24 Stunden in Ochtrup Zwei für 59

Ochtrup -

Die Adventsserie „24 Stunden in Ochtrup“ neigt sich ihrem Ende entgegen. Um 22 Uhr hat WN-Mitarbeiterin Irmgard Tappe im Ferdinand-Tigges-Haus vorbeigeschaut und Pfleger Rudi Gabriel eine Stunde lang bei seiner Nachtschicht begleitet.

Von Irmgard Tappe
Rundgang durch die Zimmer: Zwei Mal in jeder Nachtschicht geht Pfleger Rudi Gabriel durch alle Zimmer im Ferdinand-Tigges-Haus und schaut nach dem Rechten.
Rundgang durch die Zimmer: Zwei Mal in jeder Nachtschicht geht Pfleger Rudi Gabriel durch alle Zimmer im Ferdinand-Tigges-Haus und schaut nach dem Rechten. Foto: Irmgard Tappe

Der erste große Rundgang ist abgeschlossen. Die Bewohner haben ihre Medikamente für die Nacht bekommen. Und wo erforderlich, hat Rudi Gabriel den Blutzucker der Diabetiker noch einmal kontrolliert. Auch der Lagerungswechsel jener Bewohner, die bettlägerig sind, zählt zu den wichtigen Aufgaben.

Um 20 Uhr hat Gabriel den Nachtdienst im Ferdinand-Tigges-Haus übernommen. „Bei der Übergabe informieren uns die Pflegefachkräfte der Spätschicht über alle wichtigen Dinge bezüglich der Bewohner“, erklärt er. Die ersten zwei Stunden seiner Nachtschicht sind ohne Zwischenfälle verlaufen. „Hoffen wir mal, dass es so bleibt. Aber das kann sich auch schnell ändern in einem Pflegeheim“, weiß er aus Erfahrung. Gabriel ist examinierte Pflegefachkraft und ausschließlich im Nachtdienst tätig. Seit dreieinhalb Jahren.

Im Ferdinand-Tigges-Haus sind während der Nacht zwei Pflegefachkräfte für 59 Bewohner verantwortlich. „Das Carl-Sonnenschein-Haus betreuen wir nicht. Die haben ihren eigenen Nachtdienst“, sagt Gabriel und schaut auf die Leuchtzifferanzeige im Korridor. Die hat er immer im Blick. „Wenn von unseren Bewohnern jemand klingelt“, erklärt er, „wird die entsprechende Zimmernummer auf allen Stationen angezeigt.“

In diesem Moment öffnet eine Bewohnerin leise ihre Zimmertür. Auf den Rollator gestützt, geht sie den hell erleuchteten Gang entlang. Auf einem der Stühle lässt sie sich nieder. „Guten Abend“, begrüßt Gabriel die Dame mit Namen und setzt sich zu ihr. „Ich glaube, ich bringe Sie jetzt wieder zurück in Ihr Zimmer“, meint er nach einer Weile.

„Viele unserer Bewohner, die an Demenz erkrankt sind, haben einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Oft leben sie in der Vergangenheit. Einige möchten zum Beispiel zu ihren Eltern“, erzählt der Pfleger. In solchen Fällen redet er leise und mit beruhigender Stimme mit den Betroffenen.

Kurze Zeit später meldet sich eine andere Bewohnerin. Sie fragt nach der Uhrzeit und erfährt, dass es erst „halb elf abends“ ist. „Später noch nicht? Ich dachte, ich könnte schon bald aufstehen. Ich kann mal wieder nicht schlafen“, ist sie enttäuscht. Gabriel nimmt sich Zeit für einen abendlichen Plausch mit der Frau. Er schätzt diese kleinen Gespräche mit den Bewohnern. „Wenn keine besonderen Vorkommnisse anfallen, hat man dazu im Nachtdienst mehr Zeit als am Tage“, bemerkt er.

Nicht immer sei es zwischen 22 und 23 Uhr allerdings so entspannt wie an diesem Abend. Bis auf gelegentliche Schlafprobleme einiger Bewohner liegt nichts an. „Um Mitternacht machen wir dann unseren zweiten großen Rundgang durch alle Zimmer“, sagt Gabriel. Wie ist das Befinden? Steht ein Toilettengang an? Muss die Vorlage gewechselt werden? All das kontrollieren Pflegefachkräfte in der Nacht. Jeder Handgriff wird dokumentiert und beim Schichtwechsel um sechs Uhr morgens besprochen.

Gabriel liebt seinen Beruf. Für ihn ist das Berufung. Er respektiert die alten Menschen, die in dem Pflegeheim ihren Lebensabend verbringen. Jeder dieser Bewohner hat eine eigene Geschichte, eine eigene Biografie.

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