Prozess am Landgericht
Drogensendungen als DVD getarnt

Münster/Nordwalde/Greven -

Über das sogenannte „Darknet“ hat eine rund 20-köpfige Gruppe Drogen verkauft. Zur Tarnung wurden die Betäubungsmittel in leeren DVD-Hüllen verschickt.

Dienstag, 06.02.2018, 15:02 Uhr

Prozess am Landgericht: Drogensendungen als DVD getarnt
Einem 24-jährigen Mann aus Steinfurt wird vorgeworfen, Teil eines höchst professionell agierenden Drogenhändler-Netzwerks in Greven und Nordwalde gewesen zu sein. Foto: dpa

Ein weiteres Verfahren im „Darknet“-Prozess wurde am vergangenen Freitag vor dem Landgericht Münster eingeleitet. Einem 24-jährigen Mann aus Steinfurt wird vorgeworfen, Teil eines höchst professionell agierenden Drogenhändler-Netzwerks in Greven und Nordwalde gewesen zu sein. Bei der Prozessfortsetzung am Dienstag wurden Details des Drogen-Versandhandels bekannt.

Die 20-köpfige Gruppe vertrieb Betäubungsmittel über das sogenannte „Darknet“, ein anonymer, rechtsfreier Raum im Internet, der oft als Marktplatz für illegale Waren genutzt wird.

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Bereits mehrjährige Haftstrafen

Fünf Mitglieder der Gruppe sind bereits zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der 24-jährige Angeklagte soll innerhalb des Netzwerks vor allem für das Verpacken und den Versand der Drogen verantwortlich gewesen sein.

In unbewohnten „Bunkerwohnungen“ in Greven und Nordwalde wurden die Drogen zwischengelagert und für den Versand abgepackt. Dabei trugen die Mitarbeiter Schutzanzüge, Mundschutze, Haarnetze und Einmalhandschuhe, um an den Verpackungsmaterialien keine DNA-Spuren zu hinterlassen.

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Koffein statt LSD verschickt

195 beschlagnahmte Briefsendungen wurden im Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Münster (UKM) analysiert. Dabei stellte sich heraus: Die Darknet-Händler handelten mit den verschiedensten Arten von Drogen, darunter Ecstasy, LSD, MDMA-Kristalle, Amphetamin, Cannabis, Kokain und Crack.

Allerdings verschickten sie auch Fälschungen, stellten die forensischen Toxikologen fest. So befand sich auf 100 beschlagnahmten Papier-Trips nicht, wie vermutet LSD, sondern bloß Koffein.

Müllsäcke voller Adressetiketten

Zur Tarnung wurden die Betäubungsmittel in leeren DVD-Hüllen verschickt. Mehrere Hundert dieser Hüllen wurden in der Wohnung des Angeklagten sichergestellt. Außerdem Verpackungsmaterialien, wie Versandtaschen und Luftpolsterfolie, sowie mehrere Vakuumiermaschinen zum Einschweißen der DVDs.

Aufschlussreich waren mehrere Müllsäcke mit den Rückseiten von Adressetiketten, auf denen die jeweilige Droge mit Mengenangabe notiert war. Die über 1700 sichergestellten und ausgewerteten Etiketten-Rückseiten geben Aufschluss über den florierenden Versandhandel der Internet-Dealer.

Urteil am 2. März erwartet

Nach der Festnahme zweier Bandenmitglieder soll der Angeklagte im Februar 2016 in den Niederlanden untergetaucht sein, bevor er sich schließlich im Juni 2017 bei der Polizei in Deutschland stellte.

Der Prozess wird am 28. Februar Ende des Monats fortgesetzt. Die Urteilsverkündung wird bei der Verhandlung vorraussichtlich am 2. März erwartet.

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