Silvester Böller machen Bello bange

Nordwalde -

Feuerwerk gehört zu Silvester dazu. Doch für Hund, Katze und Co. ist die Knallerei der Graus. Im letzten Jahr starb in Nordwalde sogar ein Pferd durch den Lärm um Mitternacht.

Von Pjer Biederstädt
Ohren zu an Silvester: Niemals hat der Reporter daran geglaubt, dass seine fixe Foto-Idee wirklich klappen könnte. Aber Hündin Asta legt tatsächlich – mit gutem Zureden von Birgit Laubrock – für das Symbolfoto ihre Pfote aufs Ohr. Aus Dankbarkeit für die tierische Model-Leistung, verdrängt der Reporter sogar kurz seine Tierhaarallergie und streichelt Asta.
Ohren zu an Silvester: Niemals hat der Reporter daran geglaubt, dass seine fixe Foto-Idee wirklich klappen könnte. Aber Hündin Asta legt tatsächlich – mit gutem Zureden von Birgit Laubrock – für das Symbolfoto ihre Pfote aufs Ohr. Aus Dankbarkeit für die tierische Model-Leistung, verdrängt der Reporter sogar kurz seine Tierhaarallergie und streichelt Asta. Foto: Pjer Biederstädt

Franz Lürwer erinnert sich nur ungern an das letzte Silvesterfest. Eines seiner Pferde hat sich Ende 2016 durch die Knallerei zum Jahreswechsel so aufgeregt, dass das Herz stehen blieb. „Das Pferd ist verendet. Es war nass geschwitzt und völlig außer sich wegen des Lärms. Es ist dann in meinem Beisein zusammengesackt“, erinnert sich der Nordwalder Pferdehändler an den „tragischen Moment“. Er appelliert an die Feiernden des Fürstengrundes, an den sein Grundstück grenzt, ein wenig Rücksicht zu nehmen.

Die halbe Stunde nach Mitternacht sei gar nicht so schlimm. „Aber die Schüsse vor und nach Silvester sind für die hochsensiblen Pferde anstrengend“, erklärt Franz Lürwer. Dem kann Birgit Laubrock voll und ganz zustimmen. „Auch Hunde sind nicht darauf vorbereitet, dass es plötzlich laut wird“, sagt die Vorsitzende des Vereins „DVG HundArt“.

Rund um Silvester gilt: Hunde an die Leine!

Sie nimmt ihre drei Hunde bei Spaziergängen nach dem Start des Böllerverkaufs immer an die Leine. „Das rate ich allen Hundebesitzern dringend. Denn durch einen unerwarteten Böllerschuss aufgeschreckt, rennt der Hund davon. In Panik hört er auch nicht mehr auf die Kommandos vertrauter Personen“, erklärt Birgit Lau­brock. Sie kennt einige Leute, denen so ihr Hund abhanden gekommen ist.

Für Silvester sind Birgit und ihr Mann Andreas Laubrock gut gerüstet. Sie wollen ihren drei Hunden trotz Lärmbelästigung einen entspannten Abend ermöglichen. Das temperamentvolle Kerlchen Jerry lässt sich so schnell nicht aus der Unruhe bringen, die gemütliche Asta ist nur mittelmäßig begeistert von der Knallerei und Isi fürchtet und verkriecht sich. „Die hyperventiliert richtig und hat panische Angst“, erzählt Birgit Laubrock.

Birgit Laubrock mit ihren Hunden Isi, Asta und Jerry. Foto: Pjer Biederstädt

Sie hat jedoch ein gutes Mittel gefunden, um den Stress für die drei Hunde zu verringern. Jedes Jahr ab Oktober geht sie regelmäßig mit allen drei Hunden zu Katja Gehlken nach Emsdetten. Sie bietet unter anderem Tierakupunktur an. „Das hilft unseren Hunden sehr, um am Silvestertag ruhiger zu sein“, sagt Birgit Laubrock, die diese Variante der Vorsorge einer Medikamentierung vorzieht.

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Krach ist belastend:  Wildtiere mögen keine Silvester-Böller

Drei gängigen Tipps von Tierärzten folgt auch die Nordwalder Hunde-Expertin: Birgit Laubrock lässt ihre Tiere nicht allein um Mitternacht, schafft eine bekannte Geräuschkulisse und macht am Vormittag einen ausgiebigen Spaziergang. „Wir gehen drei Stunden durch die ruhige Landschaft. Die Hunde sind dann wenigstens körperlich schon einmal ausgepowert und ein bisschen ruhiger“, so Birgit Laubrock. Silvester feiern sie im Hause Laubrock trotzdem. Man habe zwar die Tiere, und dass es für sie schwierig ist, im Hinterkopf, aber bei Raclette genießen sie trotzdem den Abend.

Drei Fragen an Melanie Martensen, Tiermedizinische Fachangestellte in der Kleintierpraxis Dr. Schürfeld

Für welche Haustiere ist der Lärm, verursacht durch Silvesterfeuerwerk, ein Problem?

Melanie Martensen: Im Grunde für alle Haustiere. Sicher sind einige mehr betroffen als andere. Wie viel der Fisch im Aquarium davon mitbekommt, vermag ich nicht zu sagen. Aber für Hunde und Katzen sind die Silvesterknaller definitiv problematisch. Und das gilt nicht nur für Haustiere. Auch Wildtiere werden aufgeschreckt und können so beispielsweise Autounfälle verursachen.

Was geschieht mit den Tieren, wenn es zum Jahreswechsel laut knallt?

Martensen: Für die Tiere ist es eine große akustische Belastung. Sie werden unruhig, brechen in Panik aus und können Traumata erleiden.

Was raten Sie Tierhaltern für die Silvesternacht?

Martensen: Man sollte bei den Tieren bleiben und ihnen beistehen. Zusammen mit dem Tier sollte man in einen möglichst gut schallisolierten Raum, etwa in den Keller, gehen. Dort kann man durch ein Radio oder einen Fernseher die gewohnte Geräuschkulisse schaffen. Im Zweifel kann man sogar Medikamente verabreichen, die das Tier beruhigen. Die optimale Lösung: Wegfahren an einen Ort, wo nicht geknallt werden darf. Silvester ist ein ernstes Problem. Je weniger Böller, desto besser für die Tiere.

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