Entwicklungszusammenarbeit Indien ein Stück sauberer machen

Bangalore/Metelen -

Ein Jahr lebt und arbeitet Johanna Buss nahe der indischen Großstadt Bangalore. Sie engagiert sich dort im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit in einem Projekt für die Abwasserreinigung. Die Metelenerin berichtet über ihren Alltag auf dem Subkontinent.

Von Johanna Buss
Indien hat viele Gesichter: Nicht allzu weit von Bangalore entfernt wird Tee angebaut und von Hand gepflückt, und kurz nach Ankunft der Metelenerin wurde das Lichterfest Divali gefeiert. Doch auch die Entsorgung der Fäkalien ist alltäglicher Anblick: Die sogenannten „Honeysuckers in Devanahalli transportieren den Fäkalschlamm der Haushalte zur Behandlungsanlage.
Indien hat viele Gesichter: Nicht allzu weit von Bangalore entfernt wird Tee angebaut und von Hand gepflückt, und kurz nach Ankunft der Metelenerin wurde das Lichterfest Divali gefeiert. Doch auch die Entsorgung der Fäkalien ist alltäglicher Anblick: Die sogenannten „Honeysuckers in Devanahalli transportieren den Fäkalschlamm der Haushalte zur Behandlungsanlage. Foto: Buss

Seit zehn Jahren gibt es das „Weltwärts“-Programm, das vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaft-liche Zusammenarbeit ( BMZ ) ins Leben gerufen wurde. Es ermöglicht jungen Erwachsenen, für ein Jahr in der Entwicklungszusammenarbeit mitzuwirken und dabei interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Die Metelenerin Johanna Buss ist im Rahmen dieses Programms aktuell in Indien und berichtet von dort:

„Vieles von dem, wofür Indien weltweit bekannt ist, sehe ich seit zwei Monaten jeden Tag auf dem Weg ins Büro – scharfes Essen, bunte Saris und viele Menschen im Gewirr der Großstadt. Doch Indien ist noch weit mehr als das. Es ist die Vielfalt an meist vegetarischen Gerichten auf den Speisekarten der Restaurants, die Stille, die abseits der großen Städte in der Natur herrscht und die Variationen an Gerüchen, Farben und Geräuschen.

Ich habe mein Quartier am Stadtrand der IT-Metropole Bangalore im Stadtteil Kengeri bezogen. Auf den Marktständen dort gibt es allerlei frische Früchte und Gemüse, das ich noch nie zuvor gesehen, geschweige denn gegessen habe. Frauen tragen farbenfrohe Saris und Kurtas. Männer tragen Schnurrbart. Die Mopeds, Tuk-Tuks, Autos und Lastwagen hupen um die Wette und Hunde und Kühe laufen durch die Straßen.

Bangalores Innenstadt bildet da, mit den vielen westlichen Geschäften und gläsernen Hochhausfronten an vielen Stellen, den kompletten Gegensatz. Die Vielfalt an Parks und Gärten, die Bangalore einst den Beinamen „Garden City“ gab, sind nur noch an wenigen Stellen zu sehen. Das rasante Wachstum der Stadt auf über zwölf Millionen Einwohner hat der Stadt ihre Gesicht teilweise genommen.

Die Straßen sind verstopft, Seen fangen Feuer, da sie voller Chemikalien sind und die Flüsse und Abwasserkanäle stinken. Überall liegt Müll herum und wird nicht entsorgt, sondern schlichtweg verbrannt. Doch auch die Frischwasserversorgung ist ein Problem, da der Grundwasserspiegel sehr niedrig ist und sauberes Oberflächenwasser aus bis zu 150 Kilometern Entfernung importiert werden muss.

Diese Probleme betreffen nicht nur Bangalore, sondern viele Orte in Indien, doch es gibt durchaus Ansätze, die Situation zu verbessern. Zusammen mit vier anderen deutschen Freiwilligen des Weltwärts-Programms arbeite ich in den kommenden Monaten für die CDD Society, eineOrganisation, die sich die Verbesserung der sanitären Versorgung in Indien auf die Fahnen geschrieben hat. Zusammen mit der deutschen Nichtregierungsorganisation ,Borda’ aus Bremen wurden in den vergangenen Jahren schon einige Projekte rund um menschliche Exkremente und deren nachhaltige Verwertung fertiggestellt. Vom Toilettenbau bis hin zu systematischen Müllentsorgung gibt es Projekte.

Da es durch das rasante Wachstum der Städte nur an wenigen Stellen eine funktionierende Kanalisation gibt, bevorzugt CDD vor allem dezentrale Behandlungsmöglichkeiten, die mit wenig Energie und mit einem Minimum an Wartung auskommen. Indien verfügt schließlich prinzipiell über genug finanzielle Ressourcen für Abwasserwerke wie in Deutschland. Meist werden diese jedoch nicht richtig gewartet und können so ihren Zweck nicht erfüllen und sind einfach rausgeschmissenes Geld, das anderswo besser angelegt wäre.

Doch was mache ich bei der ganzen Sache? Ich versuche, mein Wissen in Chemie und dem Labor für die CDD Society zu nutzen, und bin im Forschungs- und Entwicklungsteam derzeit für die Datenauswertung verschiedener Anlagen zuständig. Im neuen Jahr soll ich außerdem noch ein paar kleine Forschungsprojekte rund um Fäkalschlamm durchführen, um die Behandlungsmöglichkeiten noch weiter zu verbessern.

Doch auch interkulturell soll dieses Jahr sowohl für mich und die anderen Freiwilligen als auch für die CDD Society einen Nutzen haben. Wir bekommen die Möglichkeit, die vielseitige Kultur Indiens hautnah zu erleben und wir können dem Weltbild unserer indischen Kollegen vielleicht eine weitere Perspektive hinzufügen. Die Erfahrungen unserer Kollegen aus den vergangenen Jahren zeigen, dass das bisher immer sehr gut funktioniert hat.

Ich bin auf jeden Fall gespannt auf weitere zehn Monate in Indien und hoffe, hier viel zu lernen und einen kleinen Teil zu einem saubereren Indien beitragen zu können. Bis dahin sage ich: ,Matte kamuva – Auf Wiedersehen’.“

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