Ein alter Bekannter
Chronogramme sind seine Leidenschaft

Laer/Ochtrup -

Bei vielen Ehemaligen des Ochtruper Gymnasiums dürfte der Name Clemens Kauling Erinnerungen wachrufen. Denn bis 2005 war der heute 74-Jährige dort Lehrer für Latein, katholische Religion sowie Erdkunde und hat in seiner Laufbahn wohl ganze Scharen von Schülern unterrichtet. Seine Lateinschüler werden sich wohl besonders an die erste Lateinstunden nach den Weihnachtsferien erinnern. Denn die begann Kauling immer mit einem ganz besonderen Ritual. Aber auch die Bürger in Laer erinnern sich an den früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden, der viele Jahre im Ewaldidorf gelebt hat.

Freitag, 29.12.2017, 21:12 Uhr

Bis 2005 unterrichtete Clemens Kauling am Ochtruper Gymnasium.
Bis 2005 unterrichtete Clemens Kauling am Ochtruper Gymnasium.

Bei vielen Ehemaligen des Ochtruper Gymnasiums dürfte der Name Clemens Kauling Erinnerungen wachrufen. Denn bis 2005 war der heute 74-Jährige dort Lehrer für Latein, katholische Religion sowie Erdkunde und hat in seiner Laufbahn wohl ganze Scharen von Schülern unterrichtet. Seine Lateinschüler werden sich wohl besonders an die erste Lateinstunden nach den Weihnachtsferien erinnern. Denn die begann Kauling immer mit einem ganz besonderen Ritual.

„Ich habe mit den Schülern immer die Chronogramme aus den Westfälischen Nachrichten übersetzt“, erzählt der pensionierte Lehrer, der lange Zeit in Laer lebte und vor einigen Jahren nach Damme gezogen ist. Autor dieser Sinnsprüche in lateinischer Sprache war Heinrich Hürfeld. Der Kniff: Bei einem Chronogramm muss die Summe aller darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text bezieht.

Seinen Schülern versprach Kauling: „Wenn ich in Pension bin, schreibe ich selbst solche Chronogramme.“ Gesagt, getan. 2005 ging Kauling in den Ruhestand und für das Jahr 2006 löste Kauling sein Versprechen direkt ein. Es folgte ein Chronogramm, das diese Zeitung veröffentlichte. Vor Kurzem erfuhr der Lateinlehrer vom bevorstehenden Jubiläum seiner ehemaligen Schule. 50 Jahre hat das Gymnasium in Ochtrup im nächsten Jahr auf dem Buckel. Aus gegebenem Anlass setzte sich Kauling erneut an den Schreibtisch, spitzte den Bleistift und entwarf zunächst ein Chronogramm für 2018. Doch was sich so einfach anhört, ist ziemlich mühsam. „Zunächst überlegt man sich, was man schreiben möchte, dann übersetzt man alles ins Lateinische und dann rechnet man zusammen – immer wieder“, berichtet der 74-Jährige von seiner Schreibübung. Was nach fast einer Woche auf dem Papier stand waren die Worte: „Die führenden Politiker unseres Staates sollen dafür sorgen, dass unser Vaterland mit Mut und Menschlichkeit die bedrängenden Herausforderungen unserer Zeit durchgreifend und hinlänglich löst, damit Einigkeit zustande kommt unter den Bürgern aller Bevölkerungsgruppen und Recht und Freiheit Geltung haben in einem sicheren Vaterland!“

„Ja, ein bisschen politisch dürfe es schon sein“, findet Kauling, der jahrelang als Fraktionsvorsitzender der Laerer CDU agierte. Die Glückwünsche für seine ehemalige Schule wollte der Pensionär nun auch als Chronogramm verfassen. Doch nach den Mühen der ersten Fingerübung suchte er sich Hilfe im Internet und fand einen Chronogramm-Assistenten. „Der übernimmt zumindest das Zusammenrechnen“, erzählt Kauling. Sein zweites Chronogramm liest sich in der deutschen Übersetzung folgendermaßen: „Die florierende Schule in Ochtrup, die vor 50 Jahren gegründet wurde, damit Mädchen und Jungen alle Wissenschaften studieren können, möge leben, wachsen und gedeihen!“ Gerne hätte Kauling das Wort „gymnasium“ verwendet, das ja lateinischen Ursprungs ist. Doch ein „M“ steht dort für die Zahl 1000. „Da wäre dann nicht mehr viel übrig geblieben“, so der Pensionär. Und gratulieren mit dem auch im plattdeutschen bekannten „Vivat“ wollte er schließlich auch noch. So tauschte er „gymnasium“ gegen „schola“ und bildete noch ein paar anderen Formulierungen um. „Zum Glück gibt es im Lateinischen eine große Übersetzungsfreiheit“, sagt Kauling und das Schmunzeln ist in seiner Stimme zu hören.

Und ob seine ehemaligen Schüler noch in der Lage sind, die lateinischen Wörter ins Deutsche zu übersetzen? Den Lateinlehrer würde es zumindest freuen.

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