Der Modelleisenbahn-Treff baut seine zerstörte Anlage wieder auf
Große-Jungen-Traum im Maßstab 1:87

Greven -

Das Hochwasser 2014 hat ihre Eisenbahn-Anlage, die im Keller des Gymnasiums aufbewahrt wurde, binnen weniger Minuten zerstört – die Arbeit von 15 Jahren und Werte von 30 000 Euro waren futsch. Doch mit Mitglieder des Modelleisenbahn-Treffs Greven haben sich wieder berappelt: Sie bauen und basteln neu.

Montag, 01.01.2018, 10:01 Uhr

Ein Bahnhof, ein Zug, ein paar Gleise – mehr ist von der neuen Anlage (noch) nicht fertig. Bis die vielen Neubau-Ideen realisiert sind, werden Jahre ins Land gehen, wissen (von links): Thomas Sahle, Günther Thurner, Stefan Hensmann, Christian Buhla und Malte Zeranka. Nicht im Bild: Udo Möllers.
Ein Bahnhof, ein Zug, ein paar Gleise – mehr ist von der neuen Anlage (noch) nicht fertig. Bis die vielen Neubau-Ideen realisiert sind, werden Jahre ins Land gehen, wissen (von links): Thomas Sahle, Günther Thurner, Stefan Hensmann, Christian Buhla und Malte Zeranka. Nicht im Bild: Udo Möllers. Foto: Oliver Hengst

Der Schock saß tief, damals. 2014, als das Hochwasser kam und (fast) die ganze Arbeit binnen Minuten zunichte machte. Rund 15 Jahre lang hatten die Männer an ihrer Anlage gebaut, hatten Geld, Nerven und Herzblut investiert. Und plötzlich: alles im Eimer. Sie retteten aus dem Keller des Gymnasiums, was zu retten war. Einige Häuser und Bäume haben den Wassereinbruch überstanden. Die meiste Technik und vor allem der Holzunterbau der Anlage nicht.

Bis der Schrecken verdaut war ging einige Zeit ins Land. Dann, im Oktober 2016 machten sie sich wieder an die Arbeit. Seitdem bauen die Mitglieder des „Modelleisenbahn-Treffs-Greven“ am Nachfolger, an einer neue Anlage, die irgendwann wieder die Gäste von Ausstellungen erfreuen soll. „Beim Weihnachtsmarkt im Ballenlager standen die Leute in Dreier- oder Vierer-Reihen und schauten“, sagt Günther Thurner . Er ist Vorsitzender der Gruppe mit dem Zweitnamen „Interessengemeinschaft 1999“ - ein Hinweis aufs Gründungsjahr. Die Gruppe hatte zur Blütezeit über 20 aktive Mitglieder, inzwischen ist sie auf sechs bis sieben Mitstreiter zusammengeschrumpft. Aber die eint die Freude am gemeinsamen Hobby und das eine Ziel: eine neue Anlage aufbauen.

Dafür treffen sich die Männer jeden Montagabend in einem leer stehenden Ladenlokal. Zum Fachsimpeln, Quatschen über Gott und die Welt und natürlich zum Arbeiten. Wobei das niemand hier so nennen würde. Diese „Arbeit“ ist pure Entspannung. Hobby eben.

Der Neuaufbau wird gründlich geplant. „Die Fehler von damals wollen wir nicht übernehmen“, sagt Thomas Sahle. Vor allem achten die Männer nun auf eine konsequent modulare Bauweise, bei der alles zueinander passt und sich zugleich auch mehrere Aufbauvarianten ergeben. Der Auf- und Abbau wird dank eines selbst konstruierten Unterbaus deutlich erleichtert. Ein Riesen-Vorteil zur alten Anlage. Das ist wichtig, weil die Modelleisenbahner ihre Anlage wieder öffentlich zeigen wollen, bei Ausstellungen, Märkten, als Attraktion in Autohäusern. Auch, weil so ein Teil der Kosten wieder hereinkommt.

