Namensänderungen Wann in Deutschland ein Name geändert werden darf

Ochtrup -

Mit Namensänderungen beschäftigt sich die Ochtruper Standesbeamtin Annette Schulte-Albert hauptsächlich bei Eheschließungen. Dass jemand kommt und seinen Namen aus einem anderen Grund ändern möchte, kommt sehr selten vor. Und anders als bei einer Heirat muss für die Änderung dann auch ein triftiger Grund vorliegen.

Von Anne Steven
Im Standesamt Ochtrup haben die Mitarbeiter meistens nur mit Namensänderungen im Zuge einer Eheschließung zu tun.
Im Standesamt Ochtrup haben die Mitarbeiter meistens nur mit Namensänderungen im Zuge einer Eheschließung zu tun. Foto: Anne Steven

„Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, im Märchen der Gebrüder Grimm muss die Königstochter den Namen des kleinen Männchens erraten, das ihr half, Stroh zu Gold zu spinnen. In der Realität hat die Namensgebung wenig mit Raten zu tun. Denn die deutsche Rechtsgebung ist – zumindest was die Familiennamen angeht – recht eindeutig.

„Bis zum 30. Juni 1958 haben Frauen bei einer Heirat automatisch den Namen ihres Ehemannes angenommen“, berichtet Standesbeamtin Annette Schulte-Albert . Ab dem 1. Juli des gleichen Jahres habe es dann die Regelung gegeben, dass Frauen ihren – wie es damals hieß – Mädchennamen dem Namen ihres Ehemannes hinzuzufügen können. Fast 20 Jahre später, wir schreiben mittlerweile das Jahr 1976, sei es Frauen schließlich erlaubt worden, ihren Geburtsnamen dem des Ehepartners voranzustellen. Und erst seit dem Jahr 1994 müsse bei einer Eheschließung kein Familienname mehr bestimmt werden. „Die meisten entscheiden sich aber für einen Ehenamen – und auch überwiegend für den des Mannes“, berichtet Annette Schulte-Albert mit einem Schmunzeln.

Neuer Vorname, neues Leben: Immer mehr Münsteraner ändern ihren Vornamen. Hintergrund sind entweder psychische Probleme – oder Hänseleien, berichtet das Standesamt Münster.

Nur ein Partner darf einen Doppelnamen führen

Der Wunsch, beide Geburtsnamen der Ehepartner zu einem gemeinsamen Familiennamen mit Bindestrich zusammenzufügen, wird bei der Standesbeamtin oft vorgetragen. Aber: „Das geht nicht“, betont Annette Schulte-Albert. Nur ein Partner darf einen Doppelnamen führen. „Das Bundesverfassungsgericht hat sich damit schon beschäftigt, aber es bisher nicht erlaubt“, stellt sie klar. Soweit die deutsche Rechtsprechung.

Was zu beachten ist:

Obacht ist allerdings geboten, wenn deutsche Staatsbürger die Ehe mit Ausländern eingehen. So kennen beispielsweise die Niederlande und Italien keinen Ehe- oder Familiennamen. „Das heißt, würde beispielsweise eine Niederländerin hier bei uns einen deutschen Mann heiraten und seinen Namen annehmen, würde in ihrem Pass weiterhin ihr Geburtsname stehen“, erklärt Annette Schulte-Albert das Prinzip, dass im Amtsdeutsch übrigens „hinkende Namensführung“ genannt wird. Ein anderes Beispiel: In der Türkei nehmen Frauen kraft Gesetzes bei einer Heirat den Namen des Ehemannes an. Im türkischen Pass würde dies entsprechend vermerkt – unabhängig davon, für welchen Namen sich das Paar bei der Eheschließung in Deutschland entschieden hat.

Mit Namensänderungen hat Standesbeamtin Annette Schulte-Albert von Berufwegen zu tun. Foto: Anne Steven

Regelungen bei Kindern

Kinder erhalten in Deutschland immer den Familiennamen. Werde dieser bei der Heirat nicht festgelegt, müsse sich das Paar für einen Namen entscheiden, sagt die Standesbeamtin. Die Möglichkeit, beim ersten Kind den Namen der Mutter und beim zweiten den des Vaters zu nehmen, gebe es nicht. „So was machen wir nicht“, betont sie. Seien die Eltern nicht verheiratet, teilten sich aber das Sorgerecht für das Kind und habe der Mann die Vaterschaft anerkannt, sei der Nachname frei wählbar.

Möglichkeiten nach einer Scheidung

Bei einer Scheidung dürfen die geschiedenen Eheleute zu ihren Geburtsnamen zurückkehren. Ist es bereits die zweite Ehe, die geschieden wurde, besteht zudem die Möglichkeit, den Familiennamen der vorherigen Ehe wiederanzunehmen. „Bei Kindern ist das allerdings nicht so einfach“, erklärt Annette Schulze-Albert.

Auch bei der sogenannten Einbenennung muss das Einverständnis aller Beteiligten vorliegen. Heiratet beispielsweise eine geschiedene Frau erneut, kann das Kind aus erster Ehe, das im gemeinsamen Haushalt lebt, den neuen Familiennamen annehmen. „Der Papa bleibt natürlich der Papa. Das hat nichts mit Adoption zu tun“, stellt die Standesbeamtin klar. Sowohl die Eltern des Kindes als auch der neue Ehepartner und auch das Kind – sofern es älter als fünf Jahre ist – müssen dazu aber ihr Einverständnis geben.

Wann Namensänderungen in Deutschland sonst noch möglich sind

Doch auch wer nicht heiratet oder sich scheiden lässt, hat die Möglichkeit, seinen Namen ändern zu lassen. „So ohne Weiteres geht das allerdings nicht. Da muss schon ein triftiger Grund vorliegen“, betont Annette Schulte-Albert. Sie ist seit 2014 Standesbeamtin. „Ich habe es noch nicht gehabt“, berichtet sie. Grundsätzlich müsse aber bei solch einem Antrag auf Namensänderung besagter triftiger Grund nachgewiesen werden. Dies könne beispielsweise über ein ärztliches Attest geschehen.

Ein absolut triftiger Grund für eine Namensänderung sei eine Geschlechtsunwandlung. Dann müsse auch im Geburtenregister das neue Geschlecht angegeben werden. „In Ochtrup hatte ich das bisher aber nur ein einziges Mal“, erzählt die Standesbeamtin.

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