An der Heckenstraße rumort es gewaltig
Vom Grünland zum Zankapfel

Lienen-Kattenvenne -

Für die Befürworter ist es ein Streifen Land, den man im Sinne der Kattenvenner Ortsentwicklung relativ unkompliziert und zügig ausweisen kann. Für Umweltschützer ist es ein Frevel, dass ausgerechnet dieser Streifen extensiv genutzten Grünlands Anfang 2017 nach zehn Jahren umgebrochen wurde. Und für die Nachbarschaft der Straße Lütke Venn geht es um noch mehr: Sie fühlt sich vom Eigentümer hintergangen und von der Verwaltung im Stich gelassen.

Mittwoch, 14.02.2018, 09:02 Uhr

Noch immer ist gut zu erkennen, dass auf dem ehemaligen Grünstreifen zuletzt Mais gestanden hat. Sollte jetzt Bebauung folgen, befürchten die Anwohner mehr Verkehr und Parkplatzbedarf, als ihr Wohngebiet verkraften kann.
Noch immer ist gut zu erkennen, dass auf dem ehemaligen Grünstreifen zuletzt Mais gestanden hat. Sollte jetzt Bebauung folgen, befürchten die Anwohner mehr Verkehr und Parkplatzbedarf, als ihr Wohngebiet verkraften kann. Foto: Michael Schwakenberg

Wo und warum der Schuh drückt, erfuhren die WN jetzt bei einem Termin vor Ort, zu dem die Eheleute Elke und Dieter Gehrke eingeladen hatten. Eines wurde schnell klar: Der Schuh drückt gewaltig. Aber der Reihe nach.

In ihrem Wohnzimmer mit Weitblick in die Landschaft haben die Gehrkes einen dicken Aktenordner vor sich auf dem Esstisch liegen. Auf Fotos ist zu sehen, wie hinter ihrem Gartenzaun ein Lohnunternehmer mit schwerem Gerät den ehemaligen Grünstreifen samt Gehölzen in Ackerland umwandelt. „All die Jahre hat sich der Eigentümer um nichts gekümmert, haben wir Anwohner zweimal im Jahr gemäht, damit es uns nicht in den Garten wuchert“, berichtet Dieter Gehrke. Und nach der Umbruch-Aktion habe ihm der Eigentümer zunächst versichert, dass keine Bebauung geplant sei. In der Tat: Erstmal wurde Mais gelegt.

Von den Plänen für eine Bebauung sei die Nachbarschaft vom Eigentümer erst am 11. Juli informiert worden – einen Tag nach der Ratssitzung, in der das Thema erstmals öffentlich behandelt wurde. Die Gehrkes haben nicht nur den Brief, sondern auch den Umschlag aufbewahrt, der damals in ihrem Briefkasten steckte. Unter der Adresse steht der Zusatz: „Leider erst heute“.

Die Gehrkes und ihre direkten Nachbarn waren bis dahin immer davon ausgegangen, dass ihr Blick in die Landschaft unverbaubar sei, da das an ihren Garten grenzende Land den Status einer Abstandsfläche zum dahinterliegenden Landschaftsschutzgebiet habe. Dass ihnen dieser Blick bleibt, dafür wären sie auch bereit, Pacht zu zahlen. Gespräche seien ihnen aber nie angeboten worden. Jetzt befürchten sie, dass ihnen schlimmstenfalls vier Doppelhäuser samt Zuwegung vor die Nase gesetzt werden. Auch von einer geplanten Praxis haben sie etwas gehört. „Vier Doppelhäuser würden acht Wohneinheiten und 16 Stellplätze bedeuten. Und wo sollen Besucher parken? Schon jetzt ist hier meistens alles voll“, sagt Elke Gehrke.

Dass sie mit ihren Bedenken nicht alleine dastehen, haben die Eheleute mit einer Unterschriftenliste bewiesen, in die sich 70 Kattenvenner eingetragen haben. Dieter Gehrke: „Dafür brauchte ich nicht einmal groß Werbung machen.“

Hoffnung setzten die Anwohner zwischenzeitlich in die Ankündigung der Gemeinde, dass mitten im Ort ein Eigentümer Verkaufsabsichten habe und dort bis zu 20 Bauplätze entstehen könnten. Und da Bürgermeister Arne Strietelmeier persönlich die Entwicklung des Innenbereiches favorisiert, wundern sich die Gehrkes nun, dass in Sachen Heckenstraße die Beschlussempfehlung der Verwaltung an den Rat dennoch positiv ausfällt. Auf Nachfrage der WN stellt der Verwaltungschef klar: „An dem Antrag der Eigentümer ist aus unserer Sicht rechtlich nichts zu beanstanden. Und die Verwaltung muss einen entsprechenden Beschlussvorschlag abgeben.“ An diesen Vorschlag müsse sich der Rat aber nicht halten. Strietelmeier verweist auch darauf, dass die Verwaltung ganz zu Anfang von einer Bebauung in diesem Bereich abgeraten hatte, der Rat das Verfahren jedoch eröffnet habe.

Auch der neue Bauamtsleiter Sebastian Döring, der das Verfahren von seinen Vorgänger „geerbt“ hat, sieht bei der Verwaltung keine Fehler oder Versäumnisse: „Es gab damals seitens der Bezirksregierung nur eine Empfehlung, dieses Stück Land als Grünstreifen zu belassen.“ Er habe sich erst kürzlich noch einmal Rücksprache mit der Bezirksregierung gehalten, und die habe keine Bedenken bezüglich der aktuellen Pläne für eine Bebauung geäußert.

Was die Parkplatz- und Verkehrssituation betrifft, sieht Döring nicht die Gemeinde in der Verantwortung: „Wir schaffen mit der Bauleitplanung nur den Rahmen. Genehmigungsbehörde für die einzelnen Bauvorhaben ist der Kreis. Der muss bei Bedarf den Nachweis für Stellplätze anfordern.“

Dann ist da noch etwas, das den Gehrkes auf den Nägeln brennt: Sie finden, wenn sich ein Grundeigentümer politisch engagiert, darf das kein Ausschlusskriterium bei der Umwandlung von Acker in Bauland sein. In diesem Fall finden sie es aber erwähnenswert, dass der Antragsteller CDU-Mitglied ist und ausgerechnet die CDU den Antrag von Anfang an so vehement unterstützt hat. „Von denen war keiner bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde und hat sich unsere Bedenken angehört. Für uns hat das Geschmäckle“, sagt Dieter Gehrke. Eine Andeutung, die nicht ohne ist. Aber die Atmosphäre sei eh schon vergiftet. Für die Eheleute steht fest: „Wenn der Antrag durchgeht, dann bleibt uns nur, dagegen zu klagen. Eine andere Chance lässt man uns ja nicht. Eine Bebauung würde uns den Lebensabend jedenfalls reichlich versauen.“

Der Antragsteller und Eigentümer der Fläche war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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