Gerätewart der Freiwilligen Feuerwehr Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz

Ochtrup -

Der Einsatz ist beendet – und dann? Was alles getan werden muss, um die Gerätschaften und Hilfsmittel der Freiwilligen Feuerwehr bereit für den nächsten Alarm zu machen, erzählt Stefan Nienhues. Mit Eimern, einer Leiter und Wasser ist es längst nicht getan.

Von Martin Fahlbusch
Sämtliche Gerätschaften und Hilfsmittel der Freiwilligen Feuerwehr müssen nach einem Einsatz überprüft, gereinigt und gegebenenfalls repariert werden.
Sämtliche Gerätschaften und Hilfsmittel der Freiwilligen Feuerwehr müssen nach einem Einsatz überprüft, gereinigt und gegebenenfalls repariert werden. Foto: Lynn Meckmann

Der Spruch stammt eigentlich von Sepp Herberger, dem legendären Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft, ist leicht abgewandelt, trifft aber für die Freiwillige Feuerwehr Och­trup, nein eigentlich für alle Rettungskräfte zu: „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.“

Der, der diesen Spruch im Gespräch mit unserer Zeitung benutzt, ist Stefan Nienhues .

Stefan Nienhues. Foto: Martin Fahlbusch

Der Brandschutztechniker der Stadt Ochtrup könnte eigentlich im Feuerwehrgerätehaus am Westwall einziehen. „Na ja, ganz so schlimm ist es zum Glück noch nicht, aber man muss einfach wissen, dass man nur helfen kann, wenn die Hilfsmittel auch einsatztauglich sind“, mildert er die Wohnungsfrage schmunzelnd und zugleich nachdenklich ab. Aber mit Eimern, einer Leiter und Wasser sei es eben schon lange nicht mehr getan, weiß auch sein Kollege Frank Piel , der Gerätewart Nienhues bestimmte Aufgaben abnimmt, wie beispielsweise die Kon­trolle und Pflege der Einsatzuniformen sowie der Gerätschaften für den Atemschutzbereich und einiges mehr.

Der Bereich der Kontrolle, Pflege, Reparatur und Wiederbeschaffung von Hilfsmitteln, die jeder Feuerwehr mann, also alle Mitglieder der vier Ochtruper Löschzüge, benötigen, sei von der Menge und Fachlichkeit so groß geworden, dass alle Kollegen, die hauptamtlich bei der Stadt Ochtrup für das Feuerwehr- und Rettungswesen angestellt sind – vor allem auf der Rettungswache – Aufgaben mitbetreuen. „Ich alleine schaffe das wirklich nicht“, erläutert der Nienhues.

Sichtprüfung ist verpflichtend

Kommen die Rettungskräfte nach einem Einsatz ins Gerätehaus zurück, geht es für sie – egal zu welcher Uhrzeit – längst noch nicht nach Hause. „Jeder muss eine sogenannte Sichtprüfung seiner gesamten Ausrüstung durchführen“, erklärt Nienhues das Prozedere. Das bedeutet: Sämtliche Schläuche und Atemschutzgeräte sowie weitere Hilfsmittel gilt es, für den Austausch und die weitere Aufarbeitung zusammenzupacken und etwaige Mängel an Fahrzeugen und technischen Geräten aufzunehmen. Das, was dadurch auf den Einsatzwagen fehlt, muss ersetzt und für die weiteren Abläufe gemeldet werden.

„Was ich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr“, Nienhues ist Hauptbrandmeister, „nicht direkt bei einem Einsatz in diesem Bereich mitbekommen habe, wird schriftlich fixiert. Ich erhalte dann die Meldungen und kümmere mich in meinem normalen Dienst darum, dass beispielsweise benutzte Schläuche zur feuerwehrtechnischen Zentrale an der Hauptwache in Steinfurt gebracht und da überprüft und wieder einsatzbereit gemacht werden“, berichtet Nienhues.

„Berg von Vorschriften“

Bevor er sich ins Reich der Brände und Einsätze gewagt hat, absolvierte er bei der Firma Steingrobe eine Ausbildung zum Landmaschinentechniker. „Das war ein echt vernünftiges Fundament, aber viele Anforderungen musste ich mir zusätzlich über Lehrgänge und Fortbildungen aneignen, und ganz bestimmte Arbeiten und Wartungen können nur externe Fachfirmen machen“, weiß Nienhues. Sagt es und führt den Besuch von der Zeitung zwei Hallen weiter, wo ein Notstromaggregat auf einem Feuerwehrwagen steht. „Das wurde heute Morgen von Fachleuten durchgesehen. Da gibt es bestimmte Kontrollintervalle und hier wie anderswo einen Berg von Vorschriften“, sagt er leicht gequält.

„Irgendwie sind das Leben in der Feuerwehr und die Regelung der notwendigen Abläufe und Aufgaben wie in einer Behörde. Neben einer kleinen Werkstatt sitze ich viele Stunden oben im Büro“, seufzt der Brandschutztechniker. Beim nächsten Besuch verspricht er, noch seine anderen Aufgaben zu erläutern: vorbeugender Brandschutz und Brandschutzerziehung – beispielsweise in Kindergärten und Schulklassen.

„Aber du vergisst nicht, dass ich heute Abend wieder ein Fitnesstraining für die Kameraden in der Sporthalle anbiete“, erinnert ihn Frank Piel. Er macht das übrigens freiwillig. Alles gemäß der Losung: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz – und auch die eigene Fitness muss gewartet werden.

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