Nachtwächter Reinhard Schmitte Auskenner in seinem Heimatort

Lienen -

Er kennt die Gemeinde Lienen, ihre Geschichte und Gegenwart vermutlich wie kaum ein anderer: Reinhard Schmitte. Seit seiner Jugendzeit beschäftigt er sich mit seiner Heimat und weiß viel darüber zu erzählen. Verschiedene örtliche Institutionen und zahlreiche Bürger profitieren davon, wenn sie etwas über die früheren Zeiten erfahren möchten. Warum er so interessiert ist und wie er an seine Informationen kommt, verriet Schmitte im WN-Gespräch.

Von Anne Reinker
Kennt sich aus in der Gemeinde: Reinhard Schmitte interessiert sich schon seit jungen Jahren für seinen Heimatort.
Kennt sich aus in der Gemeinde: Reinhard Schmitte interessiert sich schon seit jungen Jahren für seinen Heimatort. Foto: Anne Reinker

„Wenn die Älteren sich früher unterhielten, hab ich oft zugehört“, erzählte Reinhard Schmitte . „Es wurde immer viel über Lienen und die Bürger gesprochen.“ Schon als junger Erwachsener zeigte der heute 59-Jährige seine Verbundenheit zum Ort. „Der Ursprung dafür lag vielleicht in der Landjugend“, meinte Schmitte. Denn dieser damals noch aktiven Vereinigung trat er in jungen Jahren bei. Ebenfalls dem plattdeutschen Theaterverein, dem er sich seit 1978 widmet und Funktionen als Schauspieler und Kassenwart inne hat. „Man kannte sich und wusste, wo jeder wohnt“, sagte Schmitte. Das Gemeinsame sei stärker präsent gewesen als heute.

Vielen Lienenern ist Reinhard Schmitte sicherlich auch in seiner beruflichen Tätigkeit begegnet. Seit 1980 obliegt ihm hauptamtlich die Verantwortung als Friedhofsgärtner, er pflegt die Anlagen und ist bei Bestattungen tätig. Von den Friedhofsbesuchern erfährt er in Gesprächen auch viel über das aktuelle und frühere Geschehen im Ort. Von einigen Einheimischen bekam er in der Vergangenheit Aufzeichnungen und Schriftstücke, die Hinweise über Ereignisse in früheren Zeiten geben. So manche Information wurde ihm auch schon mal „zugespielt“. „Über die bösen Buben wurde früher alles schriftlich festgehalten“, meinte Schmitte. Leider sei das bei den „ganz normalen braven Bürgern“ nicht so gewesen. „Es würde mich reizen, mehr über die Familien zu erfahren, wie sie früher gelebt haben“, sagte der Heimatverbundene. 

Die Aufzeichnungen helfen ihm auch bei seiner Tätigkeit als Nachtwächter – eine Position, die er seit 2009 in offizieller Mission für die Gemeinde inne hat. Mit dieser Aufgabe verknüpft er lustige und durchaus spannende Erlebnisse. „Viel erzählt hat einmal eine Frauengruppe, die ich geführt habe“, erinnerte sich Schmitte. Als Landdienstmädchen hätten die Frauen in der Kriegszeit auf den Höfen Lienens gearbeitet und konnten so dem Nachtwächter einiges an „Insider-Wissen“ weitergeben.

Was er dann weiterträgt, muss Reinhard Schmitte wohl überlegen, um keinem seiner Mitbürger auf die Füße zu treten. Das könne durchaus schon mal zur Gratwanderung werden, wenn er im Nachhinein keinen Ärger bekommen möchte.

Amüsant dagegen war es, als er einmal von einer größeren Patchwork-Familie engagiert wurde. Aufgrund der großen Hitze seien die zahlreichen Kinder zur Erfrischung in den Dorfteich gesprungen. Oder als er nach einigen seiner humorigen Erzählungen während der Tour durch den Ort von einem wütenden Fußballfan nach Hause gebracht wurde.

Etwas beschaulicher ist es am Sonntag zugegangen, als Reinhard Schmitte bei der traditionellen Silvester-Führung trotz Dauerregens über 30 Interessierte durch den Ortskern leitete. Die genaue Strecke wählt er immer spontan aus, er richtet sich dabei nach dem Gehvermögen der Teilnehmer. Nach dem Start am Haus des Gastes machte sich die Gruppe am Dorfteich entlang zur Sparkasse auf, wo der Nachtwächter Wissenswertes zum Bankwesen weitergab. Der Schulhof gab ihm Anlass, etwas über die Unterrichtsorte Lienens zu berichten. Immerhin wurden in Lienen bereits vier verschiedene Gebäude als Schulstätten genutzt. Einen Stopp legte die Gruppe auch auf dem Thieplatz, der früheren Versammlungsstätte, ein. Auch an seinem Wissen über das Apotheker- und Zahnarztwesen ließ er teilhaben. „Manche Fragen zu den Orten kann ich beantworten, manche nicht“, erklärte Schmitte. Ein Tabu für ihn: Erzählungen über die Gemeinde in der Zeit des Nationalsozialismus. „Das Thema klammere ich total aus“, sagte der Ur-Lienener.

Für das neue Jahr wünscht er sich, „dass die Verantwortlichen in der Gemeinde Lienen häufiger ein offenes Ohr für die Belange der Bürger haben“, sagte er. Und dass nicht alles so bierernst genommen werde. Denn, so Schmitte: „Das Wichtigste im Leben sollte man sich nicht nehmen lassen, nämlich den Humor.“

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