Eine Traditionsgaststätte verschwindet
Aus für die Laerer Ratsschänke

Laer -

Was viele Bürger in Laer bereits befürchtet haben, bewahrheitet sich: Die Ratsschänke steht vor dem Aus und das Gebäude soll, wie Otto Riedel auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt hat, abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Vor einem „Wohnklotz“ an dieser zentralen Stelle des Dorfes, warnt Ulrike Kluck, die befürchtet, dass Laer zu einer „Schlafstadt“ verkommt.

Donnerstag, 25.01.2018, 19:01 Uhr

Schon seit einiger Zeit ist die Ratsschänke an der Hohen Straße 9 nicht mehr in Betrieb. Diese soll abgerissen werden und einer Wohnbebauung weichen.  
Schon seit einiger Zeit ist die Ratsschänke an der Hohen Straße 9 nicht mehr in Betrieb. Diese soll abgerissen werden und einer Wohnbebauung weichen.  

Die Befürchtung, dass es die Ratsschänke in Laer bald nicht mehr geben wird, bewahrheitet sich. Wie Otto Riedel am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte, soll das Gebäude abgerissen werden. „Da kommt eine Wohnbebauung hin“, bedauerte der bisherige Eigentümer die Entwicklung, die nicht zu verhindern gewesen sei. So habe er alles verkauft, um die Zwangsversteigerung, die für Dienstag beim Amtsgericht Steinfurt terminiert worden war, zu verhindern.

Wie der Rentner weiter berichtete, hätte er 240 000 Euro investieren müssen, um das Wirtshaus zu erhalten. So wären beispielsweise die Isolierung, die Heizung und die Kegelbahn defekt und hätten erneuert werden müssen. Doch das Geld haber er leider nicht.

Dass sein Vater schon sehr viel Geld in die Immobilie investiert hat, erklärte sein Stiefsohn Pero Mikic im Gespräch mit den WN. Schon deswegen gäbe man das Objekt nicht so leicht ab, doch der Aufwand, es zu erhalten, sei einfach zu groß. „Das was wirklich zählt, bleibt auf der Strecke“, bedauerte der Gastronom, der berichtete, dass er sich in Laer sehr wohl gefühlt habe.

Sorgen, dass die Gemeinde Laer durch den Verlust der Ratsschänke zu einer „Schlafstadt“ verkommen könnte, macht sich Ulrike Kluck . Die engagierte Bürgerin, die im Vorstand des Heimatvereins und im Beirat des Dorfmarketingvereins aktiv ist, verfolgt die Entwicklung ihrer Heimatgemeinde schon lange mit regem Interesse.

„Bis jetzt haben wir eine Struktur in Laer, die das Leben für einen Ort mit weniger als 7000 Einwohnern lebenswert macht“, stellt Ulrike Kluck im Gespräch mit dieser Zeitung fest, dass das Angebot mit Geschäften und Gaststätten noch gut sei. Mit dem Aus für die Ratsschänke ginge eine „Ära der Gastlichkeit und der Kommunikation“ zu Ende, bedauert Kluck.

Traurig über die Entwicklung zeigt sich auch die ehemalige Inhaberin und Wirtin Mechthild Lengers, die das Grundstück samt des zweigeschossigen Gebäudes mit seinen mehrseitigen Anbauten vor sieben Jahren an Otto Riedel verkauft hatte. Seine Söhne haben die Gaststätte einige Zeit betrieben, bevor es zum Stillstand gekommen ist.

„Ich habe zum Jahresende 2010 aufgehört“, erinnert sich die frühere Wirtin, der dieser Schritt schwer gefallen ist. „Das war mein Leben“, räumt die Gastronomin ein, die jetzt mehr Zeit für ihre vier Enkelkinder hat.

Zuvor hatte sich Mechthild Lengers fast 40 Jahre lang mit Leib und Seele ihren Gästen verschrieben, die die Ratsschänke als beliebten Treffpunkt geschätzt haben. Für viele Bürger habe diese lange Zeit als das „Herzstück von Laer“ gegolten, so die frühere Hausherrin.

Vor einem weiteren „Wohnklotz“ an dieser zentralen Stelle des Ortes warnt Ulrike Kluck. An vielen Stellen im Dorf gäbe es diese bereits. Sie verbesserten zwar das Wohnangebot und brächten gute Mieteinnahmen, drohten aber die Entwicklung Laers zur „bloßen Schlafstadt“ zu beschleunigten, gibt Ulrike Kluck zu bedenken., dass nicht nur die Optik der Gemeinde leide.

Bedauerlich, dass es auf Dauer eine Gaststätte weniger vor Ort gibt, findet es auch der Geschäftsführer des Dorfmarketingvereins. Doch gegen diese Entwicklung sei man als Gemeinde machtlos, meint Gerrit Thiemann auf Anfrage dieser Zeitung. Schließlich müsse sich eine solche Einrichtung auch rechnen weiß er, dass es viele Überlegungen und Versuche des Eigentümers gegeben hat, die Ratsschänke als Gaststätte zu erhalten.

„Wir als Politiker sollten Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinde nehmen“, meint Elke Schuchtmann-Fehmer. Immerhin gehe es um den Mittelpunkt des Dorfes. Die Grüne Ratsfrau hatte die Ratsschänke noch unter der Bürgermeisterschaft von Deltev Prange als mögliches Begegnungszen­trum für die Bürger von Laer vorgeschlagen, dass mit Mitteln aus dem Leader-Programm hätte gefördert werden können. Auch damals war die Gaststätte wie heute außer Betrieb.

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