Weihnachten auf dem Reiterhof
Innehalten zwischen Heu und Hafer

Ladbergen -

Weihnachten, ein Fest, das mit unzähligen Bräuchen und Traditionen verbunden ist. Jede Familie hat ihre eigenen Abläufe rund um die Feierlichkeiten. Aber was ist mit den Menschen, die an Weihnachten auch Pflichten haben? Wie wird die Arbeit an Weihnachten organisiert, so dass trotzdem festliche Stimmung aufkommt und Traditionen gepflegt werden können?

Freitag, 22.12.2017, 17:12 Uhr

Möhren und Äpfel bekommen die Pferde an Heiligabend von Christine und Hans Tegelmann.
Möhren und Äpfel bekommen die Pferde an Heiligabend von Christine und Hans Tegelmann. Foto: Birga Jelinek

Eine Berufsgruppe, die an Feiertagen ebenso arbeiten muss wie an jedem beliebigen anderen Tag, sind die Landwirte. Die Tiere brauchen regelmäßig Futter, Pflege und Bewegung, da wird kein Unterschied gemacht, ob Weihnachten , Wochenende oder ein ganz normaler Wochentag ist. In ihr persönliches Weihnachten hat Familie Tegelmann vom Reiterhof Westerfeld einen Einblick gegeben.

Christine und Hans Tegelmann leben und arbeiten auf ihrem Reiterhof Westerfeld in Ladbergen. Sie haben sich die Ausbildung von Pferd und Reiter zur Aufgabe gemacht, bieten ein vielfältiges Unterrichts- und Kursusangebot für kleine Feriengäste und die Reiter aus der Umgebung an. Das ganze Jahr sind sie für ihre Gäste und Schüler, vor allem aber ihre wichtigsten Mitarbeiter, ihre Pferde und Ponys, da.

Der Arbeitsalltag auf dem Reiterhof dreht sich ganz um das Wohl der Vierbeiner. Sie bringen den großen und kleinen Gästen das Reiten bei, sind gleichzeitig Lehrmeister und bester Freund. „Gerade in der Weihnachtszeit bringen viele Gäste „ihren“ Pferden besondere Leckereien als Dankeschön für gemeinsam erlebte Abenteuer mit“, erzählt Christine Tegelmann, für die die Zeit, in der andere Ferien machen, besonders arbeitsreich ist. Sie kümmert sich um die Ferienkinder, aber auch um die regelmäßigen Reitschüler aus dem Ort. Eine schöne Arbeit, ohne Frage, aber auch eine anstrengende, die sich nicht an feste Arbeitszeiten binden lässt. Egal zu welcher Tageszeit, auf dem Hof herrscht fröhliches Treiben. „Die Aufgaben sind vielfältig, Routine und Überraschungen wechseln sich ab, es ist immer etwas zu erledigen und schon ist der Tag vorbei.“

Doch an Weihnachten wird es anders. „Dann, wird es ruhiger auf dem Hof“, erzählt Christine Tegelmann. „Die Feriengäste sind abgereist, es finden keine Reitstunden statt.“ Die Pferde, Hasen, Katzen und der Hofhund werden versorgt wie sie es benötigen, aber alles andere ist an diesem Tag nicht wichtig. Das fröhliche Treiben weicht einer feierlichen Ruhe.

Christine und Hans Tegelmann machen am Heiligen Abend eine besondere Runde durch den Stall. Sie verteilen Äpfel und Möhren an die Pferde, die mehr sind als bloß Mitarbeiter. Weihnachten ist auch ein Fest der Dankbarkeit – und genau diesen Gedanken tragen die beiden in den Stall. Ein Dankeschön für geleistete Arbeit, ein Innehalten, ein freundschaftliches Zusammensein, ein Moment der Ruhe.

Weihnachten im Stall, gar nicht so weit hergeholt und eine wunderbare Brücke zu den christlichen Traditionen um den Heiligen Abend. Fand doch die Geschichte um Maria und Josef in einem Stall statt, der Stall als Zuflucht und sicherer Ort, als Heimat für diese Nacht. Stall, Tiere, Weihnachten und Wunder sind enger verknüpft als man es auf den ersten Blick vermutet.

Erst wenn alle Tiere versorgt sind und zufrieden fressend in ihren Ställen stehen, versammelt sich die Familie um den Weihnachtsbaum und feiert den Heiligen Abend, bevor es am nächsten Morgen wieder in den Stall geht. Arbeit und Privates so sehr verknüpft, dass man beides nicht voneinander trennen kann und so gehört die Arbeit auch an Weihnachten einfach dazu.

Nachdem so viel über die organisatorischen Aspekte von Weihnachten gesprochen wurde, zitiert Hans Tegelmann ein Gedicht von Erich Kästner: „Der Dezember“. Es geht um Dinge die man verpasst, verlernt und aufgeschoben hat und fordert dazu auf, die Zeit zu nutzen, den Augenblick zu leben. Auch das ist für ihn Weihnachten.

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