Briefmarkensammeln
Ein Hobby nicht nur für Nostalgiker

Ochtrup -

Briefmarken sammeln, das klingt für so manchen nach einem Hobby aus grauer Vorzeit. Heute, in Zeiten von E-Mails, frankiert doch kaum noch jemand seine Post mit einer richtigen, aufgeklebten Marke! Wieso sollte man da noch ein Album für die gezähnten Papierschnipsel anlegen? Nun, Reinhard Leusder hat darauf eine gute Antwort.

Freitag, 09.02.2018, 06:02 Uhr

Begeisterte Briefmarkensammler: Franz-Josef Eilting (l.) und Reinhard Leusder.
Begeisterte Briefmarkensammler: Franz-Josef Eilting (l.) und Reinhard Leusder. Foto: Anne Spill

Reinhard Leusder ist das wandelnde Beispiel dafür, wie viel Freude das Sammeln auch heutzutage noch bringen kann. Und er weiß mit seiner Begeisterung anzustecken: Wer den Ochtruper einmal in seiner „Höhle“ im Keller besucht hat, kann nachvollziehen, was für ihn den Reiz der bunten Marken ausmacht.

Der liegt nicht etwa darin, die rarsten und damit teuersten aller Postwertzeichen in einem Album anzuhäufen. Es ist vielmehr die Geschichte dahinter, die Reinhard Leusder an der Philatelie fasziniert: „Anhand von Briefmarken lassen sich ganze gesellschaftliche Vorgänge aufzeigen“, sagt der Sozialarbeiter im Ruhestand und weist auf einen Bogen mit grün-weißen Exemplaren, die allesamt mit dem Wert „Dreihundert Mark“ gekennzeichnet sind. „Die Inflation zum Beispiel.“

Sammlung zu Vögeln in der Bibel

Und das Feld ist breit. Manche Sammler hielten nach Briefmarken eines bestimmten Landes Ausschau, berichtet Leusder. Wieder andere sortierten die Motive nach Themen oder Epochen. Im Regal des Ochtrupers steht zum Beispiel ein Mäppchen mit Marken aus dem Vatikan , ein anderes Album trägt den Titel „Weltraum“, und in einem dritten Ordner stecken lauter Wertzeichen aus dem Deutschen Reich. „Das Skurrilste, was mir jemals begegnet ist, war eine Sammlung zu Vögeln, die in der Bibel erwähnt werden“, erzählt Leusder.

Nun, fündig wird ein Experte selbst bei einem solch speziellen Thema: Abertausende von Serien und Einzelstücken sind auf den Markt gekommen, seit die erste offizielle Briefmarke der Welt – „One Black Penny“ – 1840 im Vereinigten Königreich ausgegeben wurde. Sie unterscheiden sich in Farben und Zahnung, Papier und Drucktechnik, stammen aus Bögen oder von Rollen, sind selbsthaftend oder nassklebend, postfrisch oder gestempelt.

Mitglied im Verein

Im Keller des Och­trupers lagern inzwischen 140 Alben voller Briefmarken. Sie sind das vorläufige Ergebnis einer Jahrzehnte anhaltenden Leidenschaft. Die ersten Marken fielen Leusder als kleiner Junge in die Hände, und noch heute, im Rentenalter, hantiert der Ochtruper gerne mit Lupe und Pinzette. Seit einigen Jahren ist er auch Mitglied des kleinen Ochtruper Vereins der Briefmarken- und Münzfreunde.

Zu dem Club gehört seit Kurzem auch Franz-Josef Eilting . Der Landtagsstenograf im Ruhestand hat ebenfalls als Jugendlicher angefangen, Briefmarken zu sammeln. „Ich habe mich damals schon sehr für Erdkunde, Geschichte und Politik interessiert“, berichtet er. Hielt er eine Marke aus fernen Ländern in den Händen, machte es ihm Spaß, den Atlas aufzuschlagen und sich mit der Herkunft zu beschäftigen. Heute reizt es den Philatelisten, in dem Meer von Marken ganz besondere Exemplare aufzutun – mit Druckfehlern zum Beispiel. „Wenn man viele Jahre sammelt, fängt man an, mit der Lupe nach solchen Details zu suchen“, berichtet Eilting.

Ein tolles Gefühl sei es auch, ein schon lange gesuchtes Exemplar endlich zu finden, berichten die beiden Ochtruper – ob bei einem Tauschtag, auf Online-Plattformen, in abgegebenen Sammlungen oder Nachlässen. „Die Marke steckt man dann mit Genuss an die Stelle im Album, wo sie gefehlt hat“, erzählt Reinhard Leusder mit einem Lächeln. „Es heißt ja, Sammler seien glückliche Menschen“, ergänzt Franz-Josef Eilting. „Da ist etwas dran.“

Kinder und Jugendliche ansprechen

Die beiden Ochtruper Philatelisten sind davon überzeugt, dass nicht nur „die Älteren“ Spaß an Briefmarken haben. Auch für die Kinder und Jugendlichen von heute könnten sie ein schönes Hobby sein, glauben Eilting und Leusder. Ihr Verein möchte daher nun gezielt auf die jüngere Generation zugehen, unter anderem mit einem Infostand in der Bücherei (siehe unten). So will er zeigen, dass das Briefmarkensammeln alles andere ist als verstaubt, altbacken und nur etwas für Nostalgiker. Vielleicht liegt es ja sogar bald wieder im Trend – „re­tro“ ist ja schließlich auch cool. . .

Zum Thema

Am heutigen Freitag ab 15 Uhr und am morgigen Samstag ab 10 Uhr sind die Ochtruper Briefmarken- und Münzfreunde mit einem Stand in der Bücherei St. Lamberti vertreten. Sie informieren über Philatelie und Numismatik und geben jedem Besucher ein philatelistisches Präsent mit. Besonders Kinder und Jugendliche sind dazu eingeladen. Am 24. Februar (Samstag) findet ab 11 Uhr in der Villa Winkel ein großer Tauschtag statt. Dort können Besucher unter anderem Münzen von einem Experten schätzen lassen.

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