Betrug per Ebay: Auch Staatsanwaltschaft hilft nicht weiter 935 Euro – für nichts

Greven -

Ein Grevener wollte sich bei Ebay ein digitales DJ-Pult für fast 1000 Euro kaufen. Doch der ging Betrügern auf den Leim – und er fühlt sich sowohl von Ebay als auch von den Ermittlungsbehörden im Stich gelassen..

Von Oliver Hengst
Da ist eine Menge schief gelaufen: Christian Teekat zahlte für einen Artikel bei Ebay, erhielt aber bis heute keine Ware - und rechnet auch nicht mehr damit. Was ihn vor allem ärgert, ist die Untätigkeit des Internet-Auktionshauses.
Da ist eine Menge schief gelaufen: Christian Tekaat zahlte für einen Artikel bei Ebay, erhielt aber bis heute keine Ware - und rechnet auch nicht mehr damit. Was ihn vor allem ärgert, ist die Untätigkeit des Internet-Auktionshauses. Foto: Oliver Hengst

Als ihm klar wurde, dass etwas schief gelaufen sein könnte, war es längst zu spät. Die Bank konnte nicht helfen, auch Ebay und die Staatsanwaltschaft konnten (oder wollten) nicht tätig werden. Mehr als 900 Euro futsch – keine Chance, etwas zu retten. Der Grevener Christian Tekaat ärgert sich bis heute – natürlich über sich, aber auch über Ebay.

Von Anfang an: Christian Tekaats Leidenschaft ist das Mixen von Musik per digitalem DJ-Pult. Ein solches wollte er gern haben. Marke Pioneer. High-End. Kein günstiger Spaß. Also schaute er sich nach gebrauchter Ware um. „Wenn die gepflegt sind, kann man diese Geräte gut gebraucht erwerben.“

Scheinbar seriöser Weg

Erste Anlaufstelle: Ebay-Kleinanzeigen im Internet. Doch weil er von Betrugsmaschen gehört hatte, wollte er auf Nummer Sicher gehen und auf jeden Fall bei einem Anbieter kaufen, bei dem man die Ware persönlich abholen kann. „Meist gab es dann aber null Rückmeldung“, hat er nach entsprechenden Anfragen erlebt. Die meisten wollten den teuren Artikel nur versenden. Das machte ihn misstrauisch.

„Ich wollte sicher gehen, dass ich das Gerät auch erhalte. Irgendwann wurde mir das zu heiß und ich beschloss: Ich gehe den seriösen Weg über Ebay.“ Heute muss er fast lachen, wenn er das sagt.

Dort, vermutete der Grevener damals noch, sei er bei einem Kauf abgesichert. Der Großkonzern Ebay und die Art der (zumeist) gewerblichen Angebote (im Gegensatz zum eher privat geprägten Ebay-Kleinanzeigen) ließen ihn davon ausgehen, keinen Reinfall erleben zu müssen. „Da kann ich auch Nutzerprofile und Bewertungen einsehen.“

Der entscheidende Fehler

Schließlich stieß er auf ein Angebot bei einem Anbieter mit gut 100 Topbewertungen, der auch Abholung anbot (allerdings in Bayern, was dann doch nicht in Frage kam). Das überzeugte Tekaat. Er schlug zu – und machte dann den (wie er nun weiß) entscheidenden Fehler: Er zahlte nicht via Paypal, sondern per klassischer Überweisung. „Und mir ist nicht aufgefallen, dass die IBAN nach Frankreich führte.“

Tage vergingen, ohne dass die Ware eintraf. Auch Mails blieben unbeantwortet. Und schließlich wurde Tekaat klar, dass er betrogen worden war. Mehr als eine Woche später fiel das offenbar auch Ebay auf. Per Mail wurde der Grevener informiert, dass der „Verkäufer“ wohl ein gehacktes Konto genutzt hatte. Das Angebot sei „folglich entfernt“ worden, interne Mail-Nachrichten zu dem Verkauf löschte das Auktionshaus. Hilfe? Fehlanzeige.

Betrugsfälle

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„Wenden Sie sich an Ihre Bank“, sei der einzige (wenig nützliche) Hinweis gewesen. Nur bei Paypal-Bezahlung hätte es Käuferschutz gegeben. „Das wurde aber nicht angeboten, jetzt ist mir auch klar, wieso nicht.“ Die Bank konnte nicht rücküberweisen (geht wenn überhaupt nur bei Abbuchungen).

Ebay-Verhalten: "Eine Frechheit"

Die Polizei gab die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weiter, die das Verfahren gegen Unbekannt schließlich einstellte. Der Nutzer des Profils lasse sich nicht klären (weil man bei Ebay auch als „Micky Maus“ mit Fantasieadresse ein Konto anlegen kann). „Weitere Nachforschungen versprechen im Moment keinen Erfolg“, heißt es in einem Brief der Ermittlungsbehörde. Und Ebay? „Die haben mir keine Auskunft gegeben. Gar nichts.“ Stattdessen fühlte er sich mit Copy-and-Paste-Briefen abgespeist. „Es interessiert niemanden dort. Ebay lässt mich hängen. Eine Frechheit.“

Angesichts dieser Untätigkeit fühlt sich Tekaat doppelt betrogen. Die Masche, auf die er hereinfiel, sei leider so sicher, dass man dies fast schon als Einladung zum Betrug werten müsse. Wer es darauf anlege, könne fast sicher sein, nicht verfolgt zu werden, zieht der Familienvater eine bittere Bilanz. Dass die Familie Tekaat zuvor 529 An- und Verkäufe via Ebay abgewickelt (und damit die Kassen des Konzern gefüllt) hatte, interessierte auch niemanden, klagt der Grevener an. „Die haben einfach nichts getan. Die fahren eine Null-Bock-Politik.“

Irgendwann schrieb er das Geld ab („Ich wollte mich nicht permanent darüber ärgern müssen“) und kaufte den Artikel auf einem anderen Weg, holte ihn persönlich ab und zahlte bar. Mit Ebay ist er durch. „Ich werde da nichts mehr kaufen. Dann gehe ich lieber zum lokalen Händler und zahle ein paar Euro mehr.“

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