Lienener kommt mit Anzeige nicht durch
Freispruch im vierten Anlauf

Lienen -

Am Ende haben sich die vier Anfahrten aus Selm für den Angeklagten gelohnt. Das Amtsgericht Tecklenburg sprach den 37-Jährigen vom Vorwurf der Unterschlagung frei. Schon vor drei Wochen war er sichtlich genervt gewesen, immer wieder anreisen zu müssen. Notwendig geworden waren insgesamt vier Verhandlungstermine, weil ein Zeuge aus Lienen trotz Ladung und der Verhängung eines Ordnungsgeldes von 600 Euro mehrmals unentschuldigt nicht erschien.

Montag, 05.02.2018, 17:02 Uhr

Aus dem Sitzungssaal erreichte der Richter den Mann vor gut zwei Wochen auf seinem Handy und machte ihm den Ernst der Lage klar. Das wirkte. Am Freitag war der 27-Jährige pünktlich zur Stelle. Er sollte zu den Umständen eines im März 2017 von ihm geplanten Autoverkaufs aussagen. Das Strafverfahren gegen den Mann aus Selm war die Folge einer Anzeige, die der Lienener erstattet hatte, weil der 37-Jährige ihm den für eine Probefahrt überlassenen BMW nicht wie vereinbart am Folgetag zurückgebracht hatte (WN berichteten).

Der Angeklagte konnte das erklären: Da der Wagen kaputt gewesen sei, habe er ihn auf einem Parkplatz in Selm abgestellt. Dort hatte die Polizei ihn später sichergestellt. Mit seiner Lebensgefährtin sei er dann per Zug nach Lienen gefahren, um über den Kaufpreis zu verhandeln und seinen als Pfand hinterlassenen Opel abzuholen. Der Lienener habe sich geweigert, mit dem Paar zu sprechen. Sie hätten den Schlüssel in den Briefkasten geworfen und seien mit ihrem Auto nach Hause gefahren. Die Version bestätigte seine Lebensgefährtin, die am Freitag auch erst mit der zweiten Ladung als Zeugin erschien.

Der Autoverkäufer aus Lienen will sich an das Gespräch nicht erinnern. Er habe nur irgendwann bemerkt, dass der Opel weg war und habe Strafanzeige gestellt, sagte er aus. Er blieb auch bei dieser Version, als der Richter ihn darauf hinwies, dass er die Wahrheit sagen müsse.

Den Autoschlüssel will er erst nach Erstattung der Anzeige im Briefkasten gefunden haben. Zudem beteuert er, mehrmals den Kontakt mit dem Angeklagten gesucht zu haben. Das wiederum bestreitet der Selmer. Vielmehr sei er es gewesen, der immer wieder versucht habe, den Lienener zu erreichen.

Unterschlagung oder Nachlässigkeit? „Im Zweifel für den Angeklagten“ befand der Vertreter der Staatsanwaltschaft und beantragte Freispruch. Der Verteidiger sah in dem Geschehen die „nicht rechtzeitige Rückgabe des Fahrzeugs“, die strafrechtlich keine Relevanz habe. „Es ist alles etwas nebulös geblieben“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung und machte deutlich, dass einer der beiden Zeugen die Unwahrheit gesagt habe. „An falsche Erinnerung glaube ich nicht“, stellte er klar.

Dennoch und trotz der Tatsache, „dass der Anklagevorwurf dem Angeklagten nicht ganz wesensfremd“ sei, sprach er ihn frei. Das Vorstrafenregister des Mannes enthält die stattliche Anzahl von 20 Eintragungen, darunter Diebstahl, Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, räuberische Erpressung, Erschleichen von Leistungen, Betrug und Erwerb von Betäubungsmitteln.

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