Chrome Metal Tigers begeistern Nordwalde Fünfstündiger Musik-Marathon

Nordwalde -

Also, wenn tatsächlich eine Top-Band der 80er Jahre mit Namen Chrome Metal Tigers in diesen Tagen ihre Reunion gefeiert hätte, sie hätte es genauso gemacht wie die verrückten Sechs, die am Samstagabend dieser Legende auf der Bühne der KvG-Schule aber so was von Leben einhauchten.

Von Axel Roll
Super-Show: Die Chrome Metal Tigers bei ihrem Auftritt in Nordwalde.
Super-Show: Die Chrome Metal Tigers bei ihrem Auftritt in Nordwalde. Foto: Axel Roll

Das Einzige, was die echten Superstars vielleicht anders gemacht hätten: Sie hätten den für den elektrisch fallenden Vorhang verantwortlichen Techniker vor die Tür gesetzt. Das schwarze Tuch wollte zum Intro der Tigers nämlich partout nicht den Blick auf die frenetisch bejubelten Perückenträger freigeben. Frontman „Crazy Doc“ Jochen Veit zappelte derweil oben unter der Hallendecke neben dem Basketballkorb und wartete in seinem illuminierten Bühnendress auf den Abstieg. Da die Tigers und ihr Publikum den ganzen Abend aber als Riesen-Spaß verstanden, nahm keiner diese kleine Panne ernst – und der ehrenamtliche Helfer durfte selbstverständlich bleiben. Bis zum Ende der After-Show-Party.

Die echten Chrome Metal Tigers wären stolz

Gogo-Girls, tanzende Eishockey-Maskottchen, ein über die Publikumsköpfe hinweg surfendes Schlauchboot mit dem Sänger am Paddel, Fledermausblut – natürlich künstliches – eine Zwangsjacke, Riesen-Luftballons, Knicklichter, Luftgitarren-Wettbewerb – und drei Bands im Vorprogramm, die jede für sich schon die Halle gefüllt hätte. Es war ein Abend, der, wie gesagt, den echten Chrome Metal Tigers zur Ehre gereicht hätte. Und das ganze Spektakel, das die Premiere vor drei Jahren noch einmal deutlich getoppt hat, dient dazu noch einem guten Zweck. Bravo.

Fünfstündiger Musik-Marathon

Applaus gab es nicht nur reichlich aus dem Hallenrund. Die Profi-Kollegen der Zwillinge aus Münster, den Rock‘n‘Rollern von Boppin‘B und auch Gil Ofarim zollten den Tigers höchsten Respekt. „Super, super, super“, zeigte sich Ofarim nach dem fünfstündigen Musik-Marathon begeistert. „Wenn man bedenkt, was das Ganze für eine Wahnsinns-Vorbereitung benötigt, kann ich nur den Hut ziehen“, so der international anerkannte Star.

Gerd Bracht von den münsterischen Zwillingen sah über den ganzen Abend hinweg eine „permanente Steigerung“. Und Jochen Veit als treibende Kraft hinter der CMT-Legende ließ direkt nach dem Gang von der Bühne Raum für Interpretationen. „Sag niemals nie“, antwortete er auf die Frage, ob die Chrome Metal Tigers in Zukunft noch einmal ihre Leggins samt Cowboystiefel überziehen. Allerdings sind sich Gerrit und Björn Eilert, Martin Weide, Matthias Rohlmann sowie Mike Laumann mit ihrem Sänger einig: Nach dem Samstagabend noch einen draufzulegen, das ist mit privater Initiative nicht zu schaffen.

Die verrückten Sechs

Wie gesagt, das dramaturgisch perfekt ausgeklügelte Programm traf offensichtlich den Geschmack der über 1000 Fans. Gerd und Ritchie Bracht legten mit ihrem witzigen Deutschrock den Grundstein, auf dem Boppin‘B mit einer atemberaubenden Rock‘n‘Roll-Show mühelos aufbauen konnten. Gil Ofarim und Stefan Maier begeisterten mit ihrer ersten gemeinsamen Unplugged-Session besonders die Damenwelt.

Dann wurde es ernst. Anfangs zitierter schwarzer Vorhang wurde hochgezogen. Die verrückten Sechs enterten die Bühne, der mit einer Menge Selbstironie angereicherte Wahnsinn nahm seinen Lauf.

Musikalisch lieferten die Chrome Metal Tigers ab, was das Publikum von einer 80er-Band erwartet. Alice Cooper, Europe, Status Quo – das volle Brett. Inklusive eines überlangen Intros. Da wären wir aber schon wieder bei dem klemmenden Vorhang. Schwamm drüber.

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