Neue Musik Ludgeriplatz 16.10 Uhr

Greven -

Neue Musik findet auch in Greven immer mehr interessierte Besucher. War die Resonanz im Vorjahr noch äußerst gering, so konnte man am Sonntagnachmittag beim Werkstatt-Konzert im Rahmen der „3. Münsterländer Herbstkurse für Neue Musik“ eine deutliche Steigerung feststellen.

Das Ensemble „Consord“ präsentierte zum Abschluss das 3. Streichquartett des italienischen Komponisten Giacinto Scelsis.
Das Ensemble „Consord“ präsentierte zum Abschluss das 3. Streichquartett des italienischen Komponisten Giacinto Scelsis. Foto: Axel Engels

Diesmal war dieser Kurs eingebettet in die Jugendmusiktage „Musik schlägt Brücken“ des Kreises Steinfurt, womit auch eine Förderung dieses innovativen Musikerlebnis verbunden war.

Dass dabei jeder Cent gut angelegt war, zeigt die hochwertige Arbeit bei den Herbstkursen der Musikschule Greven/Emsdetten/Saerbeck. Teilnehmer dieses Kurses hatten sich nicht nur als Instrumentalisten eingebracht, sondern auch ihre kompositorischen Qualitäten einfließen lassen.

Dies ergab natürlich ein ganz facettenreiches Programm, das das breite Spektrum Neuer Musik von reiner Klangmalerei bis zu strukturierten Handlungsabläufen beleuchtete.

Peter Gahn , Komponist und Professor an der Musikhochschule Nürnberg, führte mit kleinen Moderationen durch das Konzert, bot einen guten Einblick in die Entstehung sowie Besonderheiten der jeweiligen Werke.

Aus den „44 Harmonies“ von John Cage hatte er die Nr. I und II ausgewählt, die von den jungen Musikerinnen und Musikern der Banda die Musica in gleich zwei Versionen präsentiert wurden.

John Cage hat das Material von Cookfield und Brunswick mit seiner ganz eigenen Kompositionssprache fast minimalistisch umgesetzt und so war es interessant, diese beiden Parts in der „ursprünglichen“ und innovativen Ausführung direkt nebeneinander zu hören.

In kleinerer Besetzung erklangen dann fünf Stücke, die entweder als eigenständige Komposition oder als Bearbeitung bekannten Materials in den fünf Tagen des Workshops entstanden sind.

„Ludgeriplatz 16.10 Uhr“ war wie ein Bild des turbulenten Kreisels an der münsterischen Musikhochschule. „All four“ als Abbild der Umgebung, „Blackbox“ als Abbild des Cuba Kulturzentrums, „Der Zeitraum liegt zurück“ als Rückführung in vergangene Welten sowie eine Improvisation über harmonische Obertöne rundeten das facettenreiche Bild vom Klangort Stadt ab.

Das schon aus dem Vorjahr bekannte Ensemble „Consord“ präsentierte als Abschluss das 3. Streichquartett des italienischen Komponisten Giacinto Scelsis. In den fünf Sätzen konnte das Quartett die jeweiligen Charaktere mit exquisiter Spielkultur zum Leben erwecken, das Publikum durch intensive und differenzierte Darstellung der musikalischen Gedanken für dieses anspruchsvolle Werk begeistern. Der 1905 in La Spezia geborene und 1988 in Rom verstorbene Giacinto Scelsis hat sich nie den Strömungen der Moderne angepasst, immer einen ganz eigenen Weg gewählt. Seine gleichsam sphärischen Klänge boten eine willkommene Gelegenheit, seiner eigenen Fantasie beim Lauschen der Musik freien Lauf zu lassen.

Moderne kann eben auch ganz spannend sein, da darf man auf die Weiterführung dieser mutigen Arbeit gespannt sein.

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