Poetry Slam
Weihnachtspredigt vorweggenommen

Ochtrup -

Initiatorin Dana Brüggenkamp hatte den Geschmack des Publikums getroffen: Gut 70 Zuhörer verfolgten beim Poetry Slam die Darbietungen auf der Freiraum-Bühne. Und mit Pfarrer Stefan Hörstrup hatte die Premiere einen ganz prominenten Gast.

Mittwoch, 27.12.2017, 06:12 Uhr

Wenn der Pfarrer die Freiraum-Bühne entert: Stefan Hörstrup eröffnete den Poetry Slam, angekündigt von Dana Brüggenkamp.
Wenn der Pfarrer die Freiraum-Bühne entert: Stefan Hörstrup eröffnete den Poetry Slam, angekündigt von Dana Brüggenkamp. Foto: Martin Fahlbusch

Es gab einen echten Pokal und ein unechtes Spendenschwein beim Christmas Slam im Café Freiraum wenige Stunden vor dem Weihnachtsfest. Und es war allerfeinst angerichtet. Kleine runde Tische, lange Sofareihen, eine Bühne, die an der Längsseite aufgebaut war und diesmal so gar nicht vor Technik strotzte.

Das Freiraumteam um Dana Brüggenkamp , die pfiffig moderierte, und Christopher Böker , von dem man an den Klaviertasten als Überleiter gern mehr gehört hätte, hatte zu einem Schreib- und Vortragswettbewerb eingeladen, der noch mit äußerst schmackhaften und vor allem musikalischen Zutaten zusätzlich gewürzt war.

Poetry Slam ist der zumeist lockere und engagierte Wettbewerb von Texten, Gedanken, Comedy-momenten, zu dem sich ganz unterschiedliche und zumeist jüngere Menschen vor ein aufmerksam-freundliches, kritisches, aber immer faires Publikum wagen.

Und um die Regel gleich zu Beginn ins Wanken zu bringen, fiel das Losglück gleich auf den „Opener“ Stefan Hörstrup. Der ist der Ortspfarrer und hatte sich zur Teilnahme bereiterklärt, wiewohl die Kategorie „Poetry Slam“ in seiner Priesterausbildung eigentlich keine Rolle gespielt haben dürfte. Ehrlich, wie er berufen wurde, machte der auch keinen Hehl daraus, dass er den Roten Faden seiner Weihnachtspredigt für diesen Wettbewerb schon mal vorgesponnen hatte. Und wer deren Premiere an Weihnachten im Kirchenraum verfolgt hat, fand das Thema Heimat und Verheißung durchaus wieder, vielleicht nicht ganz so keck und kritisch, wie die Passagen, die er auf die Freiraum-Bühne brachte.

Nele Flaccus richtete dann den Blick auf uns selber in unserer eigenartigen Widersprüchlichkeit: „Wir trennen den Müll und können dennoch nicht loslassen.“ Bei Sätzen wie diesen hätte man eigentlich längere Bedenkzeit gebraucht, aber da hatte sie schon die nächsten Wortspiel-Kaskaden abgeschossen. Dann erhofftes Durchatmen mit der Singer-Songwriterin Delia Häßicke aus Münster. Deren Songs kamen aber so gut rüber, dass gleich noch eine Uraufführung als Zugabe hinterhergereicht werden musste.

Malte Klingenhäger katapultierte die Zuhörer dann wieder auf die glitschigen Planken des Lehreralltag, die er sprachlich rutschfest und höchst anschaulich vor den rund 70 Zuhörern ausbreitete. „Kinder statt Tinder“.

Judith Reers lud dann zu einem zukunftweisenden Schneekugelblick ein. Und das tat sie großzügig reimend in glitzernden Ambivalenzen nach dem Motto: Kitsch und Fiktion.

Ohne Atempause ging es dann zu Janna Leise mit ihren Songs, die mindestens so tiefschwarz daherkamen wie ihre Strumpfhose. Amy McDonald in ganz düster – sozusagen.

Regelrecht erholsam war Tobias Reinartz aus Dinslaken mit der schreienden Gertrud und dem die Vorweihnachtszeit ertragenden Bernhard. Kopfkino vom Feinsten – und sogar mit abartigem Weihnachtsgesang.

Blieb dann noch diese ebenso vielsagende Verbindung von Dosenravioli und echt männlichem Serienheld, der im Winter bei minus 20 Grad in selbstgeschaufelten temporären Gräbern übernachtet, vor Männlichkeit zittert und die Florian „Dee“ Dähnke comedy-artistisch zum frierenden Restleben erweckte.

Apropos Leben. Der „special guest“ Dennis Buss, der „Rapper aus Gronau“, hatte dann zum Schluss des Abends verdammt viel davon. Was da aus diesen gut 170 Zentimetern Mensch heraussprudelte und dem Publikum um die Ohren flog, hatte Beat und Botschaft.

Der echte Pokal wanderte übrigens in die Lehrerhände von Malte Klingenhäger, aber das Gesamtpaket hat restlos überzeugt und schreit noch „Poetry-Slam-Wiederholung“. Es muss dafür aber nicht erst wieder Weihnachten werden.

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