Apropos Kosten: Über Geld spricht man auch hier nicht gern, natürlich. Nur soviel: Mit der alten Anlage haben sich rund 30 000 Euro in Luft aufgelöst. Der Neuaufbau wird sicher auch nicht billig. „Jeder steuert einen gewissen monatlichen Obolus bei. Das muss dann eben reichen“, sagt Thurner.

Leicht gesagt, denn den Eisenbahnern geht es wie vielen anderen mit ihrem Hobby: Es kann suchtartigen Charakter entwickeln. Noch eine Lok, noch ein Wagen.

Besonders üppig ist die Sammlung von Christian Buhla, der eine dreistellige Anzahl an Loks zu Hause beherbergt. „Na, ja“, sagt er, „halt nicht von heute auf morgen. Das hat sich mit der Zeit so ergeben.“

Bis die Loks auf der neuen Anlage rund fahren, vergeht noch eine Weile. Aktuell liegen immerhin schon die ersten Schienen. Und die Fahrwege sind programmiert.

Richtig gelesen. Ohne Computer geht heute (fast) nichts mehr. Die Zeiten, in denen man einfach am Regler eines Trafos drehte? Lange vorbei. „Die Technik hat sich gerade in den letzten zehn Jahren unheimlich weiterentwickelt“, weiß Malte Zeranka. Beispiel: Servomotoren. „Die sind so klein geworden, dass man sie fast überall einbauen kann. „Zum Beispiel in eine Schaukel. Das ist gerade das Schöne: dass man so viel selbst bauen kann.“

Die Liebe zum Detail, sie ist auch jetzt schon – trotz noch fast nackiger Anlage – erkennbar. Die Männer haben den Eisenbahnschienen (übrigens Märklin „H null“) eine täuschend echte Patina verpasst, sie diskutierten lange darüber, welche Farbe und Körnung der Schotter des Gleisbettes haben soll. Beim Thema Detailverliebheit zückt Stefan Hensmann ein Tablet und spielt ein Video vor: eine Dampflok, die nicht nur dampft, sondern das auch noch unterschiedlich stark macht, je nachdem, ob sie fährt oder steht. Auch bei der Anlage gehen sie keine Kompromisse ein. Ein Zug hält exakt am Bahnhofsgleis, ein Güterzug ein Stückchen weiter draußen, weil er meistens viel länger ist. Auch das regelt Kollege Computer.

Kompromisslose Technik steckt auch in einem Lkw-Prototyp. Sensoren, Funksignale und Magnetspulen in der Fahrbahn lotsen ihn genau da hin, wo die Männer ihn hinhaben wollen. Fortschritt auch dort, wo ein Laie ihn gar nicht sieht: Unter der Anlage. Stefan Hensmann lenkt den Blick auf die Verkabelung. „Das muss heute nicht mehr gelötet werden, in der Regel wird das alles gesteckt.“ All die Kabel münden in einen imposanten Regler-Kasten. Sieht nach Kabel-Gewirr aus, doch alles hat seinen festen Platz. Eigentlich ein Paradies für technisch interessierten Nachwuchs. Doch Kinder und Jugendliche zu begeistern ist fast aussichtslos. Gegen Konsole, Handy und Co. kann die Modelleisenbahn heute – allem technischen Fortschritt zum Trotz – nicht viel ausrichten.

Genug geplaudert, die Männer machen sich wieder an die „Arbeit“. Es gibt noch so viel zu tun. Ein Schattenbahnhof, Lokschuppen, Bäume und Sträucher, lebensechte Szenarien – die Liste der Ideen und Aufgaben ist lang. Sehr lang. Irgendwann, vielleicht schon bald, sagt Stefan Hensmann, wollen die Männer die Anlage wieder beim Weihnachtsmarkt im Ballenlager ausstellen. „Der Mensch braucht Ziele.“

Wer mitbauen oder einfach nur in das Hobby hineinschnuppern möchte, findet Ansprechpartner auf: www.modelleisenbahn-treff-greven.de

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