquiar ist seit der dreisten Tat vor fast zwei Jahren verschwunden. Auch eine Belohnung des Bistums Münster in Höhe von 50 000 Euro hat bislang keinen entscheidenden Hinweis gebracht.

„Die Kammer hat keinen Zweifel, dass die Angeklagten das einzigartige Kreuz aus der Nikomedeskirche gestohlen haben“, erklärte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung: „Auch wenn keiner der drei in der Kirche gesehen wurde.“ Doch zwei Zeuginnen hatten die Männer zur Tatzeit schnellen Schrittes aus Richtung der Kirche kommend zu einem schwarzen Mercedes-Kombi laufen gesehen. Zeitgleich sei die Totenglocke zu hören gewesen, die als Alarmanlage diente: „Was sollen die Männer sonst dort gemacht haben?“, fragte der Vorsitzende. Zum Gebet hätten sich die Angeklagten in der katholischen Kirche sicher nicht getroffen. Die Kammer sah zudem keinen Anhaltspunkt, warum die Bremer sonst nach Borghorst gefahren sein sollten: „Es gab keinerlei Kontakte ins Münsterland.“

Auch die Beschreibung der befreundeten Täter durch die beiden Kirchplatz-Zeuginnen überzeugte das Gericht. Vor der eigentlichen Tat Ende Oktober 2013 hatten die Angeklagten mit dem schwarzen Mercedes an mehreren Tankstellen in Wildeshausen und in Altenberge gestoppt. Auch das sah die Kammer als erwiesen an und belegte diese Auffassung mit der Aussage von Gutachtern, die Tankstellenfotos mit Bildern der Angeklagten verglichen hatten.

Weil das Borghorster Stiftskreuz Experten zufolge zu den bedeutendsten sakralen Kunstwerken des 11. Jahrhunderts in Europa gehört und einen ideellen Wert von mehreren Millionen Euro hat, wertete die Kammer den Diebstahl als besonders schweren Fall: „Die Anträge der Staatsanwaltschaft waren dahingehend zu niedrig.“

Das Trio bleibt in Haft. Eine Woche haben die Männer Zeit, mit ihren Verteidigern zu überlegen, ob sie in die Revision gehen.

Heinrich Wernsmann, zum Tatzeitpunkt leitender Pfarrer der Kirchengemeinde St. Nikomedes, zeigte sich nach dem Urteil gestern erleichtert und überrascht zugleich. Mit einer so hohen Gefängnisstrafe hatte der inzwischen emeritierte Pfarrer, der im Laufe des Prozesses als Zeuge ausgesagt hatte, nicht gerechnet. Ob er den Tätern vergeben könne? Diese Frage ließ Wernsmann vor dem Gerichtssaal erst noch einmal offen. Die Gemeinde, das betonte er hingegen, wolle das Kreuz unbedingt zurückhaben. Eine Gruppe von Gläubigen werde dafür auch weiter täglich beten.

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