Einsatz für die Landwirte
„Der Strukturwandel war sehr heftig“

Horstmar-Leer -

Über 30 Jahre lang hat Heinrich Wenning die Interessen der Bauern als Ortslandwirt vertreten. Während der jüngsten Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins hat sich der 64-Jährige nicht mehr zur Wahl stellt. In einem Gespräch mit dieser Zeitung berichtet der Familienvater aus Leer über seine aktive Zeit als Ortslandwirt, in der er viel erlebt hat.

Freitag, 29.12.2017, 19:12 Uhr

Hund Casper ist ein treuer Begleiter von Heinrich Wenning,  der diese Stelle in seinem Garten besonders schätzt. Die Skulptur haben die Kinder Bernd und Claudia seiner Frau Agnes zum 60. Geburtstag geschenkt. Im Hintergrund ist der Schöppinger Berg zu sehen.
Hund Casper ist ein treuer Begleiter von Heinrich Wenning,  der diese Stelle in seinem Garten besonders schätzt. Die Skulptur haben die Kinder Bernd und Claudia seiner Frau Agnes zum 60. Geburtstag geschenkt. Im Hintergrund ist der Schöppinger Berg zu sehen. Foto: fn

Mit viel Beifall wurde Heinrich Wenning aus der Leerer Bauerschaft Haltern aus seinem Amt als Ortslandwirt verabschiedet. Nach 30 Jahren in dieser Funktion hatte er sich während der jüngsten Versammlung des LOV nicht mehr zur Wahl gestellt (wir berichteten). Seine Nachfolge hat Franz-Otger Schulze Iking angetreten. Der Ortslandwirt ist Vorsitzender der Ortsstelle und wird von den Mitgliedern des LOV gewählt. Er unterstützt die Kreisstelle, die ihren Sitz in Saerbeck hat.

„Mein Bestreben war es in all den Jahren, mich für den Berufsstand der Landwirte einzusetzen. Ich habe mich bewusst aus der Politik herausgehalten“, blickt Heinrich Wenning auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück. In diesen hat der Leerer erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft geleistet. So agierte er insgesamt zehn Jahre im Kreisvorstand des Landwirtschaftsverbandes, in der Veranstaltergemeinschaft von RST, als Richter in Landwirtschaftssachen beim OLG in Hamm, als Mitglied des Aufsichtsrates bei der heimischen Volksbank sowie als Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes.

Der 64-Jährige bewirtschaftet zusammen mit seinem Sohn Bernd ein 75 Hektar großes Anwesen mit Land- und Forstwirtschaft sowie Schweinemast und regenerativer Energie. Als Ortslandwirt hat der Familienvater stets die fachlichen Wünsche und Anregungen der Landwirte an die Kreisstelle weitergeleitet. Mit dieser hat Wenning stets vertrauensvoll zusammengearbeitet. Gemeinsam verhinderte man seinerzeit die angedachte weitere Ausdehnung des Baugebietes „Zum Esch“ in Richtung Schöppinger Berg, da dort zwei Vollerwerbslandwirte angesiedelt sind. Wenning nahm zu Grundstücksverträgen Stellung, insbesondere wenn es um den Verkauf vom Landwirt zum Nichtlandwirt ging. Eher selten waren Stellungnahmen zu Hofnachfolgen.

„Der Strukturwandel in der Landwirtschaft war sehr heftig, die Technisierung hat Fortschritte gemacht“, beurteilt Wenning die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. Während früher ein Betrieb vielseitig gewesen sei, habe sich der Landwirt spezialisiert, die Produktion gehe in eine Tierart.

Dank der umfangreichen Bemühungen und Aktionen habe sich das Image der Landwirtschaft verbessert, die Produktionsmethoden würden allerdings immer kritischer gesehen und hinterfragt. Umfangreich seien die Dokumentationspflichten geworden, die fast nur noch durch Fachleute zu bewältigen seien.

Besonders beklagt Wenning die wechselnden politischen Rahmenbedingungen. Die Pachtpreise seien gestiegen, teilweise werde wegen der geringen Zinsen auch schon in den Boden als sichere Anlageform investiert. „Grund und Boden sind nicht vermehrbar, darum ist ein sorgfältiges Umgehen mit den wertvollen Ackerflächen geboten“, fordert er. Bevor in Leer ein neues Baugebiet ausgewiesen werde und landwirtschaftliche Flächen verloren gehen, müssten alle anderen Möglichkeiten und soweit machbar eine Lückenbebauung favorisiert werden.

Das Verhältnis der Landwirte vor Ort sei harmonisch, keiner jage dem anderen etwas ab. „Bei gemeinsamen Veranstaltungen wird offen miteinander gesprochen“, weiß der Ex-Ortslandwirt aus Erfahrung. Er hält den Gewässerschutz für sehr wichtig und schätzt die Düngeverordnung als sehr nützlich ein.

Mit der derzeitigen Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking habe man eine Person gefunden, die von Landwirtschaft etwas verstehe. Mit deren Mutter Hedwig habe er vor mehr als 20 Jahren schon einmal zusammengearbeitet, als es um die Fleischkennzeichnung ging, erinnert er sich.

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