Runder Geburtstag Aenne de Jager wird an Silvester 100 Jahre alt

ochtrup -

Fast ein Jahrhundert ist es her, dass Aenne de Jager das Licht der Welt erblickte. Am 31. Dezember 1917, ihrem Geburtstag, tobte in Europa noch der Erste Weltkrieg. Erinnern kann sich die Ochtruperin an diese Zeit natürlich nicht mehr. „Von meiner Mutter weißt ich, dass Krieg war. Viele junge Männer mussten in den Krieg und viele kamen nicht zurück. Es gab wohl keine Familie, in der keine Trauer war“, erzählt die 99-Jährige wenige Tage vor ihrem 100. Geburtstag.

Von Anne Steven
An Silvester feiert Aenne de Jager ihren 100. Geburtstag.
An Silvester feiert Aenne de Jager ihren 100. Geburtstag. Foto: privat

Als Aenne Brink wuchs sie in Ochtrup mit sechs Geschwistern auf. Nach der Volksschule machte sie im Musterzimmer der Firma Laurenz eine Lehre, später arbeitete sie in der Spulerei. Zu dieser Zeit verdienten die meisten Ochtruper im Unternehmen der Gebrüder Laurenz ihren Lebensunterhalt. Unter ihnen auch ein gewisser Rudi de Jager. Aenne war 18 Jahre alt, als sie ihn kennenlernt. „Er hat immer an der Ecke auf mich gewartet und dann sind wir ein Stück zusammen gegangen“, erzählt die 99-Jährige von ersten zarten Anbandlungen. Rudi lud seine Aenne ins Kino ein. An den Film „Edelweißkönig“ kann sich die Och­truperin noch heute gut erinnern. Auch die Freilichtbühne besuchte das junge Paar zusammen. „Da hat Rudi mir immer Bentheimer Moppen im Café Bernd gekauft“, erzählt die fast Hundertjährige mit leuchtenden Augen.

Es hätte alles so schön sein können, doch das junge Glück hatte ein Problem: Aenne war katholisch, Rudi evangelisch. „Ich dachte mir, das geht doch nicht“, erzählt Aenne de Jager. Sie beendete die Beziehung. Auf einem Schützenfest in der Oster brachte ihr ein Bekannter schließlich eine rote Rose. „Ich habe ihn gefragt, von wem die denn sei, und er sagte: ‚Das weißt du doch. Von Rudi!’ Und da wusste ich, dass ich keinen andern haben wollte“, sagt Aenne de Jager. Doch erst als die junge Frau den evangelischen Glauben annahm, durfte sie ihren Rudi heiraten.

Das war 1938 und keine gute Zeit. Als Hitler an die Macht kam, hätten ihre Eltern gleich gewusst, dass es Krieg geben würde. „Und ich wusste sofort, dass der kein guter Mensch ist. Den Schlamassel haben wir dann bald erfahren mit dem Krieg in Europa und den vielen Toten überall. Auch mein Mann wurde im Krieg schwer verwundet“, erzählt Aenne de Jager. „Nie darf so etwas wieder kommen“, betont sie.

Sie und ihr Rudi haben immer weiter gemacht. Der Glaube habe ihr vor allem in den schweren Stunden ihres Lebens immer Halt und Kraft gegeben, sagt die Jubilarin, die noch heute am liebsten den evangelischen Gottesdienst besucht. „Mein Leben war nicht leicht. Oft habe ich gedacht, es geht nicht mehr, zum Beispiel, als mein Mann 1981 starb, aber mein Glaube war stärker und viele gute Menschen haben mir Mut gemacht“, betont sie.

Seit über vier Jahren lebt Aenne de Jager nun schon im Carl-Sonnenschein-Haus. Dort soll am morgigen Sonntag auch ihr 100. Geburtstag gefeiert werden. „Es gibt einen Empfang und zu essen und zu trinken“, verrät die Jubilarin, die sich schon jetzt auf ihre Gäste freut. Außerdem haben die Bewohner des Altenheims einen Bogen vorbereitet.

„Nie habe ich geglaubt, dass ich 100 Jahre alt würde“, betont die alte Dame mit einem Lächeln. „Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Diesen Spruch kenne ich noch aus meiner Kinderzeit.“

Was sie sich für 2018 wünscht? Auch mit fast 100 Jahren bekommt Aenne de Jager mit, was in der Welt geschieht, und das bereitet ihr oft große Sorgen. „Möge es nicht so schlimm werden, wie aussieht in der Welt“, ist ihr Wunsch fürs neue Jahr.

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