Kita St. Lamberti
„Die anderen haben sie nicht reingelassen“

Ochtrup -

Die Weihnachtsgeschichte aus der Perspektive von Kindern: Die Redaktion hat mit echten Experten im Kindergarten St. Lamberti gesprochen.

Sonntag, 24.12.2017, 08:12 Uhr

Die Kinder aus der Kita St. Lamberti wissen, was es mit Weihnachten auf sich hat.
Die Kinder aus der Kita St. Lamberti wissen, was es mit Weihnachten auf sich hat. Foto: stev

Auf die Frage „Was ist denn Weihnachten überhaupt?“ folgt ein reichlich entrüstetes „Weißt du das denn nicht?“ und die Berichterstatterin erntet Stirnrunzeln und Kopfschütteln, als sie ein paar Tage vor dem Fest mit ein paar echten Experten in Sachen Weihnachten zusammenkommt. Na ja, ein bisschen geflunkert war das schon, dass sie überhaupt gar nichts über Weihnachten weiß. Aber schließlich wollte sie die Weihnachtsgeschichte einmal aus einer anderen Perspektive erzählen – nämlich der von Kindern.

Und Florian, Mela, Arjeta, Natalia, Valton und Ico aus dem Kindergarten St. Lamberti wissen ziemlich gut Bescheid. „An Weihnachten wird Jesus geboren“, stellt Florian zunächst einmal Grundsätzliches fest. Ein genervtes Augenrollen kann sich der Fünfjährige ob dieser bodenlosen Unwissenheit seines Gegenübers gerade noch verkneifen. Fast scheint es, als will er diesen Fall als vollkommen hoffnungslos abtun, denn er wendet sich wieder seinem Frühstück zu.

Doch dann taucht ein echter Weihnachtsfachmann am Frühstückstisch auf: Ico. „In der Weihnachtsgeschichte geht es um Maria und Josef und das Jesuskind“, stellt er klar. Außerdem sei das Kind in einer Krippe auf die Welt gekommen, erzählt der Steppke.

Doch, halt, halt! Eine Krippe? Was ist denn das überhaupt? „Die steht in einem Stall. Da essen die Tiere“, informiert Arjeta knapp. Okay, Jesus wurde also in einem Stall geboren. Aber, Moment, wie kam er denn da hin? Gab es keine andere Unterkunft?

„Na, die waren doch unterwegs. Und die anderen haben sie nicht reingelassen“, weiß Ico zu berichten. „Da gibt es keinen Platz“, ergänzt Natalia. Das war aber ganz schon gemein von den andern Leuten, oder? Zustimmendes Kopfnicken bei den Kindern. Aber zum Glück haben Maria und Josef noch eine Unterkunft gefunden. Und was da für Tiere im Stall waren! „Ein Esel und ein Ochse“, weiß Florian beizusteuern. „Und eine Schlange“, ergänzt Ico. „Und eine Eule und eine Ziege.“ „Ein Adler auch“, ruft Florian. Doch jetzt kommt Widerspruch von Ico. Den Adler habe es nun wirklich nicht im Stall gegeben. Und die anderen Tiere? „Na, klar! Das steht doch in den Buch“, meint Mela und zeigt auf ein Buch, das Erzieherin Moni in den Händen hält. Und in dieser Wimmelbuch-Version „Alle Jahre wieder“ sind tatsächlich nicht nur Ochse und Esel an der Krippe, sondern auch alle anderen Tiere, die die Kinder aufgezählt haben.

„Haben Maria und Josef denn auch Besuch bekommen? Vielleicht von den Großeltern?“, will die Berichterstatterin nun von den Kindern wissen. „Nein, die haben keine Oma und Opa“, nun ist Ico nun tatsächlich ein bisschen entsetzt. „Da sind andere gekommen. Wie heißen die noch mal?“, fragend schaut der Vierjährige in die Runde. „Hirten, das waren Hirten!“, fällt es Florian plötzlich wieder ein. „Genau, die passen immer auf die Schafe auf“, weiß Valton. „Und ein Engel hat die Hirten aufgeweckt“, berichtet Ico weiter. „Er hat den Hirten gesagt, dass Jesus geboren wurde.“ Aber ist so ein Engel nicht auch ein bisschen zum Fürchten? „Natürlich hatten die Hirten Angst. Aber der Engel hat ihnen gesagt, dass sie keine Angst haben müssen“, erzählt Ico, und seine Augen leuchten dabei. Der Vierjährige hat die Weihnachtsgeschichte wie ein Schwamm aufgesogen und sogar nachgespielt.

Aber nicht alle Kinder in der kleinen Frühstücksrunde werden Weihnachten feiern. Das hängt damit zusammen, dass sie einen anderen Glauben haben. Aber es bedeutet nicht, dass sie nicht wüssten, was es mit Weihnachten auf sich hat. Und das ist doch mal gelebte Integration.

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