Hexenhäuschen in Lengerich Rachs „Hollo-Bollo-Kneipe“ schließt

Lengerich -

Hollo Bollo – ein Markenzeichen, das in Lengerich und darüber hinaus bekannt ist. Nicht zuletzt durch Restauranttester Christian Rach. Nach seinem Besuch im Hexenhäuschen in der Altstadtpassage 2010 gab es einen echten Hype. Zum 15. Oktober 2017 will Wirt Thomas Windmöller schließen – für immer. Die Nachricht löste erneut einen Hype aus...

Von Mareike Stratmann
Hexenhäuschen in Lengerich: Rachs „Hollo-Bollo-Kneipe“ schließt
2010 löste der Besuch von Restauranttester Christian Rach (r.) einen fast bundesweiten Hype aus. Foto: Detlef Dowidat

Leicht gefallen ist ihm diese Entscheidung nicht. Dafür waren die vergangenen zwölf Jahre zu intensiv und haben ihm „unglaublich viel Spaß“ gemacht. Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen sinkende Umsatzzahlen. Fakt ist: Die Lengericher Kultkneipe, das Hexenhäuschen in der Altstadtpassage, schließt. Am Sonntag, 15. Oktober, dreht Thomas Windmöller dort für immer den Zapfhahn zu.

Und klar, jetzt, da das Ende verkündet ist, komme schon auch etwas Wehmut auf, gibt der Gastwirt zu. Übrigens nicht nur bei ihm: Kaum hatte er das Aus seiner Hexe vor wenigen Tagen in den sozialen Netzwerken publik gemacht, häuften sich die Kommentare, die fast alle den gleichen Tenor hatten: „Donk, Danke für die vielen schönen Stunden.“ „Eine Institution weniger in Lengerich.“ „Unsere Stadt stirbt immer mehr.“ „Da müssen wir vorher unbedingt noch mal hin.“ Allein in den ersten 24 Stunden wurde die Nachricht rund 15.000 mal gelesen und vielfach kommentiert.

Lasagne brachte Restauranttester Rach zur Verzweiflung

Und zwischendurch tauch­te immer auch wieder dieser eine Begriff auf, der Windmöllers Hexe bundesweit bekannt gemacht hatte – die  „Lasi Hollo Bollo“ , die pfundige Kalorienbombe, die den Restauranttester Christian Rach Anfang 2010 zunächst zur Verzweiflung trieb, dem Hexenhäuschen aber dann so etwas wie Kultstatus und in der Folge viele, viele Gäste auch aus der Ferne einbrachte.

Dabei war das Aus des Hexenhäuschens, wie Thomas Windmöller einräumt, eigentlich bereits Ende 2009 besiegelt. Dann kamen Rach und RTL, und es ging steil bergauf. „Eine verrückte Nummer“, wie der Gastwirt zugibt, für den die Kneipe viele Jahre sein zweites Zuhause war.

Hollandaise-Hype im Hexenhäuschen

Aus dieser Zeit gibt es viele Anekdoten zu erzählen. Zum Beispiel die jener Familie aus Süddeutschland, die seit Jahren in jedem Sommer auf dem Rückweg aus dem Dänemark-Urlaub bei ihm einkehrt. Oder jene der drei Sauerländer, die regelmäßig für ein Wochenende nach Lengerich kommen, sich bei Werlemann einmieten, um dann in der Nähe des „Hollo-Schreins“ ein oder zwei Bierchen zu trinken. Und da waren auch die beiden Reisebusse, 90 Eishockey-Fans der Heilbronner Falken, die eines Jahres im Januar bei „Donk“ einkehrten. Und für die er extra die gesamte Passage mit Tischen ausstattete, um der Gästeflut Herr zu werden.

Am 15. Oktober dreht Gastwirt Thomas Windmöller den Zapfhahn im Hexenhäuschen in der Altstadtpassage endgültig zu. Foto: Mareike Stratmann

„Eigentlich müsste man ein Buch drüber schreiben“, sinniert der Ur-Lengericher, als er sich an die ungezählten Dart-Abende, Stammtisch-Treffen, Cliquenausflüge, Junggesellenabschiede und eben die Fernseh-Besuche von Christian Rach oder auch Wigald Boning erinnert. Und doch denkt er heute zwiespältig über den Hollandaise-Hype nach, den der Restaurant-Tester vor sieben Jahren lostrat. „In der Folge wurden wir häufig auf Hollo-Bollo reduziert. Natürlich gab‘s und gibt‘s die auch. Aber wir haben unsere Speisekarte immer weiterentwickelt. Und viele unserer Gäste kommen wegen der Rumpsteaks und den kreativen Burger-Variationen.“ Die „Hollo“ sei mittlerweile „mehr Mythos denn Grundzutat in seiner Hexe“.

Unikum verschwindet

Fünf Wochen sind es noch, bis für viele Lengericher ein Stück „(Jugend-)Erin­ne­rung“ von der Kneipenkarte verschwindet. Windmöllers Familie freut sich, dass der Ehemann und Vater, der sich beruflich neu orientiert und nun familienfreundlichere Arbeitszeiten hat, fortan auch abends und am Wochenende zu Hause ist. Viele Gäste indes werden sie vermissen, die gute, alte Hexe in der fürwahr nicht ganz schmucken Altstadtpassage.

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Es ist kaum zu glauben. Aber seitdem wir das Aus verkündet haben, ist das Reservierungsbuch wieder voll.

Kneipier Thomas Windmöller

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„Es ist kaum zu glauben. Aber seitdem wir das Aus verkündet haben, ist das Reservierungsbuch wieder voll“, sagt der stets gut gelaunte Mann hinterm Tresen, der aber auch schon mal Seelsorger, mal Psychologe oder guter Ratgeber war. Ein Lengericher Unikum. So wie das Hexenhäuschen auch.

Übrigens: Wer sich ein „Stück Hexe“ mit nach Hause nehmen möchte: Am heutigen Samstag ab 9 Uhr veranstaltet Thomas Windmöller einen kleinen Trödelmarkt und verkauft im „Hexen-Biergarten“ ausrangierte Gläser und andere Dekoteile.

Zum Thema

Ab kommender Woche ist das Hexenhäuschen nur noch von donnerstags bis sonntags, jeweils ab 18 Uhr, geöffnet. Der Mittwoch kommt als zusätzlicher Ruhetag hinzu.

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